Krieg endet mit einem heiklen Manöver

Bürgermeister übergibt Stadt an Amerikaner. Auch heute sind amerikanische Soldaten regelmäßig in Stolberg zu Gast.

Es war der 22. September 1944, der für Stolberg zu einem besonderen Datum werden sollte. An diesem Tag übergab der damalige Bürgermeister Engelbert Regh die Stadt an US-amerikanische Truppen, die am Tag zuvor die Burg besetzten. Der heutige Antikriegstag erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 (siehe Infobox). Ein Grund, um den Blick auf Stolberg während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu werfen. Auch heute spielt Stolberg in diesem Kontext noch eine wichtige Rolle.

 

Was sich in Stolberg während und nach dem Zweiten Weltkrieg abgespielt hat, weiß Stadtarchivar Christian Altena. Er hat unzählige Dokumente und Zeitzeugenberichte aus dieser Zeit gesammelt und ausgewertet. Was viele Menschen nicht wissen: Laut Geschichtsschreibung war Stolberg die erste deutsche Stadt, die an US-amerikanische Truppen übergeben wurde. Zudem war die Kupferstadt auch eine der Städte, die besonders lange umkämpft wurden – nämlich rund sieben Wochen. Zum Vergleich: Sieben Wochen benötigten die Amerikaner damals, um durch Frankreich zu gelangen. Und damit nicht genug. 1945 war Stolberg zudem einwohnermäßig die größte Stadt im ehemaligen Kreis Aachen. Das lag daran, dass die Stadt damals nicht beziehungsweise erst nach dem Eintreffen der Amerikaner – zumindest in Teilen – evakuiert wurde.

 

Nachdem die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie gelandet waren, rückte die Front auch im Westen immer näher. Das habe sich unter anderem dadurch angekündigt, dass ranghohe Nationalsozialisten sich ihre Autos mit Hochprozentigem vollgeladen hätten und geflohen seien, sagt Altena, der sich auf etliche Zeitzeugenberichte beruft.

 

Warum Stolberg damals nicht evakuiert wurde? Der damalige Bürgermeister Engelbert Regh, Mitglied der NSDAP, hatte nach dem letzten Luftangriff – bevor die Front nach Stolberg kam – den Alarm nicht wieder aufgehoben und sich zuvor zudem einem Räumungsbefehl der NS-Funktionäre erfolgreich widersetzt. So verbrachten die Stolberger zahlreiche Wochen in den Kellern und ließen sich von Amerikanern „überrollen“, wie man damals sagte. Für eine Evakuierung war es mit dem Näherkommen der Amerikaner zu spät.

 

In den umliegenden Städten war das anders. Aachen beispielsweise wurde damals fast vollkommen evakuiert. So kam es dazu, dass Stolberg 1945 die größte Stadt im Altkreis wurde. Als im September 1944 Eschweiler zur Frontstadt wurde, fand auch dort eine Evakuierung der Bevölkerung statt.

 

Für Stolberg interessierten sich die Amerikaner damals nicht, sagt Altena. „Sie wollten eigentlich nur Aachen einnehmen.“ Bürgermeister Regh und der damalige Polizeichef nutzten dies, um die Stadt an die Amerikaner zu übergeben. Eine heikle Situation. Das beinhaltete nämlich nicht, dass es von diesem Zeitpunkt an keine Kämpfe mehr in Stolberg geben sollte. Die Wehrmacht hatte sich schließlich nicht ergeben und so verlief die Front fortan durch Münsterbusch, Mühle und Donnerberg. Während die Stolberger in ihren Kellern ausharrten, kämpften Wehrmacht und Amerikaner um die Kupferstadt. Beide Seiten versuchten dann auch, die Bevölkerung doch noch zu evakuieren. Den Amerikanern sei dies auch gelungen. Die Versuche der Wehrmacht hätten zahlreiche Stolberger allerdings als „Gängelung“ empfunden, sagt Altena.

