„Beim Umgang mit Kindern geht die Sonne auf“

Wochenend-Interview: Erzieherin Doris Röhseler geht nach 46 Berufsjahren in den verdienten Ruhestand. Ein Blick zurück.

Foto: M,-L. Otten
Foto: M,-L. Otten

Seit 46 Jahren ist Doris Röhseler als Erzieherin im Evangelischen Familienzentrum Bergstraße beschäftigt. Darüber hinaus war sie viele Jahre in der Mitarbeitervertretung im Einsatz für die Mitarbeitenden der Evangelischen Gemeinde tätig. Sie gehört inzwischen im Familienzentrum quasi zum Inventar und hat das Betriebsklima dort durch ihre lebenslustige, freundliche und offene Art sehr positiv mitgeprägt. Nun geht sie in den verdienten Ruhestand. Mit ihr verlässt auch Daniela Bartelt das Kinderhaus, die seit 18 Jahren als Erzieherin in diesem Haus beschäftigt ist und seit zwei Jahren mit hoher Qualität die stellvertretende Leitung in der Einrichtung wahrgenommen hat. Was die beiden Damen an ihrem Beruf fasziniert, wie viele Kinder sie im Laufe der Jahre kennengelernt haben, welche Aufgaben außer Spielen, Basteln und Singen noch wichtig sind und was in Zukunft Vorrang hat, haben sie im Interview mit Marie-Luise Otten erzählt.

 

Was ist das Faszinierende am Beruf des Erziehers?

 

Röhseler: Kinder im Kindergartenalter nehmen die Menschen so an, wie sie sind. Es macht Spaß, zu sehen, wie sie sich im Laufe ihrer Zeit bei uns entwickeln. Jedes Kind ist anders. Wenn es auch manchmal ein wenig anstrengend ist, so überwiegt doch die Freude.

 

Bartelt: Ich liebe an meinem Beruf die Abwechslung. Jeder Tag ist anders und birgt jede Menge Überraschungen. Ich freue mich zum Beispiel immer sehr darüber, wenn ich sehe, dass die Kinder sich in unserer Obhut wohlfühlen und sich toll entwickeln. Was kann es Schöneres geben, wenn man früh am Morgen hört: „Frau Bartelt, ich liebe dich!“ Dann geht bei mir die „Sonne“ auf, und ich weiß jeden Tag aufs Neue, warum ich diesen Beruf gewählt habe.

 

Haben Sie immer im Ev. Familienzentrum in Stolberg gearbeitet?

 

Röhseler: Ja immer, und das seit 46 Jahren.

 

Bartelt: Ja, ich habe nach meiner Ausbildung im Jahr 2000 direkt im Familienzentrum angefangen. Damals war ich im Hort mit Kindern im Alter von 6-14 Jahren beschäftigt und habe mir in den 18 Jahren, sehr viel Fachkompetenz aneignen können.

 

Mit wie vielen Kindern haben Sie sich im Laufe Ihres Berufslebens beschäftigt?

 

Röhseler: Das werden Pi mal Daumen mehr als tausend Kinder gewesen sein.

 

Bartelt: Puuhhh… das ist echt eine schwierige Frage. Darauf kann ich nicht wirklich antworten. Es waren auf jeden Fall schon viele Kinder. An das eine oder andere Kind denkt man auch heute immer wieder zurück und fragt sich, wie es ihm als Erwachsenen heute geht und was aus ihm geworden ist.

 

Wie wird man Erzieherin?

 

Bartelt: Für mich war schon im jugendlichen Alter klar, dass ich beruflich irgendetwas mit Kindern machen wollte. Ich habe damals schon früh angefangen, im Kindergottesdienst mitzuarbeiten und konnte da meine Kreativität und Empathie schon gut ausbauen. Als ich dann in der 9. Klasse mein Schülerpraktikum in einem Kindergarten absolviert habe und drei Wochen mit einer echt tollen und fachkompetenten Erzieherin zusammen gearbeitet habe, stand für mich fest, ich werde Erzieherin. Und dann habe ich im Alter von 16 Jahren die Ausbildung begonnen.

 

Röhseler: Zu der Zeit, als ich meine Lehre als Friseurin beendet hatte, suchte man im Evangelischen Familienzentrum händeringend nach Personal. Da ich gerne mit Menschen, besonders aber mit Kindern arbeitete, habe ich da vorgesprochen und wurde gleich als Kinderpflegerin eingestellt.

 

Den ganzen Tag spielen, basteln und Lieder singen - so stellen sich manche den Beruf des Erziehers vor. Welche Aspekte gehören denn noch zu Ihren Aufgaben, die man auf den ersten Blick nicht sieht?

 

Röhseler: An erster Stelle steht bei uns der Bildungsauftrag. Es gilt, die geistigen Fähigkeiten des Kindes zu unterstützen, seine Lernfreude anzuregen, es gruppenfähig zu machen, durch Bewegung, Sport und Spiel die Motorik und Feinmotorik zu fördern und es zu mehr Selbstständigkeit zu führen. Das Mittagessen ist zu beaufsichtigen wie auch der Mittagsschlaf der Kleinen.

