„Wir sind damals sogar ausgelacht worden“

Seit 25 Jahren ist der Verein „Menschenskind“ in der Städteregion Aachen aktiv. Doch nicht immer war das Helfen auch einfach.

Foto: B. Zilkens
Foto: B. Zilkens

Der Satz „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ von Erich Kästner ist in der deutschen Sprache längst zu einem geflügelten Wort geworden. Und mit kaum einer anderen Formulierung könnte die Arbeit, die der Verein „Menschenskind“ in der Städteregion Aachen leistet, treffender beschrieben werden. Schnelle und unbürokratische Hilfe für kranke Kinder und deren Familien – diesem Ziel hat sich der aktuell rund 250 Mitglieder zählende Verein seit seiner Gründung im Jahre 1993 verschrieben. Der Impuls dazu: Die Not nicht länger hinnehmen, sondern aktiv werden.

 

„Wir konnten nicht immer allen frühgeborenen und schwerkranken Kindern helfen, manche mussten wir mit körperlichen Beeinträchtigungen zu oft besorgten Eltern nach Hause oder zur Betreuung in die Hände einer ambulanten Kinderkrankenpflege geben“, beschreibt der Vorsitzende Dr. Volker Siller die Hintergründe. Eine der ersten Hilfsaktionen von Menschenskind: Zusammen mit dem Förderkreis krebskranke Kinder Aachen e.V. konnte dem zweijährigen Anton aus dem ehemaligen Jugoslawien dank einer Operation das Leben gerettet werden. Vier Jahre später wurde für die Stolberger Feuerwehr der Kinder-Rettungswagen „Sindbad“ angeschafft, der rund 250 000 D-Mark kostete. „Wir sind damals dafür ausgelacht worden, weil es nichts Vergleichbares gab“, erzählt Toni Sturz, damals Leiter der Feuerwehr und heute stellvertretender Vorsitzender von Menschenskind. „Aber das Fahrzeug hat uns im Alltag unglaublich gute Dienste geleistet.“

 

Auch heute noch gibt es spektakuläre Hilfsaktionen mit einem größeren finanziellen Rahmen. Beispielsweise für die mittlerweile 10-jährige Lorena aus dem Kosovo, die seit ihrer Geburt an gelähmten Beinen litt und die dank einer aufwendigen Operation und einer Orthese seit Weihnachten 2017 in ihrer Heimat zur Schule – und das ist wortwörtlich gemeint – gehen kann. „So etwas wie Inklusion gibt es im Kosovo nicht, mit einem Rollator hätte dieses neugierige und wissbegierige Mädchen dort nicht eingeschult werden können“, unterstreicht Siller.

 

Dennoch sind Aktionen mit solch großen Dimensionen zunehmend einem breit gefächerten, individuell angepassten Unterstützungsangebot gewichen. Um die Not vieler Familien zu sehen, müsse man gar nicht in die Ferne schweifen, so Schriftführerin Ilse Zörkler. „Durch das Sozialpädiatrische Zentrum am Bethlehem Gesundheitszentrum, wo viele Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten, chronischen Erkrankungen, Leistungsstörungen und Behinderungen behandelt werden, kommen wir auch direkt in Kontakt mit deren Familien und haben einen guten Überblick, wo Hilfe notwendig ist.“ In den Gesprächen gehe es nicht nur um medizinische Belange, sonder auch über die Situation in der Familie.

 

Häufig kann dann schon mit ganz profanen Dingen geholfen werden: ein kaputter Herd, der nicht aus eigenen Mitteln ersetzt werden kann; Mutter-Kind-Kuren für erschöpfte Mütter von zum Beispiel behinderten Kindern; Nachhilfe für Geschwisterkinder, die im Alltag vieles alleine meistern müssen, weil die Eltern an anderer Stelle eingespannt sind; ein Nachmittag im Schwimmbad oder auf dem Indoor-Spielplatz sowie Zuschüsse zu Klassenfahrten – all diese Dinge, die das Leben der Familie ein wenig erleichtern und ein paar sorgenfreie Stunden ermöglichen, finanziert Menschenskind durch die eingehenden Spenden und Mitgliedsbeiträge. In den vergangenen Jahren besonders gefragt ist das therapeutische Reiten, das früher noch durch andere Kostenträger finanziert wurde, aber anderweitig bezahlt werden muss.