 

Und wie sah es mit der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges aus? Entgegen etlicher Gerüchte wurde die Stolberger Burg beispielsweise nicht zerstört und auch Bombenteppiche aus der Luft habe es nicht gegeben. Auch Angriffe auf die Stolberger Industrie, die wichtig für den Krieg war, blieben aus. Zerstört wurde Stolberg dennoch. Der Grund: die Kämpfe an der Front. Gressenich sei so beispielsweise nahezu vollkommen zerstört worden. Und auch Zweifall, Mausbach, Donnerberg, Münsterbusch, Unterstolberg und Atsch wiesen etliche Zerstörungen auf. Oberstolberg hingegen sei fast völlig verschont geblieben.

 

Und wie ging es nach der Übergabe Stolbergs und den Kämpfen an der Front weiter? Regh wurde im Herbst 1944 in Abwesenheit von einem deutschen Kriegsgericht für sein Verhalten zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde allerdings nie ausgeführt. Er saß in den 1950er Jahren für die FDP im Stadtrat und starb schließlich 1956.

 

Am 1. Oktober 1944 wurde Friedrich Deutzmann von den Amerikanern zum Bürgermeister ernannt und half vor allem beim Wiederaufbau der Stadt mit.

 

Auch heute kommen noch amerikanische Soldaten nach Stolberg. Erst vor anderthalb Wochen residierten die sogenannten Young Potentials – also junge Soldaten, die einmal eine Führungsposition erhalten sollen – im „Hotel zum Walde“, wie Betreiberin Melanie Bungenberg berichtet. Sie nehmen dort an historischen Lehrgängen teil. In diesem Rahmen erhalten sie beispielsweise Kartenmaterial aus der damaligen Zeit und müssen dann entscheiden, wie sie bei der Schlacht im Hürtgenwald taktisch vorgegangen wären. Ausflüge ins Gelände stehen dann ebenfalls auf dem Programm. Auch englische Soldaten sind regelmäßig in Stolberg zu Gast. Sie besuchen meist Aachen oder das Fort Eben Emael in Belgien, sagt Melanie Bungenberg.

 

Besonders interessiert seien die Amerikaner bei ihren Besuchen an Gesprächen mit Einheimischen, die – im besten Fall – Zeitzeugen sind und sich an die Übergabe und die Zeit danach erinnern können. Bungenbergs Vater wurde beispielsweise 1942 geboren, war bei der Übergabe zwei Jahre alt und erzählte den Gästen aus Amerika schon häufiger, wie ihm die Soldaten damals Süßigkeiten geschenkt hätten. „Das hören sie wahnsinnig gerne. Für sie ist es wichtig, dass sie von der Bevölkerung vor Ort nicht als Feinde angesehen wurden“, erklärt Melanie Bungenberg.

 

Ein Tag für den Frieden und gegen den Krieg

  • Der Antikriegstag oder Weltfriedenstag ist ein Gedenktag. Es gibt drei verschiedene Termine für diesen Tag.
  • In Deutschland wird dieser am 1. September begangen, in der katholischen Kirche am 1. Januar und der„Internationale Tag des Friedens“ der Vereinten Nationen wird am 21. September gefeiert.
  • Erstmals wurde in der Sowjetischen Besatzungszone am 1. September 1946 ein „Weltfriedenstag der Jugend“ ausgerufen. Seit Beginn der 1950er Jahre wurde in der Deutschen Demokratischen Republik der 1. September als „Tag des Friedens“ beziehungsweise als „Weltfriedenstag“ bezeichnet, an dem die Öffentlichkeit in Versammlungen und Kundgebungen zum Eintreten für den Weltfrieden aufgerufen wurde.
  • In der Bundesrepublik Deutschland wird dieser Tag jährlich als „Antikriegstag“ begangen. Er erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen, der am 1. September 1939 stattfand.
  • Die westdeutsche Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief. Auf dem Bundeskongress des DGB im Jahr 1966 wurde dann ein Antrag angenommen, „… alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. Septembers in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird.“
  • Auch heute noch ruft der DGB am 1. September zu Kundgebungen und Veranstaltungen anlässlich des Weltfriedenstages auf und organisiert Veranstaltungen.

 

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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