Trauer und Traumatisierung im Fokus

25 Jugendliche leben im Hromadka-Haus. Neue Themen stellen Bewohner und Mitarbeiter vor Herausforderungen.

Foto: S. Essers
Foto: S. Essers

Ohne ihre Familien und ganz auf sich allein gestellt, sind die meisten von ihnen in Deutschland angekommen und haben in Stolberg ein neues zu Hause gefunden. 25 junge Männer zwischen zwölf und 18 Jahren leben derzeit im Hromadka-Haus in Zweifall. Der große Andrang an unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen habe mittlerweile zwar abgenommen. Das bedeute allerdings nicht, dass es nicht nach wie vor genug zu tun gebe, sagt Guido Lusetic, Fachbereichskoordinator des Zentrums für soziale Arbeit in Burtscheid. Die Einrichtung ist nach wie vor voll belegt. Und damit nicht genug. Neue Themen wie die Traumapädagogik oder die Trauerarbeit rücken mehr in den Fokus. Und auch ganz alltägliche Herausforderungen gilt es zu meistern. „Die Pubertät ist international. Sie kennt keine Grenzen“, sagt Guido Lusetic und lacht. Allerdings bringt nicht jede Situation ihn sowie die Mitarbeiter und Jugendlichen im Hromadka-Haus zum Lachen wie die aktuelle Situation in Chemnitz zeigt. Inwiefern belasten Nachrichten dieser Art die jungen Erwachsenen? Und wie ist die Situation in Stolberg? Guido Lusetic kennt die Antworten auf diese Fragen. Doch zunächst zurück zum Hromadka-Haus.

 

Dieses gibt es bereits seit 1883 in Stolberg. Benannt ist es nach dem tschechoslowakischen evangelisch-lutherischen Theologen Josef Lukl Hromádka. Aufgrund mangelnder Platzverhältnisse kam 1972 ein Neubau dazu. Der Bau, der im Dachbereich einen Saal und im Erdgeschoss Übernachtungsmöglichkeiten bot, wurde mit dem Altbau verbunden. 1980 fand eine zweite Erweiterung statt. Dabei entstanden ein Heimleiterwohnhaus und ein Anbau. Auch sie sind mit dem Altbau verbunden. Ab 2003 wurde das Hromadka-Haus als Ausbildungsstätte für Zivildienstleistende genutzt. Ab 2006 pachtete Rob Heijne das Gebäude, in dem niederländische Krebspatienten Erholung finden sollten. 2011 gab er es an den Eigentümer zurück. Danach stand es vier Jahre leer. Neue Pächter sind Cornelia und Udo Wilschewski vom Zentrum für soziale Arbeit (ZfsA) in Aachen-Burtscheid in der Trägerschaft des Evangelischen Frauenvereins Aachen.

 

Im Hromadka-Haus haben alle Bewohner ihr eigenes Zimmer mit einer Nasszelle. Einige der Jugendlichen, die dort momentan wohnen, sind schon seit zwei Jahren in Deutschland. Andere haben die Einrichtung mittlerweile verlassen, einen Ausbildungsplatz und eine eigene Wohnung gefunden. „Das ist für die Jugendlichen und für uns ein großer Erfolg. Man muss aber auch sagen, dass wir von den Stolberger Firmen sehr unterstützt werden“, sagt Lusetic. Bereits mehrere junge Männer hätten in der Kupferstadt mittlerweile eine Ausbildung beginnen können. Auch der Ehrgeiz, in die Schule zu gehen und die deutsche Sprache zu lernen, sei bei den jungen Männern nach wie vor ungebrochen, sagt Lusetic.

 

Doch es gibt auch neue Themen, mit denen sich die Bewohner und Mitarbeiter auseinandersetzen müssen. Die Stichworte hier lauten Traumatisierung und Trauer. „Die Traumatisierung wird wohl ein Dauerthema sein“, ist sich Lusetic sicher. In den vergangenen Jahren sei der Andrang an jungen Erwachsenen, die nach Deutschland kamen, hoch gewesen. Erst Mitte des vergangenen Jahres sei es diesbezüglich ruhiger geworden. Seitdem könne man sich intensiver mit den fachlichen Aufgaben auseinandersetzen. Sprich: mit den Themen, die eigentlich zur klassischen Jugendhilfe dazugehören. „Das sind Themen, die die Mitarbeiter in den Gruppen täglich erleben“, sagt Lusetic. Dazu zählt beispielsweise die Trauer über den Verlust der Familie oder der Heimat. Bereits in den vergangenen Monaten haben zahlreiche Fortbildungen der Mitarbeiter zu diesen Themen stattgefunden. Dies wolle man in den kommenden Wochen und Monaten noch intensivieren. „Wir wollen den Jugendlichen klarmachen, dass es ok ist, wenn man trauert und das Trauer wichtig ist“, sagt Lusetic.

