„Alle müssen helfen, die Wildbienen zu retten“

Interview zum Wochenende mit Heidi Selheim von der Biologischen Station. Ausstellung mit 30 Künstlern zum Thema.

Foto: D. Müller
Foto: D. Müller

Eine große Kunstaktion gegen das Wildbienensterben findet an diesem und an dem kommenden Wochenende in Skulpturengarten und Atelierhaus Hammerberg 13 statt (siehe Infokasten). Unter dem Titel „Sumsimitpo“ stellen mehr als 30 Künstler aus der Region ihre Werke zum Thema aus. Ebenfalls vertreten ist Heidi Selheim von der Biologischen Station. Mit Selheim sprach Dirk Müller über Artenschutz und Kunst.

 

Was erwartet die Besucher der Ausstellung?

 

Selheim: Es ist die dritte große Gemeinschaftsausstellung bei Birgit Engelen, und die Erfahrung zeigt, dass es sehr interessant ist, wenn mehr als 30 Künstler sich mit dem selben Thema beschäftigen. Der Spannungsbogen ist groß, da die Künstler sich der Problematik sehr unterschiedlich nähern. Und natürlich interdisziplinär: Malerei, Skulpturen, Installationen, Assemblagen, Fotokunst, Objekte und mehr sind zu sehen. Hinzu kommen am Sonntag, 26. August, noch mehrere Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene. Es gibt an dem Tag eine Tanzperformance, Naturführungen, einen Infostand, Nisthilfenbau, eine Wildbienen-Beobachtungsstation und eine Rallye eigens für Kinder – alles zum Thema bedrohte Wildbienen.

 

Warum sind die Wildbienen das Thema der Kunst-Aktion?

 

Selheim: Zunächst muss man unterscheiden zwischen Honigbienen und Wildbienen. Die Honigbienen sind wie Rinder oder Schweine längst zu Haustieren geworden, die meist auf Ertrag gezüchtet sind. In Deutschland gibt es aber auch rund 560 verschiedene Arten von Wildbienen, von denen derzeit 293 auf der roten Liste bedrohter Arten stehen. Das ist dramatisch, denn die Wildbienen erfüllen wichtige Funktionen und sind für die Natur und besonders für uns Menschen unverzichtbar.

 

Weshalb sind Wildbienen für den Menschen unverzichtbar?

 

Selheim: Die Wildbienen bestäuben zusammen mit den Honigbienen etwa 80 Prozent unserer Nutzpflanzen wie Feldfrüchte, viele Gemüsesorten wie Zucchini, Kürbis, Tomaten und Obstbäume oder Beerensträucher. Damit leisten sie einen erheblichen Beitrag zur Ernährung der Menschheit. Viele Wildbienenarten sind dabei extrem spezialisiert und daher für den Erhalt der Artenvielfalt unersetzlich. Das bedeutet im Umkehrschluss: Je weniger Wildbienen es gibt, desto schwieriger ist es, die Menschheit mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Existenz des Menschen ist schlichtweg enorm abhängig von den Wildbienen. Und die wichtigen Wildbienen sind besonders gefährdet, weil das Aussterben einer Art wie in einer Kettenreaktion oft das Verschwinden mehrerer weiterer Arten nach sich zieht.

 

Wieso kommt es zu solchen Kettenreaktionen?

 

Selheim: Viele Arten von Wildbienen sind sogenannte Kuckucksbienen. Sie haben keine eigenen Brutstätten, sondern nutzen die „Nester“ anderer Wildbienenarten. Stirbt die Wirt-Biene aus, finden mehrere andere Arten keine Brutstätten mehr, und diese Kuckucksbienen können sich nicht mehr vermehren und sind dann ebenfalls akut vom Aussterben bedroht.

 

Was kann die Kunst-Aktion am Hammerberg gegen das Wildbienensterben ausrichten?

 

Selheim: Uns ist klar, dass wir mit der Ausstellung nicht die Welt retten können. Aber wenn es uns gelingt, Menschen für das Thema zu sensibilisieren, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und die Faszination zu vermitteln, die die Wildbienen ausstrahlen, ist schon viel gewonnen. Der erste Schritt ist bereits getan: Mehr als 30 Künstler sind jetzt im Thema und fungieren als Multiplikatoren, die mit weiteren Menschen über das Wildbienensterben reden. Beim Verteilen von Plakaten und Flyern haben wir auch mit einigen Leuten über die Thematik gesprochen. Jetzt hoffen wir auf möglichst viele Besucher, die eine spannende Kunstausstellung genießen und gerne auch Anregungen mit nach Hause nehmen, denn fast jeder kann helfen, die Wildbienen zu retten.

 

Wie kann man den Wildbienen helfen?