 

Bartelt: Für mich ist die wichtigste Aufgabe, die „kleinen Kinder“ zu „großen Persönlichkeiten“ heranreifen zu lassen. Für mich bedeutet das, dass die Kinder selbstbewusst und selbstständig in den Schulalltag starten können, dass sie konfliktfähig und kompromissbereit sind und ein gewisses Maß an Eigenverantwortung mitbringen. Eine kleine „Persönlichkeit“ kann Großes bewirken - wenn man den Raum dafür schafft.

 

Wie viele Gruppen gibt es hier bei Ihnen und in welchem Alter sind die Kinder? Wie viele Betreuer sind dafür nötig?

 

Röhseler: Wir betreuen hier 55 Kinder in drei Gruppen im Alter von 1-6 Jahren. Zum Betreuerpersonal gehören elf Erwachsene.

 

Wie sieht es mit den Öffnungszeiten aus?

 

Röhseler: Die Kinder können ab 7 Uhr gebracht werden und bis 16 Uhr bleiben.

 

Sind die Kinder heute schwieriger im Umgang als vor 18 oder 46 Jahren?

 

Bartelt: Nein, die Kinder sind nicht wirklich schwieriger geworden. Die Gesellschaft verändert sich dauernd und zu unseren Aufgaben gehört es, sich daran anzupassen. Schwieriger geworden ist, dass die Rahmenbedingungen nicht wirklich auf die Bedürfnisse der Kinder angepasst sind und die gesetzlichen Bestimmungen sowie die Verwaltungsaufgaben unsere Arbeit erschweren. Da würde ich mir echt wünschen, dass bald etwas im Sinne der Erziehung passiert.

 

Röhseler: Die Gesellschaft hat sich in den letzten vierzig Jahren verändert. Schnelllebigkeit und veränderte Sozialstrukturen haben dazu beigetragen. Entsprechend verhalten sich die Kinder heute. Dass sie im Umgang schwieriger sein sollen, kann ich nicht teilen.

 

Welchen Ansprüchen müssen die Erzieher heute Folge leisten?

 

Röhseler: Wir Erzieher müssen heutzutage allen gerecht werden, nicht nur den Kindern, auch den Eltern, dem Arbeitgeber und dem Bildungs- und Erziehungsplan. Daraus ergibt sich ein vielseitiges und vielschichtiges Aufgabenprofil für das Berufsbild „Erzieher“. Wir brauchen nicht nur große zwischenmenschliche Fähigkeiten, sondern auch professionelle Kompetenzen hinsichtlich unserer Arbeit.

 

Welche Fragen stellen die Kinder am häufigsten der Erzieherin?

 

Röhseler: „Spielst du mit mir?“ höre ich am häufigsten.

 

Bartelt: Die Frage, die mir die Kinder aus meiner Gruppe Kinder im Alter von 1-3 Jahren am häufigsten stellen: „Wie heißt dein Papa und wie deine Mama?“

 

Welche Maßnahmen werden zum Zweck der Eltern- und Familienbildung durchgeführt?

 

Röhseler: Da wir ein Familienzentrum sind, gibt es bei uns ein Angebot für Kinder und Eltern: Krabbelgruppe, Elterncafé, Vorträge oder Eltern-Kind-Aktionen, um nur einige zu nennen.

 

Was zählt zu den Höhepunkten in Ihrem beruflichen Alltag?

 

Röhseler: Dazu gehört die Entlassung in die Grundschule. Wenn aus dem Kindergartenkind ein Schulkind wird, bereitet uns dies einerseits Freude, stimmt uns aber auch ein wenig traurig. Wenn sich dann aber die Eltern einige Monate später bei uns dafür bedanken, dass sich ihr Kind in der Schule so gut entwickelt hat, wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben.

 

Welchen Tipp möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?

 

Röhseler: Ich appelliere an die Eltern, mit ihren Kinder viel zu sprechen, mit ihnen gemeinsam zu lesen oder vorzulesen und sich darüber zu unterhalten. Kinder lieben Geschichten über alles und die Nähe von Papa oder Mama.

 

Bartelt: Ich habe nur eine Kleinigkeit - Liebe Eltern, legt euer Smartphones mal häufiger aus der Hand, genießt die Zeit mit euren Kindern und hört ihnen zu! Leider geht diese schöne Zeit viel zu schnell vorbei.

 

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Eigenschaft oder Fähigkeit, die ein Erzieher mitbringen muss, um langfristig erfolgreich in seinem Beruf arbeiten zu können?

 

Röhseler: Optimal wäre, wenn der Beruf Berufung wäre. Aber Geduld, Wärme und Geborgenheit sind schon gute Voraussetzungen für diesen Beruf.

 

Bartelt: Die richtige Haltung und Empathie sind schon mal wichtige Fähigkeiten. Vieles kann man erlernen, wenn man die richtige Haltung zum Beruf mitbringt.

 

Was wartet in Zukunft auf Sie? Haben Sie schon Pläne?

 

Bartelt: Ich ziehe zu meinem Partner an den Niederrhein und verlasse aus diesem Grund die Einrichtung. Ab 1. August beginne ich dann als Leiterin in einer evangelischen Kindertagesstätte in Wesel einen neuen Lebensabschnitt.

 

Röhseler: Das erste halbe Jahr ist mal Nichtstun angesagt. Dann möchte ich mit meinem Partner ein schönes Leben genießen. Wir wollen innerhalb Deutschlands (Tegernsee) und Österreichs verreisen. Und dann gibt es ja noch meinen Enkel Mats, um den ich mich mehr kümmern möchte.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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