Die Bundespolizei springt durch die Region

Mit der sogenannten Hubschraubersprungfahndung will die Behörde die 205 Kilometer Grenze im Westen in den Griff kriegen.

Foto: S.-L. Gombert
Foto: S.-L. Gombert

Mit lautem Knattern setzt sich Timm Paulsen mit seinem Helikopter wieder in Bewegung. Die sechs Männer, die sich in einiger Entfernung ins hohe Gras gehockt haben, mitten auf einem Feld irgendwo bei der niederländischen Grenze, erheben sich langsam und gehen in Richtung der Straße. Rund 50 Kilometer sind es vom Flugplatz Merzbrück an der Autobahn 44 hierher, zu dem kleinen Grenzübergang zwischen dem Heinsberger Ortsteil Karken und Posterholt in den Niederlanden.

 

Wenn man diese Strecke mit dem Auto fährt, muss man mindestens 45 Minuten Fahrzeit einplanen. Der Flug hingegen hat nur zehn Minuten gedauert. Mit einer sogenannten Hubschraubersprungfahndung hat die Bundespolizei am Dienstag und Mittwoch in der Region den Grenzverkehr in die Niederlande und nach Belgien überwacht. Der Clou: Mit geringem Personalaufwand können in kurzer Zeit mehrere Kontrollposten eingerichtet werden. In Karken und Wehr, oder auch in Kalterherberg und Roetgen in der Eifel.

 

Mittlerweile haben die Bundespolizisten ihren kleinen mobilen Kontrollpunkt aufgebaut. Ein paar Aufsteller mit Tempolimit, eine Polizeikelle – mehr ist das nicht, was die Polizisten für ihre Aufgabe heute dabei haben. „Guten Tag, wo kommen Sie her, und wo geht es hin?“, fragt Bundespolizist Frank Hendelkens einen jungen Autofahrer mit Heinsberger Kennzeichen. Nach etwas Bestimmtem suchen Hendelkens und seine Kollegen heute nicht. Vielmehr will man sich einen Eindruck darüber verschaffen, was sich so tut an den kleinen Grenzübergängen. Dunkelfelderhellung nennt sich das. Die Sturmhauben, die Waffe, das Einbruchswerkzeug und weitere Dinge, die bei diesem Einsatz an den verschiedenen Grenzübergängen gefunden werden, sind aber nur ein Teilaspekt der Aktion. „Die Landesgrenze, die wir abdecken müssen, ist 205 Kilometer lang“, sagt Christof Irrgang, Sprecher bei der Bundespolizei. An vielen Stellen auf diesen 205 Kilometern gelte es nicht nur, illegale Machenschaften zu unterbinden, sondern auch, den Bewohnern der Grenzregion ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. „Die Leute sehen das gerne, wenn wir vorbeikommen“, so Irrgang. Und dank des schnellen Helikopters könne man eben viele Ziele an einem Tag ansteuern. Immer wieder war in den vergangenen Monaten die Personalnot bei der Bundespolizei, auch in Nordrhein-Westfalen, ein großes Thema. „Wir wollen den Leuten erklären, dass wir schlagkräftig sind, auch wenn es unbesetzte Stellen in unseren Reihen gibt“, betont Irrgang.

 

So sehr der Helikopter die Arbeit der Polizisten an diesem Tag auch beschleunigt, so wirkt die Bürokratie an diesem Tag im Grenzland als Bremse: Zwei junge Syrer, die als anerkannte Flüchtlinge im niederländischen Posterholt leben, kommen mit dem Fahrrad auf den Kontrollpunkt zu. „Da die beiden in den Niederlanden registriert sind, dürfen sie nicht ohne entsprechende Papiere nach Deutschland – auch nicht für eine kleine Fahrradtour durch die Grenzregion“, erklärt Irrgang. Doch haben sie nun, da sie wenige Meter nach Deutschland hereingeradelt sind, eine Ordnungswidrigkeit begangen, oder eine Straftat? Die Polizisten klemmen sich ans Telefon und bemühen sich um Klärung. Letztlich dauert es aber anderthalb Stunden, bis man die Männer nach einer mündlichen Belehrung wieder in die Niederlande zurückfahren lässt. Bei den unterschiedlichen Behörden und Ämtern dies- und jenseits der Grenze ist nach 17 Uhr kaum noch jemand telefonisch zu erreichen.

 

„Auch dazu ist so ein Einsatz gut“, räumt Christof Irrgang ein, „wir können bei solchen Einsätzen gut feststellen, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen.“ Durch diesen Übungseffekt und eine entsprechende Nachbereitung sei man für den Ernstfall, beispielsweise bei einer Großlage, bestens vorbereitet.

 

Nach rund zwei Stunden hört man an dem kleinen Grenzübergang bei Karken wieder das laute Knattern des Helikopters von Pilot Timm Paulsen. Irrgang, Hendelkens und ihre Kollegen werden wieder eingesammelt, es geht zurück nach Merzbrück. Begleitet wird ihr Abflug von einer kleinen Gruppe freundlich winkender Anwohner.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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