 

Die Jugendlichen, die im Hromadka-Haus leben, sind jedoch nicht alle unbegleitet nach Deutschland gekommen. Mittlerweile gibt es auch Inobhutnahmen aus Familien heraus oder auch Aufnahmen aus Pflegefamilien. Ein Grund: Überforderung. Schließlich seien die Probleme der jungen Flüchtlinge oft nicht anders als die von deutschen Jugendlichen, sagt Lusetic. Für seine Kollegen ist die Situation allerdings neu. Warum? Elternkontakt hat in ihrer Arbeit bisher keine Rolle gespielt.

 

Überforderung spiele auch oft in der ehrenamtlichen Arbeit eine wichtige Rolle. Lusetic glaubt, dass oft unterschätzt werde, dass man es mit Jugendlichen zu tun habe. Und deren Lebensskripte könnten sich manchmal von heute auf morgen ändern. „Dann steht nicht die Nachhilfe im Vordergrund, sondern der Freund oder die Freundin“, sagt Lusetic. Natürlich sei es dennoch wichtig, dass die jungen Erwachsenen lernen, dass sich Menschen Zeit für sie nehmen und dies wertschätzen.

 

Und wie reagieren die Jugendlichen, wenn sie Ausschreitungen wie in Chemnitz in diesen Tagen verfolgen? Haben sie dann Angst? „Ja“, sagt Lusetic. „Die Jugendlichen sehen auch Nachrichten. Sie kommen nach Deutschland, weil sie hier Sicherheit suchen. Natürlich sind sie verängstigt, wenn sie solche Dinge mitbekommen.“ Aus diesem Grund sei es umso wichtiger, ihnen die Menschen zu zeigen, die sich für sie engagieren – auch in Stolberg.

 

In den Sportvereinen seien die jungen Erwachsenen nach wie vor willkommen und auch mit den Nachbarn gebe es keine Probleme. „Das Zusammenleben in Zweifall ist noch immer positiv“, resümiert Lusetic. Auch im Rahmen des Tags der Integration, der in der vergangenen Woche in Aachen stattfand, wurde ihm deutlich: „Es gibt noch immer viele engagierte Menschen.“ Mit Unterstützung der Bürgerstiftung Lebensraum könne man nun beispielsweise die Familie eines Jugendlichen nach Deutschland holen. Für sie wurde bereits Wohnraum gefunden und eine Paten-Familie akquiriert.

 

Das sei keineswegs selbstverständlich. Vor allem die Suche nach geeignetem Wohnraum sei nach wie vor ein großes Problem. Die Angebote seien nahezu unbeschreiblich. Unterwohnt seien die Objekte in den meisten Fällen. Und mit dem Beginn des neuen Semesters, das im Oktober starte, werde es nicht besser, ist sich Lusetic sicher. Im Hromadka-Haus werden die Jugendlichen übrigens auf das Leben in einer eigenen Wohnung vorbereitet – in sogenannten Verselbstständigungsgruppen. In dieser sind nun auch Jugendliche mit Einschränkungen, wie einer posttraumatischen Belastungsstörung und Lernbehinderung, untergebracht. Auch sie hätten schließlich eine Chance verdient, so Lusetic.

 

Dass dies für die jungen Erwachsenen nicht selbstverständlich sei, zeigen immer wieder alltägliche Situationen. Mittlerweile würden sie immer mehr annehmen, dass sie in die Prozesse der Mitarbeiter einbezogen würden und auch mitentscheiden dürften. „Je nachdem, wo die Jugendlichen herkommen, durften sie das nicht leben“, sagt Lusetic. Es ist nur ein Aspekt, der sich im Laufe ihres Aufenthalts in Stolberg geändert hat. Dass sie sich in ihren zu Hause auf Zeit wohlfühlen, zeigt auch ihre Tatkraft. Im vergangenen Jahr sorgten sie dafür, dass die Wege im Garten wieder genutzt werden können. Ein Schwimmbecken und ein Kleinspielfeld konnten durch Spenden angeschafft werden. Damit die jungen Flüchtlinge dort ihre Freizeit verbringen können – so wie ganz normale Jugendliche.

 

Wer sich ehrenamtlich im Hromadka-Haus engagieren und den Jugendlichen beispielsweise Nachhilfe geben möchte, kann sich unter 0241/609070 melden oder per E-Mail an ehrenamt @zfsa.de wenden.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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