Wenn Meister ihres Fachs musizieren

Emre Engin (Violine) und Aylin Cakici Uzar (Klavier) brillieren beim Klassik Festival mit Sonaten von Mozart.

Foto: M. L. Otten
Foto: M. L. Otten

Es ist nicht ungewöhnlich, dass türkische Künstler an einem Klassik Festival teilnehmen. Dass sie den ganzen Abend Mozart spielen, darf sehr wohl als ungewöhnlich betrachtet werden. Patricia Buzari wollte das Land am Bosporus aus einer anderen Perspektive vorstellen, denn sie selbst hatte bei einem Tourneespiel in der Türkei hohe Wertschätzung erfahren.

 

In der klassischen Kammermusikbesetzung Violine und Klavier musizierten am Samstagabend im Museum Zinkhütter Hof wieder zwei Meister ihres Fachs: an der Violine, einer „Lorenzini“ von 1760, die die New Yorker Firma „Filorian Leonhard Fine Violins“ gesponsert hat, Emre Engin, seit 2015 Mitbegründer und Fakultätsmitglied der „International Notes by the Bay Violin Festival“ im Bundesstaat Kalifornien, USA.

 

Seine „Begleiterin“ am Flügel war Aylin Cakici Uzar, Associate Professor am staatlichen Konservatorium in Bursa. Man brauchte kein großer Klassik-Kenner zu sein, um zu hören, dass Mozart Violine und Klavier ganz gleichberechtigt solistisch behandelt hat. Die vier Sonaten in „G“ (KV 379), in „E-flat major“ (KV380), in „E minor“ (KV 304) und in „B-flat major“ (KV 454) gaben einen Einblick in die kompositorische Vielseitigkeit und Gefühlswelt des Salzburger Wunderkinds und wurden von dem gut aufeinander abgestimmten Duo meisterlich dargeboten. Im Sturm eroberten sie das Publikum zwischen versonnenen, leisen Tönen und kraftvoll zupackendem Ausdruck. Sensibler, teils hauchzarter Strich, schnelle spritzige Läufe aus dem Handgelenk, fetzige Staccati und Pizzicati über dem Griffbrett verlangten eine virtuose Beherrschung des Instruments.

 

Der begnadete Emre Engin bot all dies mit spielerischer Leichtigkeit, Brillanz und großem Ausdrucksvermögen. Aylin Cakici Uzar nahm sich als „Begleiterin“ je nach Satz am Flügel zurück, konnte aber auch bei Steigerungen oder thematisch bedeutsamen Abschnitten mit leuchtkräftigem Anschlag bis hin zu orchestraler Fülle aufwarten. Fast nahtlos schloss sich nach dem hartnäckigen Beifall die Zugabe an, ein türkischer Tanz aus der Heimat, der vor guter Laune nur so sprühte. Einziger Wermutstropfen war, dass nur zwei Türkinnen von knapp 2000 lebenden Türken in Stolberg erschienen waren, um ihre Landsleute hier in Stolberg zu hören.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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