Stolberger Know-how nun auch in China

KMD eröffnet neues Werk. Von Xingxiang aus den asiatischen Markt bedienen. Stolberger bilden die Belegschaft aus.

Foto: KMD Connectors
Foto: KMD Connectors

Als 2014 in Shanghai Vertreter der KME AG mit Sitz im italienischen Florenz und der Kupferrohrproduzent Golden Dragon Precise Copper Tube Group Inc. mit Sitz in Xinxiang in der chinesischen Provinz Henan die Verträge zur Gründung des gemeinsamen Joint Venture „KMD Connectors Stolberg GmbH“ unterzeichnen, schreibt man das Jahr des Pferdes. Es soll mit Energie und Selbstvertrauen für beschleunigtes Wachstum sorgen.

 

Das ist an der Kupfermeisterstraße zu spüren, wo seitdem die chinesischen Partner mit 50 Prozent beteiligt sind. Golden Dragon bringt 99 Millionen US Dollar in seine Beteiligung ein – in erster Linie für den Bau eines neuen Werkes für die Bänder in Xinxiang mit einer Kapazität von bis zu 45 000 Jahrestonnen. 2015 beginnt der Bau. Jetzt ist das neue Werk in Betrieb – im Jahr des Hundes. Und das verspricht laut chinesischem Horoskop in jeder Hinsicht ein gutes, aber auch ein anstrengendes Jahr zu werden.

 

Das passt auch ganz gut zur Stimmung an der Kupfermeisterstraße. Groß ist die Freude – nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit – über die Eröffnung des Schwesterwerkes in Xinxiang, mit dem KMD eine wachsende Kundschaft im asiatischen Markt direkt vor Ort bedienen will. Und anstrengend wird es werden, das nagelneue Werk mit der mittlerweile 443-jährigen Erfahrung der Stolberger Kupfermeister zu erfolgreichem wirtschaftlichen Leben zu erwecken. Dabei hilft die 270-köpfige Belegschaft des „ältesten Messingwerkes der Welt“ kräftig mit. „Mittlerweile ist hier allen klar, dass das neue Werk keine Gefahr für unseren Standort ist, sondern zusätzliche Kapazitäten und neue Märkte bedeutet“, sagt Martin Thiel. „Von Stolberg aus können wir nun noch besser unsere vor allem europäischen Kunden bedienen“, so der Geschäftsführer der Stolberger KMD weiter.

 

Bislang wurden nur kleinere Chargen auf dem zeitintensiven und teuren Schiffweg von Stolberg geliefert, was zudem Kapital bindet. Die Kunden, das sind in erster Linie die namhaften Automobilproduzenten und ihre Zulieferer. Und die drängt es zunehmend mit eigenen Werken in den asiatischen Raum. „Unsere Kunden drängen darauf, dass Mengen auf den Markt kommen“, betont Sergio Rinaldi. „Mittlerweile sind schon mehr als 200 Mitarbeiter gefunden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der in Hongkong ansässigen KMD Holding, die aber qualifiziert werden müssen für die dort ungewohnte Connectoren-Produktion.

 

Kupfer ist dabei das Zauberwort für innovative Anwendungen ebenso wie für Elektromobilität als Antriebsart der Zukunft.

 

Und immer braucht man die Bänder für Stecker und Steckverbinder oder Stanzteile aus Kupfer und unterschiedlichen Legierungen. Know-how aus Stolberg, wie die leistungsstarken Stol-Legierungen, die nun eben auch in China vom Band laufen. Aber anders als in der Kupferstadt fehlt in China noch die traditionsreiche Erfahrung im Umgang mit den Metallen, die hier vor Ort oft von Familie zu Familie weitergegeben und auch durch Absolventen der Hochschulen mit neuem Wissen gespeist wird.

 

Also sind die Stolberger gefordert, ihr Wissen an die neuen Kollegen zu vermitteln. „Zahlreiche Mitglieder unserer Belegschaft waren dazu in China vor Ort, und viele neue Mitarbeiter haben hier in Stolberg den Job trainiert“, berichtet Albert Rumbach. „Es wird eine spannende Aufgabe, die hier bei uns erzeugte Qualität auch in China zu implementieren“, sagt Markus Dahmen. Die Produktion von Kupferrohren habe nun doch eher wenig mit der Herstellung der Kupferbänder zu tun. So werden die Kenntnisse des guten deutschen und wichtigen Ausbildungsberufs als Verfahrensmechaniker in China versucht durch Anlernen zu vermitteln. „Training on the Job“, sagt Sergio Rinaldi, wobei sich die junge Generation neuer Mitarbeiter engagiert und wissbegierig erweise.

