Umstieg auf neue Mobilität in Stolberg

Interimsvertrag über vier Jahre für Euregiobahn wird ausgeschrieben. Ladeinfrastruktur. Linie 38. Carsharing.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

Für vier Jahre verlängert werden soll der Betrieb der Euregiobahn mit dem gewohnten Leistungsspektrum, aber mit Diesel betriebenen Fahrzeugen. Ursprünglich sollte nach den Plänen des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) der Bau von Oberleitungen für die Nebenstrecken dieser Regionalbahn 20 im Dezember 2021 abgeschlossen sein. Das ist der Zeitpunkt, zu dem der Vertrag mit der DB Regio über den Verkehrsbetrieb mit den Talent-Traktionen endet.

 

Aber erst wenn – frühestens 2020 – Baurecht für die Elektrifizierung vorliegt, möchte es der NVR wagen, die Ausschreibung des neuen, über 15 Jahre laufenden Vertrages mit Elektrotriebwagen zu veröffentlichen. Hintergrund der Hängepartie ist der Flughafen Merzbrück. Derzeit kreuzt der Start- und Landeanflug die Euregiobahnstrecke so, dass der Bau von Oberleitungen dort den Flugbetrieb gefährden würde. Das ist einer der Gründe, weshalb die Betreibergesellschaft die Landebahn verlegen möchte. Der Umbau von Merzbrück zu einem Forschungsflughafen, auf dem Ingenieure der Aachener Hochschulen kleine, automatisierte Flugzeuge mit Hybridantrieb – sogenannte Silent-Air-Taxis – entwickeln und zur Serienreife bringen wollen, ist ein weiterer Grund. „Mit der Erklärung des Landes, sich mit vier Millionen Euro in Merzbrück zu engagieren, ist ein wichtiger Schritt auch für die Euregiobahn getan“, sagt EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil bei einem Pressetermin zur städtischen Mobilitätsoffensive. Denn als Infrastrukturbetreiber muss die EVS mit dem Flughafen Merzbrück vertragliche Grundlagen schaffen, um Elektrifizierung und Startbahnverlegung fix zu machen. Das fordert der NVR; die Baugenehmigung für die Startbahnverlegung liege bereits vor.

 

Zur Elektrifizierung der Euregiobahn auf den EVS-Strecken sind jetzt erste Schritte erfolgt, berichtet Fürpeil: „Der NVR hat uns den Förderbescheid für die ersten beiden Leistungsphasen übergeben.“ Das bedeutet, dass die Planung anlaufen kann für den Bau von Oberleitungen, der Herstellung der Stromversorgung, von Sicherungseinrichtungen und natürlich auch der Passage des Flughafen Merzbrücks. Der Planungsauftrag soll noch in diesem Quartal vergeben werden, kündigt Fürpeil an. Bis zum Baubeginn vergeht naturgemäß einige Zeit.

 

Diese möchte der NVR mit der Interimsausschreibung für den Betrieb der Euregiobahn, der von den Anfängen seit dem 10. Juni 2001 an durch die DB Regio sichergestellt wurde, bis Ende 2025 überbrücken. „Es ist eine ergebnisoffene Ausschreibung“, sagt NVR-Sprecher Holger Klein auf Anfrage: „Jedes interessierte Eisenbahnverkehrsunternehmen kann sich beteiligen.“ Um die Ausschreibung wirtschaftlich für Bieter zu gestalten, werden auch – restaurierte – Gebrauchtfahrzeuge zugelassen. Aber je nach Stand des Ausbaus der Elektrifizierung will sich der NVR vorbehalten, den Vertrag um jeweils ein Jahr zu verkürzen oder zu verlängern.

 

Das Betriebsprogramm der Regionalbahn 20 soll auch nach Dezember 2021 im Wesentlichen dem aktuellen Angebot von jährlich rund 1,5 Millionen Zug-Kilometern mit zwei jeweils im Stundentakt verkehrenden Stammlinien, die im gemeinsamen Abschnitt zwischen Stolberg Hbf, Aachen Hbf, Herzogenrath und Alsdorf-Annapark einen durchgängigen 30-Minuten-Takt bilden, entsprechen.

