Rad für Freizeit und Schule attraktiv machen

Rad-AG ist am Goethe-Gymnasiumist sehr beliebt. Radsport soll wieder salonfähig werden. Pläne für das nächste Schuljahr.

Fotos: M. L. Otten
Fotos: M. L. Otten

Da die Schüler heute zu wenig Bewegung haben, bietet das Goethe-Gymnasium im Rahmen des Ganztagsangebotes seit August 2017 das Projekt „Rad macht Schule - kids on bike“ für Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 an. Leiter ist der ehemalige Radprofi Holger Sievers aus Stolberg. Wie es zu dieser AG gekommen ist, welche Touren mit dem Mountainbike zurückgelegt wurden und wie ein verkehrssicheres Rad ausgestattet sein muss, haben er und Verbindungslehrer Albrecht Birkelbach, Lehrer für Biologie, Philosophie und Katholische Religion, Marie-Luise Otten erzählt.

 

Was ist ein Verbindungslehrer?

 

Birkelbach: Das ist ein Ansprechpartner, der im Fall einer Kooperation zwischen Schule und einem externen Anbieter für organisatorische Fragen zuständig ist. So erstellt die Schule eine Teilnehmerliste für die AGs, legt den Termin im Stundenplan fest, vergibt einen Raum und gibt diese Information an den Verbindungslehrer weiter, der sich mit den Verantwortlichen des externen Anbieters in Verbindung setzt. Auch umgekehrt kontaktieren die externen Anbieter den Verbindungslehrer wenn die AG mal ausfallen muss, oder es Schwierigkeiten gibt, sei es, dass sich Schüler daneben benehmen oder mehrfach hintereinander nicht aufgetaucht sind.

 

Wie wurden Sie auf die AG aufmerksam?

 

Sievers: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, glaube aber, dass die Schulleitung auf mich zugekommen ist.

 

Birkelbach: Als klar wurde, dass es eine solche Rad-AG geben wird, hatte ich Herrn Decker (Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Anm. d. Red.) gegenüber mein Interesse bekundet. Von meinen Projekttagen wusste ich, dass es große Vorteile bietet, wenn man zu Zweit mit einer Gruppe Schüler auf dem Rad unterwegs ist. Sei es, dass einer eine Panne hat, die anderen aber den Schulbus bekommen müssen. Bei Herrn Sievers habe ich mit meiner Anfrage, die AG zu begleiten, sofort offene Türen eingerannt.

 

Was bedeutet die AG für Sie und was ist Ihre Motivation?

 

Sievers: Es geht darum, den Schülern eine zusätzliche Freizeitbeschäftigung anzubieten und der Bewegungsarmut entgegenzuwirken, Unsicherheiten in der Radbeherrschung zu beheben, das Rad als Fortbewegungsmittel für Freizeit und Schulweg attraktiver zu machen und natürlich auch darum, den Radsport wieder salonfähig zu machen.

 

Birkelbach: Meines Erachtens besteht eines der zentralen Probleme der Ganztagsschule darin, dass Schüler im normalen Schulbetrieb überwiegend kognitiv angesprochen werden. Nicht nur emotionale und soziale Kompetenzen kommen dabei zu kurz, auch der natürliche Bewegungsdrang der Kinder muss über weite Strecken unterdrückt werden. Die Rad-AG ist eine Möglichkeit, dieser Schieflage entgegenzuwirken. Sehr häufig erlebt man die Schüler, die man aus dem Unterricht kennt, in der AG noch einmal von einer ganz anderen Seite.

 

In welchem Rahmen findet die AG statt?

 

Birkelbach: „Rad macht Schule“ findet für die Erprobungsstufen (Klasse 5 und 6) statt. Normalerweise immer mittwochs von 14.15 bis 15.45 Uhr. Wir begleiten aber auch Wettkämpfe wie den MHA-Triathlon in Brand oder im kommenden Herbst den Schulcup des RC Zugvogels. Auch die Projekttage vor den Abschlusszeugnissen wurden zum Radfahren genutzt. So sind wir dieses Jahr mit den Kindern nach Hammer gefahren, haben in Zelten auf dem Campingplatz übernachtet und sind am nächsten Morgen auf anderen Wegen wieder zurück gefahren. Eltern haben mir danach berichtet, dass ihre Kinder zwar total müde, aber unendlich stolz gewesen sind, dass sie diese Strecke allein mit dem Rad bewältigt haben.

 

Auf welchen Rädern fahren die Kinder?

 

Birkelbach: Schüler, die in unmittelbarer Nähe zur Schule wohnen, kommen häufig mit ihrem eigenen Rad. Schüler, die in größerer Entfernung wohnen oder aus ihrem Rad inzwischen „rausgewachsen“ sind, oder aus finanziellen Gründen gar kein Rad besitzen, greifen meist auf ein Leihrad zurück.

 

Konnten die Jugendlichen schon alle Radfahren?

 

Sievers: Diese Frage ist definitiv nicht zu beantworten, einige Schüler haben aber riesige Fortschritte sowohl in der Radbeherrschung als auch konditionell gemacht.

 

Was unterscheidet ein Mountain-Bike von einem normalen Fahrrad?

 

Birkelbach: MTBs sind Sportgeräte für das freie Gelände, das heißt sie haben grobstollige Reifen und Scheibenbremsen, mindestens ein über eine Federgabel gedämpftes Vorderrad, manchmal ist auch das Hinterrad über ein Stoßdämpfer gefedert. Dafür fehlt aber die Lichtanlage oder der Gepäckträger.

 

Wie muss ein verkehrssicheres Rad beschaffen sein?