 

Einen entscheidenden Vorteil weist Xinxiang auf gegenüber dem über Jahrhunderte gewachsenen Standort am Vichtbach. „Das Werk ist am Reißbrett entstanden“, sagt Rumbach. „Wir hatten Platz ohne Ende auf dem Dragon-Gelände.“

 

Bebaut wurden letztlich 50 000 Quadratmeter – für den ersten Ausbauschritt. Und der ist nach den jüngsten Erfahrungen aus der Verfahrenstechnik ausgestattet worden. „Das Layout haben wir in Kooperation mit den chinesischen Kollegen von Stolberg aus entworfen“, so Rumbach weiter. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Von der Rohstoffanlieferung über Gießöfen, Kalt- und Warmwalzen, Fräsen, Durchlaufglühofen und Feuerverzinnung bis hin zum Versand und dem Schrottlager, wo jede Legierung separat ihren Platz findet, konnten die Produktionsmittel entsprechend der tatsächlichen Arbeitsabläufe angeordnet werden. Die Maschinen sind nach den neuesten technischen Erkenntnissen konzipiert, wie beispielsweise die horizontale Gießanlage für Bronzebänder oder ein mit bis zu 850 Grad betriebener Schwebebandofen mit integrierter Entfettung und Beize.

 

Ein guter Teil der Technik kommt aus dieser Region. Otto Junker, renommierter Anlagenbauer in Lammersdorf, hat beispielsweise zwei Öfen zum Schmelzen sowie einen Ofen zum Warmhalten und Gießen der Kupferlegierungen mit insgesamt acht Heißwechselkörper – je vier für den 18- und den 30-Tonnen-Ofen – und zwei transportable Kühleinrichtungen geliefert.

 

Mit traditioneller chinesischer Zeremonie wurde durch einen spektakulären Löwen-Tanz und einem atemberaubenden Feuerwerk am 6. Juni die Einweihung in Xinxiang gefeiert. Nun ist das Werk angelaufen – erst einmal mit einer Produktion von 5000 Tonnen. Im nächsten Jahr sollen es 10 000 und in 2020 bereits 16 000 Jahrestonnen sein, prognostiziert Sergio Rinaldi. Im Vergleich dazu liegt die Stolberger Kapazität bei 30 000 Tonnen. „Es ist schon toll zu sehen, wie innerhalb von vier Jahren eine Vision Realität wird“, sagt Martin Thiel. „Mit dem für unsere Position am Markt wichtigen neuen Werk gewinnt die KMD auch an Renommee, ein besseres Standing und mehr Krisensicherheit.“ Nachdem das Jahr des Pferdes ja Wachstum versprochen hatte, ist jetzt im Jahr des Hundes die Zeit, sich zu freuen und sich anzustrengen, dass die neue Realität auch wie gewünscht in die Zukunft wächst.

 

Vom Messingwerk zum Verbindungsspezialisten

  • Die Wurzeln des Unternehmens führen zurück auf Leonhard Schleicher, der 1575 an der Burgstraße seinen ersten Kupferhof zur Produktion von Messing (Gelbkupfer), die heutige Adler-Apotheke, baute. 1933 entstanden die Stolberger Metallwerke KG durch die Zusammenfassung der Werke von Schleicher und den Kupfermeisterfamilien von Asten und Lynen. 1969 übernahm die Kabelmetall AG (die heutige KME) 49 Prozent und wurde 1988 alleiniger Eigentümer. 2003 komplett in die Gruppe integriert, wurde das Stolberger Metallwerk zum 1. April 2014 in die neue deutsch-chinesische KMD Gruppe eingebracht.
  • Die Wirtschaftskrise hatte sich ab 2008 bei dem Automobil-Zulieferer bemerkbar gemacht. Dem Abbau von Überstunden folgte ein Abbau der Belegschaft auf 183 Stellen. Die Perspektive mit Spezialverbindungen wieder gute Geschäfte machen zu können, führte 2013 zum Abschluss eines Standortsicherungsvertrages. Seitdem sind aus 183 wieder gut 270 Mitarbeiter geworden; seit dem 1. März 2016 gilt der Flächentarifvertrag der IG Metall für die KMD-Belegschaft.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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