Kaum noch Platz, um im Grünen zu landen

„Noch beliebter als zuvor“, aber aktuell sind nur noch vier Hektar im Gewerbegebiet Camp Astrid disponibel. Frischer Spatenstich.

Es ist gar nicht mehr so einfach, im Grünen zu landen. Dabei ist das Waldgebiet von Camp Astrid insgesamt 37 Hektar groß. Darin eingebettet liegen 23 Hektar Gewerbefläche. Frei verfügbar sind die wenigsten Grundstücke noch. Sieht man einmal von dem Filetstück im Süden an der Bahntrasse ab, dass für den Euregio-Railport reserviert ist, ist die Masse des früheren belgischen Militärlagers an den Mann gebracht. Der überwiegende Rest ist reserviert für Interessenten, die ernsthaft die Ansiedlung in Stolberg prüfen. „Sicherlich gibt es da immer Bewegung“, schränkt Michael Eßers ein. Aber „über den Daumen gepeilt“ dürfte im Jahr 2020 das Gewerbegebiet ausverkauft sein, schätzt der Geschäftsführer der städtischen Camp Astrid GmbH & Co. KG vorsichtig.

 

Erst gestern war der Spatenstich für ein Unternehmen, das aus dem „Silicon Valley“ Aachens kommend nun im Camp Astrid gelandet ist: AixConcept, ein führender Anbieter von Schul-IT-Dienstleistungen in Deutschland, Schweiz und Österreich bringt 38 Arbeitsplätze mit auf das 2800 m² große Grundstück. Die Schaffung von Arbeitsplätzen in Stolberg ist eine Kernfrage, um sich heute überhaupt in dem naturnahen Gewerbegebiet Grünen ansiedeln zu dürfen.

 

Rund 200 Vollzeit- und 20 Teilzeitbeschäftigte füllen das Gewerbegebiet derzeit mit Leben. „Wir liegen deutlich über der Breuer-Doktrin“, sagt Eßers. Helmut Breuer, emeritierter Professor für Wirtschaftsgeografie an der RWTH, postulierte, dass sich ab 2,5 Arbeitsplätzen pro 1000 m² die öffentlichen Investitionen in eine Gewerbegebietsentwicklung rechnen.

 

Mit dem Bild einer Pusteblume und dem Slogan „Landen Sie bei uns im Grünen“ startete die Stadt 2005, als die Brücke über die Bahngleise noch nicht einmal vollendet war, ihre Imagekampagne für die Konversionsfläche, die der frühere Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes am liebsten komplett renaturiert hätte. Nur mühsam konnten die Stolberger dem „Kölner Kurfürsten“ in den 1990er Jahren das Gewerbegebiet und das auch ausschließlich auf den bereits versiegelten Flächen abringen. Die Hoffnungen, bestehende Gebäude sanieren und weiter nutzen zu können, zerschlugen sich durch einen Vandalismus unerwarteten Ausmaßes. 2013 mussten als letzte Altimmobilien die Umschlagslogistik des belgischen Militärs von Schiene auf Straße an der Bahnlinie abgerissen werden.

 

2007 wagen zwei Firmen den Schritt in die Stille der Landschaft. 2014 sind es eine Handvoll – neben sechs Hektar, die für Photovoltaik genutzt werden. Ein Jahr später, als der Ausschuss für Wirtschaftsförderung vor drei Jahren das Camp besichtigt, sind es auf einmal bereits zwölf Firmen – bei stetig wachsender Nachfrage. Als dieser Tage Michael Eßers und Nathalie Malekzadeh als Leiterin des Stolberger Wirtschaftsförderungsamtes den Politikern die Entwicklung vor Augen führen, ist das Erstaunen groß. Vermutlich spazieren sie zu selten durch das dortige Gelände oder sie lassen sich täuschen von den noch weiten begrasten Flächen. Aber auf den meisten wird in absehbarer Zeit mit dem Bau begonnen. Zunächst dort, wo niedrige weiße Zäune das Reptilienmonitoring erkennen lassen. Dabei ist die Liste der Unternehmen, die mittlerweile im Camp landen durchaus illuster. Ein international tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in Belgien hat ein 2500 m² großes Grundstück erworben, um darauf einen Neubau für seinen zukünftigen Deutschlandstandort zurealisieren: Vornehmlich produziert das Unternehmen für die Automobil- und Ölindustrie in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Vom Standort Stolberg aus werden voraussichtlich sieben Mitarbeiter zukünftig den deutschen Markt bearbeiten.