 

Dabei verkehrt Stammlinie 1 zwischen Düren, Langerwehe, Eschweiler Talbahn, Stolberg Hbf, Aachen Hbf, Herzogenrath, Alsdorf-Annapark und Hbf Stolberg. Stammlinie 2 bedient die Strecke Stolberg-Altstadt, Stolberg Hbf, Aachen Hbf, Herzogenrath und Alsdorf-Annapark. Montags bis freitags tagsüber und samstags bis gegen 17 Uhr wird das Angebot zwischen Langerwehe und Stolberg Hbf sowie zwischen Stolberg-Altstadt und Hauptbahnhof mit zusätzlichen stündlichen Fahrten auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet und im Stolberger Hauptbahnhof jeweils mit den Stammlinien verknüpft. Soweit das gewohnte Programm.

 

Aber mit Fertigstellung der Reaktivierung der Gleise zwischen Altstadt und Breinig wird dieser Abschnitt, der bis dato bei Festivitäten mit Sonderfahrten bedient wird, in den regulären Euregiobahn-Fahrplan aufgenommen. Gleiches gilt für die Inbetriebnahme des Abschnitts Alsdorf-Hoengen in Richtung Baesweiler, der nach Bau der erforderlichen Verbindungskurve von der Euregiobahn bedient und mittelfristig weiter verlängert werden soll.

 

Für die Aufnahme der regulären Euregiobahn-Verbindung nach Breinig setzt der NVR weiterhin auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2019. „Spätestens zum Jahresbeginn werden die Ausbauarbeiten anlaufen“, sagt Fürpeil. Der hält seit wenigen Tagen die Genehmigung der Bezirksregierung für den Neubau des Rüstbach-Viaduktes in seinen Händen. Er wird die Masse des finanziellen Aufwandes verschlingen. Die Gesamtkosten werden auf rund fünf Millionen Euro geschätzt; der NVR hat einen Zuschuss von 3,62 Millionen Euro eingeplant.

 

Ausgebaut werden dafür nicht nur Viadukt, Gleise und Bahnhof Breinig, sondern auch ein weiterer Haltepunkt: Er entsteht neben dem Bahnübergang „Im Steg“ und bietet somit dem nördlichen Breinig mit Neubaugebiet und Sportzentrum, aber auch Büsbach und Dorff einen zügig erreichbaren Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

 

„Das ist wichtig“, meint Tim Grüttemeier. „Denn wir müssen Mobilität neu denken“, sagt der Bürgermeister und mit Blick aufs Wetter: „Klimawandel ist kein Gerücht. Wir müssen wegkommen von der konventionellen Mobilität und sie neu denken.“ Grüttemeier plädiert für ein Umsteigen auf ÖPNV und Elektromobilität. Dazu hat sich Stolberg viel vorgenommen. Wie das Umsteigen auf öffentliche und auf klimafreundliche Verkehrsmittel schmackhaft gemacht werden kann, das exerziert die Kupferstadt an ihrem Hauptbahnhof vor, dessen Umfeld zudem durch die neue Rhenaniastraße und das durch die EVS sanierte Bahnhofsgebäude sichtbar an Wert gewonnen hat. „Mit dem Bau des Parkhauses stehen über 400 Stellplätze im Bereich des Hauptbahnhofes zum Umsteigen auf die Schiene kostenfrei zur Verfügung“, sagt Grüttemeier. „Und das ist ein Angebot an die ganze Region“, betont EVS-Beiratsmitglied Hildegard Nießen. Denn Stolberg biete sich als Umsteigepunkt auf die Bahn gerade zu an. Mit dem Bau einer weiteren P+R-Anlage an der Schneidmühle soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

 

Zunehmend schmackhaft gemacht wird der Umstieg auf E-Mobilität. Vier Ladesäulen für Elektrofahrzeuge sind in Zusammenarbeit mit der Stolberger EWV bereits installiert. Neben einer Station auf dem Willy-Brandt-Platz und bei Kaufland. Weitere acht neue Standorte sind „An der Krone“, am Mühlener Bahnhof, am Dienstleistungszentrum, auf dem Parkplatz Bergstraße, nahe dem Breiniger Bahnhof sowie für die P+R-Anlage Schneidmühle, Büsbach Markt und Markusplatz vorgesehen.

