Jahrelange Flucht endet in Stolberg

Sharefa Abdo und ihre Familie wurden als Kurden in Syrien verfolgt. Jetzt lernt sie fleißig Deutsch.

Foto: M. L. Otten
Foto: M. L. Otten

Die Arabische Republik Syrien ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek (Länder mit arabischsprachiger Mehrheit östlich von Libyen und nördlich von Saudi-Arabien). Syrien grenzt im Süden an Israel und Jordanien, im Westen an den Libanon und das Mittelmeer, im Norden an die Türkei und im Osten an den Irak. Seit Frühjahr 2011 entwickelte sich aus Demonstrationen gegen die syrische Regierung Assads der Bürgerkrieg in Syrien. Mehr als fünf Millionen Syrer sind aus dem Land in Nachbarländer oder nach Europa geflohen. Unter ihnen befindet sich Sharefa Abdo und ihre Familie, für die der 11. Dezember 2014 ein besonderer Feiertag ist, weil sie an diesem Tag nach einer Odyssee in Deutschland ankamen, um hier ein neues, sicheres Leben zu beginnen. Unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten hat mir ihr gesprochen.

 

Was war der Grund für Ihre Reise?

 

Abdo: Der Grund für unsere Ausreise war/ist der Krieg in Syrien. Wir wurden als Kurden in Syrien verfolgt. Baschar al-Assad heuerte auch Kurden zum Kämpfen an. Mein Mann hatte große Angst, dass er zur Armee musste. Unsere erste Flucht ging von Aleppo nach Afrin, wo wir vier Jahre zur Miete gewohnt haben. Dann sind wir in die Türkei geflohen.

 

Wie sind Sie dahin gekommen?

 

Abdo: Zu Fuß ging es zu Bekannten, die dort schon lebten. Wir blieben zwei Wochen.

 

Und dann?

 

Abdo: Dann zogen wir weiter nach Bulgarien. Jäger entdeckten uns im Wald und benachrichtigten die Polizei, die uns zwei Wochen ins Gefängnis steckte. Anschließend kamen wir in ein Camp, sind aber dann freiwillig zurück in die Türkei gegangen und in Istanbul bei der Schwester meines Mannes bis zum 14. November 2014 geblieben. Dann ging es über Rumänien und Österreich nach Deutschland, teils zu Fuß und teils mit dem Auto. Unsere erste Station in Deutschland war Dortmund, und es war der 11. Dezember 2014. Hier wurden Fotos von uns gemacht, und wir erhielten Papiere, weil wir keinen Pass mehr hatten. In der nächsten Station, Essen, blieben wir zwei Wochen, dann wurden wir für einen Monat in ein Hotel nach Monschau gebracht. Unser letzter Transfer war im Februar 2015 nach Stolberg in die Wiesenstraße. Seit dem 1. Juli 2015 haben wir unsere eigene Wohnung in Stolberg.

 

Wen haben Sie zurückgelassen?

 

Abdo: Ich habe meine Eltern und meinen Bruder zurückgelassen. Sie müssen sich sowohl vor Assad als auch vor der türkischen Armee verstecken. Ich muss oft an sie und unsere Freunde in Syrien denken. Ich habe große Angst um sie.

 

Wie viel Gepäck hatten Sie dabei?

 

Abbou: Einen Koffer für fünf Personen.

 

Wie war es mit der Sprache?

 

Abdo: Unsere Muttersprache ist Kurdisch, aber in Syrien sprechen wir arabisch.

 

Woher können Sie so gut Deutsch sprechen?

 

Abdo: Ich habe bei der Volkshochschule an zwei Tagen in der Woche sechs Monate lang Deutschunterricht gehabt, bis ich schwanger wurde. Seit zwei Jahren habe ich nun einmal in der Woche vier Stunden Deutsch im Helene-Weber-Haus.

 

Und was macht Ihr Mann?

 

Abdo: Er nimmt an einen Integrationskurs der Volkshochschule in Stolberg teil.

 

Wie wurden Sie auf das Café Willkommen aufmerksam?

 

Abdo: Durch das Sozialamt erhielt ich einen Flyer, und als es dann im August 2015 losging, bin ich regelmäßig hier hingekommen.

 

Was vermissen Sie in Stolberg?

 

Abdo: Wir fühlen uns sehr wohl hier. Alle sind sehr nett mit uns.

 

Haben Sie neue Freunde gefunden?

 

Abdo: Alte und neue. Freunde aus unserer Stadt in Syrien sind auch in Stolberg gelandet. Freitags besucht uns in der Oststraße immer eine deutsche Freundin.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

 

Abdo: Zum ersten Stabilität im Leben, also Klarheit, was den Aufenthaltsstatus betrifft. Zum anderen, dass die Familie gesund bleibt und dass der Krieg in Syrien ein Ende findet.

 

Würden Sie dann wieder zurückkehren?

 

Abdo: Nein, wir wollen hier bleiben. Die Kinder fangen an, die „alte“ Sprache zu vergessen, haben hier neue Freunde gefunden und gehen auch in Stolberg zur Schule.

 

Was machen Ihre Kinder mittlerweile?

 

Abdo: Deyar Husem hat die 10. Klasse in der Hauptschule bestanden und geht nach den Ferien zum Berufskolleg. Mustafa Husem ist in die 7. Klasse auf der Realschule in Mausbach gekommen, seine Schwester Sedra Husem ebenfalls, aber in eine Parallelklasse. Und Rojan Husem geht nach den Sommerferien zu einer Tagesmutter, damit ich meinen B1-Abschluss in Deutsch machen kann.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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