 

Selheim: Wer einen Blumenkasten vorm Fenster hat, ein kleines Kräuterbeet auf der Fensterbank, einen Balkon, eine Terrasse oder einen Garten, kann zum Überleben der Wildbienen beitragen. Beim Kauf von Pflanzen kann man zum Beispiel auf gefüllte Blüten verzichten und keine gespritzten Pflanzen erwerben. Vom Kräuterbeet nur die Hälfte abernten und die andere Hälfte einfach blühen lassen, hilft den Tieren auch. Ebenso wie heimische Blühpflanzen und Sträucher anzupflanzen – die Auswahl ist groß, und die Biologische Station in Stolberg berät gerne. Gut ist auch, wenn im Garten und auf dem Balkon über das Jahr verteilt etwas blüht. Natürlich sollten keine Pestizide verwendet werden. Und da ungefähr die Hälfte der Wildbienen erdnistend sind, ist die zunehmende Versiegelung von Flächen ein Problem. Wenn also Garten und Terrasse den Tieren Wegesränder und Fugen zum Nisten bieten, ist das sinnvoll. Ist der Garten groß genug, kann man den Tieren auch ganz einfach eine kleine Freifläche lassen, gerne locker mit Sand gemischt.

 

Wenn man den Wildbienen Nahrung und Brutstätten ermöglicht, teilt man dann Balkon und Garten mit stechenden Plagegeistern?

 

Selheim: Nein, denn die Wildbienen sind harmlos. Mit Ausnahme von Hummeln leben sie eben nicht in Völkern organisiert, das bedeutet, sie müssen weder ihren Bau, noch Königin oder Volk beschützen. Dementsprechend sind sie auch nicht aggressiv. Sie gehen beziehungsweise fliegen dem Menschen aus dem Weg.

 

Zurück zur Ausstellung am Hammerberg: Die Kombination Natur-Kunst-Artenschutz ist für Sie nicht neu?

 

Selheim: Stimmt. 2008 habe ich die fachliche Begleitung bei einer Gemeinschaftsausstellung mit Kunst von Michaela Frank übernommen. Das Thema war die Flussperlmuschel. Seitdem bin ich im Kunsthandwerkerhof am Alter Markt aktiv. Dort habe ich 2012 mein eigenes Atelier eröffnet – das der Muschelkoenigin. Wobei ich damit nicht mich selbst meine.

 

Was verbirgt sich denn hinter der „Muschelkoenigin“?

 

Selheim: Ich meine damit besagte Flussperlmuschel, mit der ich ja auch beruflich als Artenschutz-Projektleiterin bei der Biologischen Station beschäftigt bin. Für mich ist die Flussperlmuschel die Königin unter den Muscheln, weil sie die anspruchsvollste ist, was die Wasserqualität anbelangt. Leider war die Flussperlmuschel in unserer Region beinahe verschwunden. Durch halbnatürliche Nachzucht ist es der Biologischen Station aber gelungen, ihr Aussterben zu verhindern.

 

In Ihrem Atelier sind Sie dann aber auch künstlerisch aktiv geworden. Was für Werke fertigen Sie an?

 

Selheim: Hauptsächlich Objekte, gerne aus vermeintlich ausgedienten Gebrauchsgegenständen, die einen neuen Sinn und eine neue Funktion erhalten, bevor sie achtlos weggeworfen werden. Dabei greife ich immer wieder Umwelt-Themen auf, um künstlerisch für den Naturschutz zu plädieren. Das Schöne an Kunst ist, dass man ohne erhobenen Zeigefinger Menschen zum Nachdenken anregen kann.

 

Mit Tanzperformance und Führungen

  • Die Kunstausstellung „Sumsimitpo“ am Hammerberg 13 ist an den Samstagen 25. August und 1. September von 14 bis 18 Uhr und an den Sonntagen 26. August und 2. September von 11 bis 18 Uhr zu sehen.
  • Der Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke führt am Sonntag, 26. August um 11 Uhr in die Ausstellung ein, um 11.45, 14.30 und 16.45 Uhr zeigt Bettina Lauber ihre Tanzperformance, und um 12.30 und 15.30 Uhr bietet Eberhard Holtappels Naturführungen bis zur Birkenwiese Hammerberg an. . Ganztägig können Kinder an einer Frage-Rallye teilnehmen, bei der Preise winken, und an einer Wildbienen-Beobachtungsstation mitbauen.
  • Die ausstellenden Künstler sind: Odine Lang (Buchobjekt), Daniela Althoff (Malerei), Manfred Sponsel (Assemblage), Peter Rotheudt (Fotografie), Holger Vanicek (Wandobjekt), Rainer Bauer (Malerei), Gotthardt Walter (Holzskulptur), Andrea Ewert (Installation), Franz-Josef Kochs (Zeichnung/Wellpappe), Willi Lemke (Metallobjekt), Ela Moonen (Fotobilder), Antje Seemann (Linolschnitt), Elizabeth Weckes (Malerei), Anke Wolf (Wachsobjekt), Moritz Knauf (Bienenhotel), Winfried Kock (Animation/Installation), Günther Winterscheid (Glasobjekt), Josef Walter Schumacher (Fotografie), Anina Marita Cujai (Malerei), Birgit Hansen (Textilobjekt), Maria Kontz und Klaus Schubert (Installation), Sabine Leisten (Fotocollage), LARSundROLF (Documenta-Projekt), Sascha Steil (Metallobjekt/Bienenschaukasten), Bo Prawira (Objekt), André Hennecken (Steinbank-Hammerbergwiese), Matthias Brock (Malerei), Heidi Selheim/Biologische Station (sachlich-wissenschaftlicher Informationsblock), Andrea Steinmann (Malerei/Objekt), Hans Präffcke (Fotografie), Elke Winterscheid (Textilobjekt), Birgit Engelen (Installation/Malerei).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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