 

Am Hauptbahnhof folgen in Kürze Ladestationen für die Akkus von Pedelecs. Ein Verleih solcher Elektrofahrräder wird vorbereitet, so Grüttemeier. Dabei soll der von DORV betriebene Servicepunkt im Hauptbahnhof mit von der Partie sein, der durch die Arbeiten in den vergangenen Monaten merklich gelitten hat. Aber der EWV-Geschäftsführer hat für Besucher und Reisende ein „Schmankerl“ im Gepäck. „Im Herbst nehmen wir mit Freifunk den Hauptbahnhof auf in unser kostenfreies WLAN-Angebot“, kündigt Manfred Schröder an.

 

Und auch beim Carsharing will Stolberg einsteigen – zunächst am Hauptbahnhof und in der Innenstadt. „Wir sprechen bereits mit Cambio“, so der Bürgermeister. Das Unternehmen ist in Aachen beispielsweise auch am Städteregionshaus präsent.

 

Zudem soll es neben der Euregiobahn eine verbesserte Busanbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt sowie Vicht, Zweifall und Breinig geben, bestätigt Grüttemeier: „Wir müssen größer denken.“ Die Außenbereiche sollen so besser mit dem Bahnangebot verknüpft werden. Noch wird mit der Aseag über Details dieser Linie 38 verhandelt.

 

„Auch ein Anschluss des Gewerbegebietes Camp Astrid wird geprüft“, sagt Nathalie Malekzadeh. Die Unternehmen dort würden die neuen Angebote zur E-Mobilität am Hauptbahnhof zu schätzen wissen, berichtet die Leiterin des Wirtschaftsförderungsamtes.

 

Aber auch bei einem weiteren Umstieg gewinne der Hauptbahnhof weiter an Bedeutung. „Für den Ausbau des Umfeldes als Euregio-Railport erwarten wir nach den Sommerferien positive Nachrichten“, hüllt Malekzadeh sich noch in Schweigen. Aber bereits heute werden hier mehr als 1,5 Millionen Tonnen Güter jährlich umgeschlagen. „Mit steigender Tendenz“, sagt Fürpeil. „Nun gilt es, auf den privaten und städtischen Flächen im Umfeld spezifisches Gewerbe anzusiedeln“, avisiert Grüttemeier. Das sollen Mehrwert schaffende Logistikunternehmen sein, also Firmen, die beim Umschlag von Waren diese konfektionieren oder weiter bearbeiten.

 

Stolberg rechnet sich gute Chancen aus, als Hinterland-Terminal der großen ZARA-Nordseehäfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam), wo Logistikkapazitäten kaum noch vorhanden sind. „Mehrere Standorte hatten sich dafür interessiert, Stolberg ist vorne im Rennen“, berichtet Grüttemeier. Denn hier vorhanden ist eine umfangreiche Infrastruktur im Hauptbahnhof, dank der der Güterumschlag von Ganzzügen abgewickelt werden kann – und das gleich an der wichtigsten Transportschiene von der Küste in Richtung Rhein und Ruhr. Nach den Sommerferien soll die Machbarkeitsstudie zum Euregio-Railport präsentiert werden. Und bis zum Jahresende will die Deutsche Bahn den „Skywalk“ fertiggestellt haben: Die Überführung mit Aufzügen zwischen Parkhaus und Mittelbahnsteig, mit der man dann auch erstmals wieder am Stolberger Hauptbahnhof barrierefrei umsteigen kann.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

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