 

Es ist nur wenige Wochen her, dass der Leiterplattenbestücker BAS Electronic seine Einweihung feiert. Schon plant er seine 15-köpfige Belegschaft aufzustocken und sein Betriebsgelände zu erweitern. Aus Aachen ins Camp gezogen ist Landschaftsbauer Hochheuser, der von 17 auf 20 Mitarbeiter aufzustocken gedenkt. Der Stolberger Metallbauer Derjung hat seine Betriebsfläche bereits vergrößert. Die Liste der Beispiele, die Eßers herunterspulen kann, ist lang.

 

Auf mehr als vier Hektar summieren sich die Reservierungen weiterer Interessenten aus dem produzierenden Gewerbe, E-Mobility, Tiefbau, Kleinlogistik, LED-Produktion, Sicherheitstechnik, Medien, und so fort. „Der Standort erfreut sich im Jahr 2018 einer noch größeren Beliebtheit, als im Vorjahr“, sagt Eßers und erwartet in Kürze die Termine für zwei weitere Notarbesuche.

 

Hält der Andrang in dem Maße an und würden größere Betriebsflächen für personalintensivere Unternehmen benötigt, bleibt noch die Option, die heutigen Photovoltaikflächen umzuwandeln. Sie waren unter einem solchen Vorbehalt von der Stadt 2012 an die damalige Photon Power AG veräußert worden und befinden sich jetzt im Besitz der Trianel-Gruppe.

 

„Die Unternehmer fühlen sich hier im Camp wohl“, meint Michael Eßers. Einige wohnen selbst dort neben ihren Betrieben. „Einen direkten Anschluss an die A4 will hier eigentlich keiner“, sagt der Geschäftsführer. Tim Grüttemeier zeigt auf die Königin-Astrid-Straße, die mitten durchs Camp führt und an dem von der Stadt Eschweiler verschlossenen grünen Tor endet.

 

Dahinter warnt ein Schild vor „Lebensgefahr“. Dort plant die Nachbarstadt seit vielen Jahren unter dem Titel „Camp CO2 Zero“ einen „Bürgerwald“ – nur getan hat sich dort bis dato in der Sache nichts. Aber diese Sackgasse wäre dann „unser Zubringer zur Autobahn“, sagt der Stolberger Bürgermeister vor dem Hintergrund der wieder aufgeflammten Debatte, die eigentlich schon durch Ministerentscheidung beendet war.

 

„Gibt es nicht noch eine andere Trasse?“, wundert sich ein altgedientes Ratsmitglied über die eher bescheidene Infrastruktur. „Nein“, sagt Grüttemeier. Was bleibt rund um den Flämischen- und Wallonischen Ring, zwischen den Gleisen des Hauptbahnhofes und Gut Steinbachshochwald sind einzelne Spazierwege sowie jede Menge unberührte Natur.

 

Die präsentiert sich windig und staubig, als gestern Volker Jürgens, Thomas Jordans und Stefan Winandy gemeinsam mit Michael Eßers, Architekt Thomas Zehnpfennig (nbp), Thomas Koll (Bauunternehmung Henn) und Bürgermeister Tim Grüttemeier zum Spaten greifen. Auf 2800 m² entsteht Büro-, Server- und Schulungsraum für heute 38 Mitarbeiter.

 

Und bereits jetzt wollen die Geschäftsführer der AixConcept „weiteres Personal einstellen“, sagt Thomas Jordans. Wenn ein Schulnetzwerk richtig funktionieren soll, dann ist das schon mit der Aufgabe in einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar. Zudem plant man ein neues Projekt zum Rekruting des eigenen Nachwuchses. Ende April 2019 „wird eines der führenden Unternehmen aus dem Bereich der schulischen IT-Dienstleistungen aus der Kupferstadt heraus Innovationen in die Schulen des gesamten Landes bringen“, sagt Grüttemeier: „Ein toller Erfolg für Stolberg“.

 

Warum landet solch ein Vorzeigeunternehmen aus dem „Silicon Valley“ der Kaiserstadt im kupferstädtischen Grünen? „Ganz einfach“, sagt Volker Jürgens. „Das Grundstück ist geeignet, es ist preisgünstig, und es ist für unsere Mitarbeiter verkehrsgünstig gelegen.“ So nebenbei sind Jürgens und Jordans Stolberger und haben ihr Abitur auf dem Goethe-Gymnasium gebaut. „Wir waren hier auch nie richtig weg“, schmunzelt Jürgens. Sie kommen heim, wie es in diesen Tag so schön heißt.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

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