Ein Steinkauz reicht als K.o.-Kriterium

Im Steg: Traum vom neuen Bauland in Breinig ist zerplatzt. Ende der Planungen. Naturschutz hat Vorrang.

Foto: Stadt Stolberg / Ulrich Haese
Foto: Stadt Stolberg / Ulrich Haese

„Huhuuu, Huhuuu, ...“ lässt der Uhu sich normalerweise vernehmen. Eine andere Eulenart überzeugt mit einem „Guhat“, „Kwiau“, oder einem kurzen „Kja“ oder „Kju“: Der Steinkauz ist lebhaft und verfügt über ein relativ breites Rufrepertoire. Das ist wichtig für die Biologen. Ohne seine Laute ist der Steinkauz kaum auszumachen. Denn diese dämmerungsaktive Eulenart wird nur etwa 20 Zentimeter groß, da muss man schon Glück haben oder gut Hinhören können, um ein Exemplar entdecken zu können.

 

Dabei ist es durchaus wichtig zu wissen, ob der Steinkauz ein Nachbar ist. Hat er sich erst einmal eine Bruthöhle gesucht, dann ist sein Revier so etwas wie ein naturschutzrechtlicher Hochsicherheitstrakt. „Der Steinkauz gehört aufgrund einer landesweiten Gefährdungssituation zu den Vogelarten, bei denen jedes einzelne Vorkommen geschützt ist“, erklärt der Stolberger Biologe Dr. Ulrich Haese. Dabei umfasst ein Steinkauz-Revier je nach Qualität zwischen 5 und 50 Hektar. Das gesamte Revier darf als Fortpflanzungsstätte laut Gesetz weder gestört noch zerstört werden.

 

Im ehemaligen Kreis Aachen wurden im Jahr 2000 noch 62 Brutpaare nachgewiesen, erklärt Haese. 2013 waren es nur noch 38. Seither nimmt der Bestand aufgrund von unterstützenden Maßnahmen wieder zu: 2015 waren es 43 und 2017 schon 47 Reviere. Diese Zahlen spiegeln allerdings einen nicht unbedingt vollständigen Kenntnisstand wider. So wird der Bereich Breinig-Nordost um den Sportplatz schon seit längerer Zeit kontrolliert, während im Umfeld nördlich und südlich von Breinigerberg noch Kenntnislücken bestehen, berichtet Haese.

 

In Stolberg hat der Steinkauz eine größere Bedeutung als der Feldhamster, der in den 90er Jahren das Aachener Gewerbegebiet Avantis jahrelang stoppte. Wo ein Steinkauz nachweisbar brütet, ist kein Platz mehr für eine andere Entwicklung. Der Steinkauz hat bereits geholfen, die in der Münsterau von RWE geplante Freilandleitung in die Erde zu bringen. Und der Steinkauz hat bereits Anfang diesen Jahrhunderts Stolbergs Pläne für ein großes Neubaugebiet in Breinig beerdigt: Anfang 2006 wurde die Entwicklung einer 16 000 Quadratmeter großen Wohnbaufläche an der Buttergasse zu den Akten gelegt. Der kleine Greifvogel hatte zugeschlagen. Nun bereitet er den Überlegungen zu einem Neubaugebiet Im Steg den Garaus.

 

Das kurzrasige beweidete Grünland mit einem großen Angebot an Bruthöhlen, Tagesverstecken und Sitzwarten im Umfeld zwischen Steg und Wingertsberg ist ein ideales Biotop für den Steinkauz.

 

Spätestens seit der Erweiterung des Breiniger Sportplatzes ist bekannt, dass im angrenzenden Bereich ein Brut- und Jagdrevier des Steinkauzes liegt. Für die mit der Projektierung eines rund 10 000 Quadratmeter großen Neubaugebietes „Im Steg“ von Stadt und S-Immo beauftragte Stolberger Bauland GmbH (SBG) hat sich deshalb als Erstes die Steinkauz-Frage gestellt. Dr. Ulrich Haese wurde mit der Beantwortung beauftragt.

