Streit um den Wald zwischen Adel und Bauern

Serie zum 900-jährigen Jubiläum Stolbergs beleuchtet die Geschichte der einzelnen Stadtteile. Heute geht es um Mausbach.

Foto: C. Altena
Foto: C. Altena

Zum 900-jährigen Jubiläum der Kupferstadt Stolberg präsentiert das Stadtarchiv monatlich ein Archivale aus einem Stadtteil. Von A wie Atsch bis Z wie Zweifall werden in dreizehn Folgen Stadtteilgeschichten erzählt und Illustriert mit Annoncen aus dem ‚Stolberger Generalanzeiger‘ von 1898. In dieser Folge geht es um den Stadtteil Mausbach.

 

Nah am Waldrand stand im 19. Jahrhundert ein Fachwerkhaus in urtümlicher Ständerbauweise, das mindestens aus dem 18., vielleicht auch aus dem 16. Jahrhundert stammte und einer neuen Funktion zugeführt werden sollte. Ursprünglich im Jülicher Amt Wehrmeisterei gelegen, zu dem Krewinkel gehörte, war der Ort gemeinsam mit Mausbach 1802 zu einem Teil der neu gegründeten Gemeinde Gressenich geworden.

 

Im 19. Jahrhundert entbrannte eine Auseinandersetzung um die deutschen Wälder. Bauern und landsässige Bevölkerung wollten sie nach Gutdünken und alten Rechten nutzen, während die Obrigkeit Schutz, Aufforstung aber auch adliges Jagdprivileg durchsetzen wollte. Einerseits waren die Waldflächen durch Raubbau geringer als jemals zuvor, andererseits war die Landbevölkerung auf die Waldmast von ihrem Vieh und das Sammeln von Brennholz angewiesen. Forstbeamten sollten die Rechte und den Schutz des Waldes durchsetzen.

 

Die Gemeinde Gressenich tätigte nun 1862 den Kauf des alten Bauwerks, um daraus ein Forsthaus zu machen. „Ankauf und Unterhaltung der Försterwohnung zu Krewinkel“ ist der Original-Titel der Akte GR 1216, die die besondere Architekturzeichnung vom 15. 4. 1862 enthält.

 

Daneben enthält sie weitere Dokumente von 1850 bis 1879, teils von Friedrich von Werner geschrieben und unterzeichnet, der zeitweise für Stolberg und Gressenich gleichzeitig als Bürgermeister fungierte. Das Fachwerkhaus mit teilweise Bruchsteinmauerwerk war mit Stroh gedeckt und besaß eine regionaltypische wie urtümliche Bauform. Es war zweigeteilt, da ein Drittel als gepflasterter Stall für Kleinvieh wie Schweine oder Hühner diente, worüber der Heuboden lag. Die größere Hälfte wurde allerdings als Wohnung genutzt.

 

Typisch war die Situation mit der Küche im Eingangsbereich mit Bruchsteinplatten als Bodenbelag, wo sich ein offener Kamin zur Bereitung der Speisen befand. Dahinter lag die intimere Wohnstube mit Dielenboden, die als ‚gute Stube‘ sprichwörtlich geworden ist, da man sich dort gemütlich zurückziehen konnte.

 

Ofenwärme gelangte über die vom Küchenherd erwärmte gusseiserne Takenplatte in den Raum, ohne dass ihn Rauch und Ruß beeinträchtigten. Selten beinhalten im Stadtarchiv Stolberg Akten derartige Architekturzeichnungen des 19. Jahrhunderts. Vergleichbare, authentisch erhaltene Bauformen gerade auch der Innenräume finden sich heute praktisch nur mehr in Freilichtmuseen. Das Gebäude von Franz Willems samt Grundstück wurde auf 684 Thaler geschätzt und schließlich für „550 Thaler Preußisch Courant“ erworben. Gemäß Akte war es „in einem reparaturbedürftigen jedoch bewohnbaren Zustande“, doch sollte bspw. ein Ziegeldach aufgebracht werden. Für 150 Thaler wurde auch ein neuer Schweinestall mit einem Abort, also einer wasserlosen Toilette, errichtet. Der „Verdingungs-Contrakt“ über einen Anbau von 1868, der an Handwerker vergebene Aufträge aufweist, liest sich als ein Gesamt-Stolberger Kompendium: Johann Wilhelm Frentz, Maurer aus Schevenhütte war ebenso beteiligt wie der Zimmermeister Peter Lennartz aus Zweifall und Schreinermeister Peter Josef Frantzen aus Mausbach. Unterschrieben von Bürgermeister von Werner in Gressenich.

 

Der alte Fachwerkbau des Anwesens Krewinkel 52 diente fortan nur noch als Stall und wurde 1974 abgerissen. Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und ‚Gedächtnis der Stadt‘ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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