Verletzt und ganz einsam im Zwinger

Städteregionales Tierheim ist nicht nur in der Ferienzeit ausgelastet. Hunderte Vierbeiner warten auf neue Besitzer.

Foto: Andreas Steindl
Foto: Andreas Steindl

Zaghaft geht das schwarze Katzenbaby Balea einige Schritte auf die Hand ihres Betreuers zu. Mit seiner Nase stupst es seinen Finger an, bevor es wieder einen Schritt zurückweicht. Lutz Vierthaler, Vorsitzender des Tierschutzvereins für die Städteregion, streichelt das Tier. Und rückt den petrolfarbenen Pulli, den die Katze trägt, wieder zurecht.

 

18 Wochen ist Balea jetzt alt. Es ist April, als sie ausgesetzt wird. Passanten finden sie an der Dürener Straße in Eschweiler und geben sie in die Hände der Pfleger des Tierheims Aachen. Krank. Verletzt. Verwahrlost. Der Tierarzt stellt eine Fraktur an ihrem Vorderbein fest. Er operiert Balea. Auf einer Isolationsstation sitzt sie nun in ihrem Zwinger, gehüllt in ein Shirt, damit sie nicht an ihrer Wunde leckt. Pfleger päppeln sie auf.

 

Genauso wie die vielen anderen Katzen, die das Tierheim in den vergangenen Wochen aufgenommen hat. 150 bis 200 Katzen betreut das 24-köpfige Team aktuell. Viele von ihnen wurden erst vor wenigen Wochen geboren. „Wir sind absolut ausgelastet momentan“, sagt Vierthaler. Unterstützung erhält er von „Katzenkuschlern“, wie er sie liebevoll nennt. Ehrenamtliche und Pfleger, die sich viel Zeit nehmen, um die Katzen zu füttern, mit ihnen zu spielen und zu kuscheln.

 

Wo die Katzen herkommen und was sie schon erlebt haben, wissen die Mitarbeiter selten. Das ist auch bei vielen Hunden so, die dem Tierheim von der Feuerwehr, dem Veterinär- oder dem Ordnungsamt übergeben werden. „Nahezu täglich werden Tiere bei uns abgegeben“, sagt Heimleiter Dr. Björn Hermelink.

 

Anders als früher würden heute verteilt über das ganze Jahr Tiere ausgesetzt, nicht mehr vermehrt in der Ferienzeit. „Das liegt an dem veränderten Freizeitverhalten“, mutmaßt Vierthaler. In den Ferien fuhren Familien in den Urlaub, Paare verreisten meist davor und danach. So sei das Aussetzen durchweg ein Thema.

 

Gründe dafür, die Tiere loszuwerden, sieht er einige, auch wenn sie für ihn persönlich nicht nachvollziehbar seien: „Manchen Menschen sind die Tiere schlichtweg egal. Andere haben sich vor der Anschaffung nicht richtig informiert und sind sich nicht bewusst darüber, dass die Tiere Geld kosten, Arbeit machen und regelmäßig zum Tierarzt müssen. Vielen sind sie schlichtweg zu lästig, wenn sich das persönliche Umfeld ändert, zum Beispiel bei einer Trennung oder einem Umzug.“ Eine richtige Beziehung zum Tier sei dann nie aufgebaut worden, sagt er.

 

Gefunden werden Katzen und Hunde häufig an Autobahnraststätten wie Aachen-Land. Auch in Wäldern und rund um den Blausteinsee seien Haustiere schon oft eingefangen worden.

 

Doch sie auszusetzen ist verboten, eine Ordnungswidrigkeit, die laut Verband für bürgernahe Verkehrspolitik mit einer Geldstrafe von bis zu 25 000 Euro geahndet werden kann. Denn Tier und Verkehrsteilnehmer sind in einem solchen Fall einer Gefahr ausgesetzt. „Man muss sich nur vorstellen, dass sich ein großer Hund losreißt, auf die Autobahn rennt und dass es deswegen zu einem großen Unfall kommt“, schildert Vierthaler.