 

„Das therapeutische Reiten tut Kindern, die zum Beispiel an Verkrampfungen durch eine Zerebralparese leiden, unheimlich gut“, beschreibt Vorstandsmitglied Rosa Maria Nolden die Wirkung. „Wenn sie im Sattel sitzen oder auf dem Pferd liegen, ist eine unglaubliche Entspannung spürbar. Autistische Kinder, die große Schwierigkeiten haben, mit Menschen in Kontakt zu treten, reagieren bei Tieren vollkommen anders und in Zusammenhang mit den Pferden reagieren sie wiederum auch anders auf Menschen.“ Eltern erzählten oft, dass ihr Kind durch die Therapie wie verwandelt sei und Ähnliches höre man auch von den Ärzten, ergänzt der Menschenskind-Vorsitzende.

 

Die Spendengelder – mehr als eine Million Euro sind seit der Gründung schon zusammengekommen – werden selbstverständlich nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Zum einen werde natürlich zuerst geprüft, ob für eine bestimmte Leistung öffentliche Geldhähne angezapft werden können. Zum anderen werde jeder Antrag genau unter die Lupe genommen. „Wir müssen leider auch schon mal nein sagen, wenn wir merken, dass die finanzielle Not nicht so groß ist, wie sie geschildert wird“, sagt Ilse Zörkler. Aber wenn sie da ist, dann kann es schnell gehen. „Notfalls stimmen wir uns im Vorstand per E-Mail ab, wenn die Zeit drängt.“

 

So viel persönlicher Einsatz bleibt natürlich nicht im Verborgenen. Weshalb Dr. Volker Siller und Ilse Zörkler in diesem Jahr stellvertretend für den Gesamtvorstand von Menschenskind mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Stolberg ausgezeichnet worden sind. Zugleich sind sie für den Deutschen Engagement-Preis 2018 nominiert, für den man ab dem 12. September online seine Stimme abgeben kann und der am 5. Dezember in Berlin verliehen wird. „Beides ist für uns eine tolle Sache“, betont Toni Sturz.

 

1993 bis 2018 – das bedeutet auch, dass der Verein in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Den Auftakt macht ein Festakt im Bethlehem Gesundheitszentrum am 17. November – dem Welt-Frühgeborenentag. Ein nicht zufällig gewähltes Datum, da zu früh geborene Kinder und deren Eltern von Beginn an durch Menschenskind unterstützt wurden – sei es durch die Vermittlung von Kontakten zu Ärzten und Kinderkrankenschwestern oder durch einen Gesprächskreis. Weitere Aktionen: Günter Kleiber wird mit seiner Drehorgel an den Wochentagen während der Weihnachtszeit im Stolberger Krankenhaus unterwegs sein. Außerdem besucht Max der Clown alias Herbert Baldrian – Ehrenmitglied von Menschenskind und seit mehr als zwei Jahrzehnten für den Verein aktiv – am Heiligen Abend die Kinderstation. Für 2019 ist außerdem noch ein Sommerfest für Kinder und Familien geplant, ein Datum dafür gibt es aber noch nicht.

 

Was es hingegen gibt ist ein neuer, auch für Kinder interessanter Flyer. Dessen Herzstück ist nämlich ein kunterbuntes Wimmelbild mit Motiven aus der ganzen Städteregion. Außerdem ist die Homepage zuletzt inhaltlich aktualisiert.(beni)

 

Spendenmöglichkeit und Termine

  • Wer den Menschenskind e.V. unterstützen möchte – sei es durch eine Spende oder eine Mitgliedschaft – findet auf alle Fragen die nötigen Informationen im Internet:  www.menschenskind.org
  • Termine: Gedenkfeier für Eltern und Familien verstorbener Kinder am Samstag, 15. September, um 17 Uhr in der Kapelle des Bethlehem Gesundheitszentrums. Der Festakt zum 25-jährigen Jubiläum ist am Samstag, 17. November, um 11 Uhr ebenfalls im Krankenhaus.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

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