 

Der Stolberger legte sich mit gespitzten Ohren auf die Lauer – während der Balz von Februar bis April und während der Aufzucht der Jungvögel im Mai und Juni. Bereits im März wurden die ersten Steinkauz-Rufe im Plangebiet und weitere vom Wingertsberg her registriert. Bei einer Kontrolle von Brutstätten im Juni wurden neben zwei aktuell unbesetzten Nestern in einem Nistkasten südlich des Feldweges am Wingertsberg tatsächlich vier Jungtiere angetroffen. „Diese Anzahl lässt auf eine gute Nahrungsversorgung schließen“, sagt Haese. Ein weiteres früheres Vorkommen auf einem Privatgrundstück konnte ebenso nicht verifiziert werden wie Vorkommen im Bereich einer zur Kompensation des Sportplatzbaus neu angelegten Obstwiese.

 

Aber „der Nachweis einer erfolgreichen Brut südöstlich des neuen Sportplatzes ist zunächst als Erfolg des Artenschutzes zu bewerten“, interpretiert Haese. Offensichtlich hat der Steinkauz seinen Brutplatz aus der Nähe in die Ferne des Sportplatzes verlegt – weil neben der ungewohnten Unruhe auch die abendliche Beleuchtung stört.

 

In jedem Fall steht aber das Vorkommen eines – möglicherweise zweier – Steinkauz-Reviere der Entwicklung eines großflächigen Neubaugebietes entgegen.

 

Nahezu unrealistisch erscheinen auch der Stadtverwaltung theoretische Möglichkeiten eines artenspezifischen Ausgleichs. Sollten überhaupt Kompensationsflächen bereitgestellt werden können, dann wäre dies „langfristig und teuer“, sagt Tobias Röhm. Ein Erfolg müsse nachgewiesen werden, bevor überhaupt mit einer Baulandgewinnung begönnen werden dürfe, so der Technische Beigeordnete weiter.

 

Einzige Alternative wäre noch eine Entwicklung von zehn Prozent der Fläche westlich des Baustoffhandels. Sie wäre aber nur schwer zu erschließen und durch die Emissionen des Unternehmens beeinträchtigt. Die Verwaltung empfiehlt dem Stadtrat einen Verzicht auf die Entwicklung eines Neubaugebietes Im Steg. Man wolle „andere, potenziell unkritische Bereiche“ Breinigs unter die Lupe nehmen, die im aktuell noch gültigen Gebietsentwicklungsplan als allgemeine Siedlungsbereiche dargestellt sind.

 

Das könnten Flächen nördlich des Sportplatzes Schützheide sein – unter dem Vorbehalt genauerer Untersuchungen. Denn auch dort könnte ein Steinkauz sein Revier aufgeschlagen haben.

 

Alle befragten Breiniger Betriebe ohne Interesse

  • Bereits Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre wurden erste Überlegungen zur Arrondierung der Ortslage Breinig im Bereich „Im Steg“ angestellt, die in der Darstellung eines Wohn- und Mischgebietes in dem damals neuen Flächennutzungsplan mündeten. Mit
  • der Darstellung als „Allgemeiner Siedlungsbereich“ im Gebietsentwicklungsplan 2003 wurde
  • der im Flächennutzungsplan dargestellte Bereich nach Osten bis zum Rückhaltebecken ausgedehnt.
  • Im Jahr 2004 wurde durch die Verwaltung eine Voruntersuchung bzw. eine skizzenhafte Vorplanung
  • für das Gebiet „Im Steg“ vorgelegt. Ein planungsrechtliches Verfahren wurde 2006 jedoch zunächst nur für die Erweiterung der Baustoffhandlung durchgeführt.
  • Nach dem Erweiterungsbau 2011 wurde auf Betreiben eines Grundeigentümers zwar erneut die Idee einer Bauleitplanung aufgegriffen, aber Befragungen aller Breiniger Betriebe in 2011 und 2014 zu ihrer Zukunftsplanung ergaben, dass kein Betrieb den Wunsch äußerte, Im Steg expandieren zu wollen. Auch Wohnkonzepte wurden aufgrund einer schwierigen Erschließung nicht weiter verfolgt.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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