 

Wolle man sein Tier nicht mehr behalten, solle man sich lieber direkt an das Tierheim wenden und den Tieren so viel Leid ersparen, sagt er eindrücklich. „Gerade für Menschen, die finanzielle Probleme haben und ihr Tier eigentlich behalten wollen, bieten wir auch Unterstützung an“, sagt er. Doch woher weiß ein Tierheim überhaupt, ob das Tier bewusst ausgesetzt wurde oder vermisst wird? „Wenn sich nach sieben bis zehn Tagen keiner gemeldet hat, ist es meist klar“, sagt er. Häufig seien ausgesetzte Tiere auch nicht gechippt oder registriert – und: nicht in bester Verfassung. Das sei auch der Fall, wenn das Veterinäramt einschreite und dem Heim Tiere bringe.

 

So auch vor wenigen Wochen. 30 Labradore und 13 Mischlinge kamen im Tierheim an, die nicht artgerecht gehalten wurden, teilweise verfilzt und verkotet waren. Sie belegen 40 Prozent des Zwingerplatzes für die Hunde. Und machen auch knapp die Hälfte der 80 im Heim lebenden Hunde aus. Dass reinrassige Tiere im Heim landen, ist selten, erklärt Vierthaler. Deshalb blickt er, was die Vermittlung von den Labradoren angeht, optimistisch in die Zukunft.

 

Nicht so leicht haben es Mischlinge – wie der fünfjährige Bo. Durch das Gitter hindurch sieht man einen muskulösen Körper mit schwarzem Fell, einen klaren durchdringenden Blick und einen wedelnden Schwanz. Bo ist erst seit Kurzem im Tierheim. „Opfer eines Umzugs“ sei er, heißt es auf der Internetseite des Tierheims.

 

Er ist ein Anlagehund, erklärt der Vorsitzende, während er Bos Zwinger öffnet und dieser ihm schwanzwedelnd in die Arme springt, um ihn zu begrüßen. Er steht auf der Rasseliste, wird als Kampfhund geführt, auch wenn er eher verspielt als gefährlich wirkt. Ein potenzieller Halter muss nachweisen, dass er mit einem Listenhund umgehen kann. Das erschwert die Vermittlung.

 

Doch auch hier geben Vierthaler, Hermelink und ihr Team nicht auf. Genauso wenig wie bei dem englischen Bulldoggen-Mix Minnie Mouse, dem Dogge-Mix Taifun und all den anderen Hunden und Katzen, die geduldig auf ein neues Zuhause warten.

 

Durch Spenden finanziert

  • Rund 2500 Tiere nimmt das Tierheim jährlich im Durchschnitt auf. In der Regel werden auch alle wieder vermittelt, so der Vorsitzende des Tierschutzvereins für die Städteregion, Lutz Vierthaler. Auf circa 5000 Quadratmetern gibt es 32 Zwingeranlagen mit Innen- und Außenbereich und 14 Freigehege mit beheizten Hütten für Hunde sowie vier Katzenräume für je zehn bis 15 Katzen. Hinzu kommen zwei Katzenisolationsstationen. 30 Kitten suchen aktuell nach einem Besitzer. Sie werden vornehmlich zu zweit oder einzeln zu einer bereits vorhandenen Katze vermittelt. Die Kitten sind natürlich gechippt, geimpft und vom Tierarzt untersucht. Katzen werden darüber hinaus auch kastriert.
  • 1,1 Millionen Euro muss das Tierheim pro Jahr für laufende Kosten, den Unterhalt der Tiere und das Personal aufbringen. Ein Drittel davon steuern die Stadt Aachen und die Städteregion bei. Den Rest finanziert der Verein durch Mitgliedsbeiträge, Patenschaften und Spenden. Auch Erbschaften seien eine sehr wichtige Einnahmequelle, betont Vierthaler.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen


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