Die ersten Weichen für die Zukunft sind gestellt

Abtei Mariawald: Die ersten Mönche verlassen das Kloster in Heimbach. Die Gaststätte und der Buchladen bleiben weiter geöffnet.

Foto: KIN
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Die ersten Mönche haben die Abtei Mariawald bereits verlassen, heute geht Dom Josef Vollberg, von 2006 bis 2016 Abt des Trappistenklosters, in ein Zisterzienserkloster in Tschechien. „Noch in diesem Monat“, sagt Wolfgang Nowak, Chefökonom von Mariawald, „werden weitere Brüder in ein Seniorenheim ziehen, weil ihre Versorgung sonst nicht mehr gesichert wäre.“

 

Bereist im Januar (wir berichteten) war die Schließung der mehr als 500 Jahre alten Abtei Mariawald – übrigens das einzige Trappistenkloster in Deutschland – beschlossen worden. Grund war Nachwuchsmangel. Der Konvent war mit einem Altersdurchschnitt von 81 Jahren völlig überaltert. Schon früh war klar, dass für das Kloster möglichst schnell eine neue Nutzung gefunden werden und die Klosterbetriebe mit der berühmten Erbsensuppe und dem Klosterlikör unbedingt weitergeführt werden sollen. Jetzt wurden erste Weichen für die Zukunft gestellt. „Mit dem Weggang der ersten Mönche“, erklärt Nowak, „musste gehandelt werden.“ Eigentümer des Klosters ist der Verein „Trappistenkonvent Mariawald“. „Bisher“, sagt Nowak, „waren nur Mönche Mitglied in diesem Verein. Die Mönche werden Mariawald aber nun verlassen, ihre Gelübde werden auf das Mutterhaus Oelenberg in Frankreich übertragen.“

 

Um handlungsfähig zu bleiben und die Zukunft von Mariawald gestalten zu können, war es nötig die Satzung des Trägervereins zu ändern. Der Verein heißt von nun an „Kloster Mariawald“, und es dürfen nicht mehr nur Mönche Mitglied werden. Nowak: „Damit haben wir sichergestellt, dass es weitergehen kann, auch wenn irgendwann gar keine Mönche mehr hier sind.“ Die neue Vereinssatzung ist auch deswegen wichtig, weil der Verein die Klosterbetriebe führt. Nowak: „Der Verein ist Arbeitgeber aller Mitarbeiter des Klosterbetriebes, alle Arbeitsverträge behalten ihre Gültigkeit.“ Schon sehr früh, ergänzt der Leiter der Klosterbetriebe, habe man das Bistum Aachen um Hilfe gebeten. „Für jede neue geistliche Nutzung der Gebäude“, sagt Nowak, „muss das Bistum sein Okay geben. Das Bistum hat die Manpower und die finanziellen Mittel, die nötig sind, um die Zukunft Mariawalds langfristig zu sichern.“

 

Bistums-Sprecher Stefan Wieland bestätigte gestern die Beteiligung des Bistums am Verein „Kloster Mariawald“. Wieland: „Dieser Verein wird die Trägerschaft von Mariawald übernehmen. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes im September wird das Trappistenkloster aufgelöst.“ Der Verein habe im wesentlichen drei Ziele: Sicherstellung des Unterhalts der Mönche, Fortführung der wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe und die Unterstützung der Weiterentwicklung von Mariawald zu einem Ort der Spiritualität und der geistlichen Ausstrahlung. Wieland: „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine langfristige, gute Lösung für die Abtei Mariawald finden werden.“ Angebote für die bald ehemaligen Klostergebäude gibt es genug. Nowak: „Es gibt Ideen, ein Waisenhaus einzurichten, und Anfragen für ein Hotel oder Altenwohnungen. Das sind allerdings rein kommerzielle Angebote.“

 

Auch der Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler, der sich seit rund vier Jahren im Kloster Steinfeld engagiert und diese Einrichtung vor der Insolvenz gerettet hat, hat Mariawald seine Hilfe angeboten. Nowak: „Im Kloster Steinfeld hat Scheidtweiler in ein Hotel und Gästehaus investiert. Die Ordensleute konnten bleiben. Etwas Vergleichbares hat er auch Mariawald angeboten, aber das würde nicht helfen, weil alle Mönche das Kloster verlassen werden.“ Es hätten darüber hinaus auch Ordensgemeinschaften Interesse bekundet, Mariawald zu übernehmen. Nowak: „Mariawald muss auf jeden Fall ein Ort der Ruhe bleiben. Deswegen wäre es uns natürlich am liebsten, wenn wieder ein kontemplativer Orden hier hinkommen würde. Aber das müsste schon eine sehr große Ordensgemeinschaft sein.“ Deswegen hält Nowak auch eine Mischnutzung mit religiösen und weltlichen Bereichen unter Federführung des Bistums für wahrscheinlich. „Wir wollen in Mariawald keinen Rummel.“

 

Wolfgang Nowak blickt entspannt in die Zukunft. „Dank der Satzungsänderung haben wir Zeit gewonnen. Unsere erste Sorge muss jetzt den alten Mitbrüdern und ihrem neuen Zuhause gelten. Danach kümmern wir uns um die Zukunft des Klosters. Es gibt keinerlei Druck.“ Und deswegen bislang auch keinen konkreten Zeitplan. „Wir wollen“, sagt Nowak, „dass die Klosterbetriebe mit Gaststätte, Buchladen und Likörfabrik ganz normal weiterlaufen – auch währen der Suche nach einer neuen Nutzung für die Abtei. Das ist auch den Menschen der wichtig. Das haben wir an der großen Unterstützung der vergangenen Monate mehr als deutlich gemerkt.“

 

Ursprung war ein besonderes Gnadenbild

  • Mariawald ist seit mehr als 500 Jahren ein Ort des Gebets. Die Wurzeln des Klosters reichen bis in die Zeit um das Jahr 1470 zurück. Damals erwarb der Heimbacher Strohdachdecker Henrich Fluitter ein Gnadenbild, das er auf dem Kermeter in einer Hütte zur Verehrung aufstellte. Er selbst errichtete sich eine Einsiedelei, in der er bis zu seinem Tod lebte und das Gnadenbild und die stetig zunehmende Zahl von Pilgern betreute. Als die Zahl der Pilger wuchs, bat der damalige Pfarrer die Zisterzienser von Bottenbroich um Hilfe. Die Mönche verpflichteten sich, die Betreuung der Pilger zu übernehmen und ein Kloster zu errichten. Zu Jahresbeginn lebten noch zehn Trappisten in Heimbach.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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