Schlangenberg bietet viele Überraschungen

Leser gehen unter fachkundiger Führung auf Exkursion durch das Naturgebiet. Seltene Tier- und Pflanzenarten im Blick.

Foto: L. Flink
Foto: L. Flink

Wieder einmal zeigt sich, dass unsere Zeitungsleser ausgesprochen interessierte und wissbegierige Naturliebhaber sind. Der Zeitungsverlag hatte eingeladen. Und aus der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen waren die 20 Teilnehmer ausgelost worden, die sich auf die Suche nach dem Gelben Galmeiveilchen am Schlangenberg im Stolberger Ortsteil Breinigerberg begeben dürfen. Am Treffpunkt Parkplatz Waldschänke begrüßt René Benden vom Verlag die Aboplus-Leser und übergibt sie dann der fachkundigen Führung von Svenja Luther, Biologin der Bio-Station Aachen.

 

Während es dann direkt vom Parkplatz aus ein paar Meter in den lauschigen Waldbereich des insgesamt ca. 120 Hektar großen Gebietes hineingeht, stellt sich denn auch bereits bei der Gruppe die erste Frage: Warum heißt dieser 276 Meter hohe Hügel eigentlich Schlangenberg? Bevor diese Frage geklärt wird, erfolgt die erste Rast mit dem Ziel, unseren Lesern einige Hintergrundinformationen zur Exkursion zu liefern.

 

Svenja Luther verspricht, dass die Gäste des Waldes die Schönheit des Gelben Galmeiveilchens während des Ausfluges in jedem Falle bewundern können. Die Blüte reicht von April bis September. Das Gelbe Galmeiveilchen wächst im Offenlandbereich des Schlangenberges auf schwermetallhaltigen Oberflächen. Die Erzvorkommen wie Zink, Blei und Cadmium wurden schon zu Römerzeiten geschürft. Messing wurde hier bis etwa zum Jahre 1870 abgebaut. Dadurch ist am Schlangenberg im Laufe der Zeit eine ganz besondere Vegetation entstanden.

 

Da vor 380 Millionen Jahren hier noch ein Meer war, kam es später zu Kalkablagerungen. Kalk bildet genau wie das Schwermetall den Lebensraum für besondere und einmalige Pflanzengesellschaften. Daher herrscht auf dem Schlangenberg eine große Artenvielfalt an Pflanzen. Sie locken diverse Arten von gefährdeten Insekten und andere Lebewesen an.

 

Im Zweiten Weltkrieg diente das Gebiet amerikanischen Truppen als Lager und wurde anschließend als Truppenübungsplatz genutzt bis zum Jahre 1975. Längst ist der Schlangenberg als Naturschutzgebiet europäischen Ausmaßes als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Nach diesen einführenden Worten geht es nun los, das so interessant beschriebene Gebiet zu erkunden. Durch einen lichten Waldbestand spaziert die Gruppe Richtung Offenlandbereich. Und dann ist es soweit, die oft eifelerfahrenen Naturliebhaber, angereist u.a. aus Jülich, Aldenhoven, Hückelhoven, Düren, Aachen, betreten die offene Fläche und erblicken die ersten Gelben Galmeiveilchen. Aber damit nicht genug: Ein wahrer Blütenteppich breitet sich aus auf dem offenen Gebiet des Schlagenberges.

 

Ob Hahnenfuß, Sonnenröschen („sieht aus wie ein Butterblümchen“ so ein Gast), lila Kreuzblümchen, Taubenkropfleimkraut, Thymian, Galmei-Grasnelke, Waldgeißblatt, Gelbes Labkraut – alles wurde ausgiebig betrachtet. Mancher der Leser hält sich den seltenen Klappertopf ans Ohr, um dessen Klappern zu vernehmen. „Seid mal still“, werden die anderen aufgefordert.

 

Zwergbläulinge fliegen herum und setzen sich auf Wundklee, wo sie, so Luther, ihre Eier ablegen. Überhaupt sind Falterarten spezialisiert auf bestimmte Pflanzen. Wie man das auch im heimischen Garten beobachten kann, wissen die überaus gut informierten Gäste. Ein Blutströpfchen wird bewundert aus der Gattung der Nachtfalter. Direkt daneben befindet sich die Geknollte Glockenblume, dem Enzian ein wenig ähnlich. Heuschrecken kann man auf der Exkursion nur hören, aber da ist er: Der Baumpieper. Dieses Vögelchen hat eine besondere Eigenart: Es setzt sich auf einen freistehenden Baum, steigt in die Lüfte hinauf und dann, im Sturzflug, fängt er an zu singen. So die Biologin. Und so hört man es. Sogleich scherzt einer der Herren: „Er sinkt und singt“. Was für großes Gelächter sorgt.

 

Auf einer kleinen Anhöhe angekommen, erklärt Luther, warum im Jahre 2010 im Gebiet so viele Kiefern gefällt wurden: Da die bleilastigen Pflanzenarten nur in der offen Landschaft existieren können, war diese Maßnahme erforderlich, um sie zu erhalten . Und damit das so bleibt, gehen die Mitarbeiter der Biologischen Station regelmäßig hin und zupfen die kleinen aus dem Boden schießenden Kiefern per Hand aus. Auch der Wanderschäfer ist einmal im Jahr mit seiner Schafherde für zwei Wochen auf den gering mit Erzen belasteten Bereichen zu Gast, damit der Boden dort auf Dauer baumfrei bleibt. Häufiger darf er nicht, damit die Schäfchen gesund bleiben.Weiter geht es über das weitläufige Gebiet, und nun kann man die verfaulenden Blätter von hunderten Herbstzeitlosen betrachten, die sich großflächig verbreiten. Hier, so einige der Aboplus-Leser, will man unbedingt im Herbst noch einmal wiederkommen, um sich dann an diesem Blütenmeer zu erfreuen. Große Begeisterung breitet sich auch aus, als diverse Exemplare des Mückenhändelwurz, eine lila blühende Orchideenart, am Wegesrand erscheinen.

 

Nachdem sich die älteste Teilnehmerin der Leseraktion, eine 89-jährige Dame aus Aldenhoven, die in Begleitung ihrer Tochter angereist ist, noch ganz kurz auf der Bank in der Nähe des Insektenhotels ausgeruht hat, geht es dann wieder in den Waldbereich hinein. Auf dem Weg zum Parkplatz wird noch viel gefachsimpelt und Erfahrungen werden ausgetauscht. So hört man etwas über das Franzosenkraut und die Kletten, mit denen in früheren Zeiten sehr gerne ungeliebte Spielkameraden „abgeworfen“ wurden und die schön auf der Kleidung kleben blieben.

 

Beim Abschied ist man sich einig: Es war eine überaus interessante und kurzweilige Führung unter fachkundiger Begleitung. Gerne würde man nach der zweistündigen Tour noch auf ein Tässchen Kaffee zusammensitzen, um den geselligen Nachmittag in schöner Runde ausklingen zu lassen. Bei solch einer guten Resonanz könnte man ja vielleicht künftig für die exponierten Zeitungsleser ein Picknickkörbchen mitnehmen?

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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