Zwischen Animateur und Lebensretter

Der Fachkräftemangel ist auch im Stolberger Hallenbad ein Thema. Die Besucherzahlen steigen an – trotz Hitze.

Foto: S. Essers
Foto: S. Essers

Sommer, Sonne, Freibad? Fehlanzeige! In Stolberg geht es für kleine und große Wasserratten in das Hallenbad Glashütter Weiher. Planschen im Freien ist dort nicht möglich. Wirkt sich das nun negativ auf die Besucherzahlen aus? Schließlich hätte doch alles ganz anders sein können. Das Hallenbad Glashütter Weiher hätte zwar kein richtiges Freibad werden können, aber doch um einen Außenbereich mit Liegewiese ergänzt werden können. Damals – genauer gesagt im Jahr 2004 – hatte sich der damalige Bürgermeister Hans-Josef-Siebertz (CDU) davon eine deutliche Steigerung von Attraktivität und Besucherzahlen versprochen. Damals ließ der Stolberger Bauausschuss das Projekt allerdings sterben. Eine Entscheidung, die nicht unbedingt falsch war. Denn: Trotz tropischer Temperaturen war das Hallenbad in den vergangenen Wochen bestens besucht.

 

Um ein Drittel sei die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, sagt Leiter Manfred Beissel. Doch nicht nur die Flatrate-Karten, die regelmäßig in den Ferien angeboten werden, kommen gut bei den Stolbergern an. In diesem Jahr fand zum ersten Mal ein kostenloser Nichtschwimmerkurs im Stolberger Hallenbad statt. Der war dringend nötig, entschied die Stolberger Politik. Schließlich waren die Nichtschwimmerzahlen in der Kupferstadt sehr hoch. Von den insgesamt 2148 Grundschülern konnten (Stand Februar 2018) 648 Mädchen und Jungen nicht schwimmen. Mit den Nichtschwimmerkursen, die Kirsten Luft und ihre Kollegin Grit Keiming betreuten, sollte sich das ändern. Und wie fällt die Bilanz der beiden Frauen aus?

 

Von 23 Kindern, die drei Wochen lang fleißig übten, erreichten 14 das Seepferdchen. Zwei kleine Wasserratten schafften sogar die Prüfungen, die für das Abzeichen Bronze notwendig sind. Und die haben es in sich. Schließlich mussten sie dafür nicht nur 200 Meter – also acht Bahnen – in 15 Minuten im tiefen Becken schwimmen, sondern auch zwei Meter tief tauchen, vom Ein-Meter-Brett springen und die Baderegeln beherrschen.

 

Ganz einfach sei der Gang ins große Becken jedoch nicht allen Kindern gefallen. Einige hätten ihre Angst erst einmal überwinden müssen. „Einige Kinder, meinten, dass sie das nicht können. Aber kann ich nicht, gibt es nicht“, meint Kirsten Luft. Im kleinen Becken hätten die Trainingseinheiten begonnen, mit und mit hätten sich die Kinder an die Schwimmhilfen rangetastet und wären damit schließlich auch ins große Becken gegangen. „Die Hilfen haben wir dann nach und nach weggelassen, bis es auch so geklappt hat“, sagt Luft. Nicht nur die Eltern seien zufrieden gewesen. Auch die Kinder hätten mit Spaß an den Kursen teilgenommen und dafür erhielten Luft und ihre Kollegin Grit Keiming von der einen oder anderen kleinen Wasserratte sogar ein kleines Dankeschön in Form einer Urkunde. Die Angestellten im Stolberger Hallenbad hoffen, dass sich ein solcher Kurs im kommenden Jahr wiederholen wird. Die Entscheidung darüber werden wohl Politik und Verwaltung treffen.

 

Doch es gibt nicht nur gute Nachrichten aus dem Hallenbad. Schließlich ist mittlerweile auch dort der Fachkräftemangel angekommen. Auszubildende könnten zwar eingestellt werden, sind aber schlichtweg nicht zu finden. Dabei umfasst der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe etliche unterschiedliche Aufgaben: vom Animateur bis zum Lebensretter. Wie ein typischer Arbeitstag aussieht? Montags bis samstags wird im Hallenbad in zwei Schichten gearbeitet. Die erste Schicht beginnt um 5.15 Uhr mit einem Kontrollgang. Unter anderem müssen die Alarmanlage ausgeschaltet, die Technik überprüft und die Umkleiden kontrolliert werden. Um 6 Uhr öffnet das Hallenbad dann seine Pforten.

 

Eine der Hauptaufgaben des Personals besteht darin, die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. Das geschieht zwischen 6 und 8 Uhr – zumindest während der Schulzeit. Dann wird das Hallenbad am Vormittag nämlich für den Schulsport genutzt. Zwischen 8 und 13 Uhr finden dann Reinigungsarbeiten – darunter beispielsweise das Säubern der Filtern – und Arbeiten in der Technik statt. Der Schichtwechsel wird um 14 Uhr eingeläutet. Neben der Beaufsichtigung der Badegäste stehen dann ebenfalls Reinigungsarbeiten an. Schließlich findet am Nachmittag das Training der Vereine statt.

 

Ab 21.45 Uhr wird die Halle mit einem Hochdruckreiniger gesäubert, nach den letzten Kontrollgängen gehen um 23 Uhr die Lichter aus. Neben Aufsicht, dem Überwachen der technischen Anlagen sowie der Wasserqualität und der Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten, müssen Fachangestellte für Bäderbetriebe auch Schwimmunterricht erteilen. Wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann sich im Hallenbad unter 02402/91027 melden oder per E-Mail an hallenbad@stolberg.de wenden.

 

Voraussetzungen für eine Ausbildung

  • Fachoberschulreife, Freude am Umgang mit Menschen und darüber hinaus auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein sowie technisches Verständnis und ein Interesse an chemischen und physikalischen Zusammenhängen gehören zu den Voraussetzungen für diesen Beruf dazu.
  • Zudem sollten Bewerber Spaß an sportlicher Betätigung, die Bereitschaft auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten zu arbeiten und praktische Erfahrungen – beispielsweise im Schwimmsport – mitbringen.
  • Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Theorie findet zwei Mal wöchentlich in einem Kölner Berufskolleg statt, die Praxis im Hallenbad Glashütter Weiher.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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