Fahrlässige Tötung am Hansemann?

Im November beginnt der Prozess gegen den Busfahrer, der im April 2017 eine Radfahrerin überrollt hat.

Foto: Michael Jaspers
Foto: Michael Jaspers

Das weiße Fahrrad wirkt auch mehr als ein Jahr später wie eine dringliche Mahnung. Am 27. April 2017 kam am Hansemannplatz eine 29-jährige Radfahrerin ums Leben. Sie wurde von einem Linienbus überrollt. Der Fahrer hatte die junge Frau offensichtlich übersehen. Jetzt sieht sich der 40-Jährige, der nach wie vor als Busfahrer in Diensten der Aseag steht, mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung konfrontiert. Der Prozess (Aktenzeichen 448 DS 289/18) beginnt am Dienstag, 13. November, und ist zunächst auf drei Verhandlungstage angesetzt.

 

Dass es so lange dauert, bis der Unfall auch juristisch aufgearbeitet wird, liegt an der schwierigen Beweislage, an der großen Anzahl der Zeugen und an Gutachten, die den schrecklichen Vorfall detailgetreu aufarbeiten mussten. Für die Anklage steht jedenfalls jetzt fest: Der Fahrer hätte das Geschehen verhindern können, wenn er laut Gerichtssprecher Daniel Kurth „die notwendige Sorgfalt hätte walten lassen“. Demnach soll sich das Geschehen so abgespielt haben: Die Radfahrerin ist an diesem Dienstag gegen 15.30 Uhr auf der Monheimsallee in Richtung Kaiserplatz unterwegs. Sie nutzt den Radschutzstreifen. Kurz vor der Ampel wird sie von dem in gleicher Richtung fahrenden Bus überholt. Beide halten an der Rot zeigenden Ampel an. Als das Signal auf Grün schaltet, fahren Bus und Radfahrerin los, der Bus biegt nach rechts Richtung Peterstraße ab, kollidiert mit der Radfahrerin, sie stürzt, wird überrollt und stirbt noch an der Unfallstelle. Der Busfahrer, das steht für die Ermittler fest, hätte die Radfahrerin bemerken müssen. Sein Fehler habe den Tod der jungen Frau verschuldet – fahrlässige Tötung, für die das Gesetz einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe vorsieht.

 

Laut Kurth ist es nicht die Regel, dass für einen solchen Prozess drei Tage angesetzt werden. Aber vor allem die Beweisaufnahme und die Gutachten von Rechtsmedizinern und Unfallexperten würden ihren Raum einnehmen. Gehört werden zahlreiche Augenzeugen, Polizisten und Rettungskräfte, die unmittelbar nach dem Geschehen vor Ort waren. „Das wird seine Zeit in Anspruch nehmen“, ist sich Kurth sicher.

 

Dieser Unfall und ein weiterer Unfall mit tödlichem Ausgang hatten Mitte 2017 die Diskussion um mehr Sicherheit im Radverkehr neu befeuert. Im September 2016 war ein 47-jähriger Mann an der Schanz von einem Pkw erfasst worden. Auch er starb an den Folgen des Unfalls. Auch er hatte den Radschutzstreifen benutzt. Auch an dieser Unfallstelle erinnert bis heute ein sogenanntes Ghostbike an das schreckliche Geschehen.

 

Die Stadt hatte auf den Vorfall am Hansemannplatz kurze Zeit später reagiert und die rote Markierung des Radstreifens um elf Meter in die Kreuzung hinein verlängert. Was als alleinige Maßnahme aber nicht ausreiche, wie Helga Weyers, 2. Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Aachen (ADFC) auf Anfrage betont: „Maßnahmen zur signifikanten Verbesserung der Sicherheit sind unseres Wissens nicht ergriffen worden.“

 

Insgesamt werde das Thema Radfahrsicherheit zu stiefmütterlich behandelt, sagt die Fahrrad-Lobby. Der ADFC sprach sich für eine verzögerte Grünschaltung für Rad- und Autoverkehr aus. Und dafür, an Kreuzungen mit kritischen Rechtsabbiegesituationen – wie eben an der Ecke Peterstraße/Monheimsallee – den Radsteifen für den Geradeausverkehr immer in Richtung Fahrbahnmitte zu verschwenken. „Dadurch wird für den Autofahrer optisch deutlich, dass er keine Vorfahrt hat“, sagte Helga Weyers, im April dieses Jahres, zwölf Monate nach dem tödlichen Unfall. Solche Fahrbahnverschwenkungen gibt es zum Beispiel auf der Junkerstraße und auf dem Boxgraben.

 

Geht es bei dem Prozess in erster Linie um die Frage, wer individuelle Schuld an dem tödlichen Unfall trägt, so wird das Thema Radverkehrssicherheit allgemein nicht ausgeklammert. Nach dem Prozessauftakt am 13. November soll noch am 23. und am 27. November verhandelt werden (jeweils ab 9 Uhr, Raum 2018, Justizzentrum am Adalbertsteinweg).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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