 

Sievers: Vorgeschrieben sind zwei voneinander unabhängige Bremsen (für Kinder möglichst Hand- und Rücktrittbremse). Eine Klingel, die nicht zu leise sein sollte, eine Lampe (vorne), ein weißer Reflektor (vorne), ein rotes Rücklicht, ein roter Reflektor (hinten). Rücklicht und Reflektor können integriert sein. Ein zweiter Reflektor ist ratsam, seit Juli 2017 aber nicht mehr vorgeschrieben. Vier gelbe Speichenreflektoren (Katzenaugen) oder reflektierende weiße Streifen an den Reifen oder in den Speichen rutschfeste und festverschraubte Pedale, die mit je zwei Pedalreflektoren ausgestattet sind. Ein Dynamo ist nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Seit 2013 sind auch Lampen mit Akku- oder Batteriebetrieb zugelassen.

 

Haben Sie für alle Kinder Leihräder?

 

Birkelbach: Zu Beginn hatte ich nur zwei Leihräder. Eine Mutter hat mir ein voll funktionsfähiges MTB überlassen, aus dem ihr Sohn rausgewachsen war. Zudem habe ich das alte MTB meiner Frau zur Verfügung gestellt. Beide Räder waren mit relativ wenig Aufwand wieder in einen verkehrssicheren Zustand zu versetzen. Erst im zweiten Halbjahr konnten wir vier neue MTB anschaffen.

 

Wie sind Sie zu den schuleigenen Fahrrädern gekommen?

 

Birkelbach: Im Grunde hatten wir großes Glück. Denn ohne die finanzielle Unterstützung der Sporthelfer, hätten wir keines der neuen MTBs anschaffen können. So ist es vor allem der Verdienst von Hauke Randhahn (Sportlehrer am Goethe), der mit dem Sporthelfern nicht nur an einem Wettbewerb teilgenommen, sondern diesen auch gewonnen hat. Der Erlös von rund 2100 Euro floss in unsere AG. Ingesamt war das eine sehr gelungene Aktion von Schülern aus der Oberstufe für Schüler aus der Erprobungsstufe.

 

Was gehört zur Ausrüstung beim Radfahren dazu?

 

Birkelbach: Für alle unverzichtbar ist der Helm, darüber hinaus empfiehlt es sich, Radhandschuhe, eine Trinkflasche oder auch eine dünne Regenjacke mitzunehmen. Wir Lehrer haben noch einen Rucksack mit Erste-Hilfe-Paket, Miniluftpumpe, Multifunktionswerkzeug, Mäntel, Kette, Flickzeug dabei.

 

Gibt’s am Ende für die Schüler eine Teilnahme-Urkunde?

 

Birkelbach: Noch haben wir das nicht eingeführt. Aber alle Schüler der Rad-AG finden auf ihrem Zeugnis den Vermerk. „Hat erfolgreich an der Rad-AG teilgenommen“. Allerdings planen wir für das kommende Schuljahr tatsächlich einen Geschicklichkeits-Parcours einzurichten, der nach bestimmten Kriterien zu absolvieren ist. Werden diese erfüllt, gibt es einen MTB-Führerschein des Goethe-Gymnasiums.

 

Was haben Sie im Winter gemacht und an Regentagen?

 

Birkelbach: Wenn es nicht in Strömen geregnet hat, sind wir immer draußen unterwegs gewesen. Für die Schüler war es im Winter ein Highlight durch den verschneiten Wald zu fahren. Die Ausfahrt fiel dann aufgrund der Kälte etwas kürzer aus und endete mit einem Tischfußballspiel im Foyer der Schule – quasi zum Aufwärmen.

 

Sievers: Wenn es gar nicht geht, kümmern wir uns um das Reparieren der Fahrräder. Viele Kinder wissen gar nicht, wie man einen Schlauch flickt, eine gerissene Kette repariert oder eine Schaltung einstellt. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit digitaler Routenplanung am Computer oder mit Fitness-Apps.

 

Haben Sie Unterstützung durch die Schulleitung und wie finden Ihre Kollegen die AG?

 

Birkelbach: Herr Decker, selbst eingefleischter Radfahrer, der jeden Morgen von Oberforstbach den Weg zur Schule mit dem Rad bestreitet, hat das Projekt von Anfang an großzügig unterstützt. Auch von den Kollegen sind bisher nur positive Stimmen an mein Ohr gedrungen.

 

Sie waren mit Ihrer AG beim MHA-Triathlon in Brand dabei. Was kann sich der Leser darunter vorstellen?

 

Birkelbach: Insgesamt waren wir in diesem Jahr mit 13 Staffeln, das heißt 39 Schülern, am Start. Konkret heißt das, dass immer drei Schüler ein Team bilden, in dem einer der Schüler in der Halle 200 Meter schwimmt, in die Wechselzone laufen muss, wo schon der Radfahrer wartet. Durch Abklatschen wird dieser auf die Radstrecke geschickt. Hat dieser seine Distanz absolviert, kehrt er in die Wechselzone zurück, es wird erneut abgeklatscht und der Läufer geht auf die Laufstrecke. Entscheidend ist die Gesamtzeit aller drei Athleten. An diesem Event nehmen wir schon seit Jahren mit einigem Erfolg teil.

 

Was steht sonst noch mit der AG an?

 

Birkelbach: Im Herbst wollen wir am Schulcup des RC Zugvogel teilnehmen. Und dann muss ja noch der bereits erwähnte Parcours sowie die Kriterien für den Erwerb des MTB Führerscheins des Goethe Gymnasiums entwickelt werden.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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