„Werde die Menschen in Stolberg nicht vergessen“

Klaus Wohnaut im Interview. Der Gebietsleiter der Sparkasse Aachen für Stolberg und Eschweiler geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. Viele Hobbys.

Foto: P. Nowicki
Foto: P. Nowicki

Sportlich waren seine Wochenenden ohnehin immer: Es gab kaum eine größere Veranstaltung, bei der sich Klaus Wohnaut nicht blicken ließ. Als Gebietsdirektor der Sparkasse für Eschweiler und Stolberg gehört dies zu seinen Aufgaben. Ein Faible für Sport war jedoch stets unverkennbar. Er selbst spielt heute noch Tennis und nutzt Urlaube zu Klettertouren. Die jüngeren Jahre prägte zunächst die Leichtathletik, ehe er Basketball auch in der 2. Bundesliga spielte. Ab dem 1. Juli wird der 65-Jährige mehr Zeit für Hobbys haben: Nach 17 Jahren als Gebietsdirektor folgt nun sein (Un)ruhestand. Zum Abschied schildert er Patrick Nowicki, warum er mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht.

 

Schon eine Vorstellung, wie der letzte Arbeitstag ablaufen wird?

 

Wohnaut: Eigentlich denke ich noch gar nicht daran. Bis zum Schluss habe ich mich meiner Arbeit gewidmet, so dass mir erst vor kurzem auffiel: Es dauert ja gar nicht mehr lange.

 

Hat die Verabschiedung schon langsam begonnen?

 

Wohnaut: Ja, bei einigen Gelegenheiten wurde ich bereits sehr herzlich verabschiedet. In der letzten Arbeitswoche stehen noch zwei offizielle Veranstaltungen an. Als letzten Termin feiere ich dann mit allen Mitarbeiter und Kollegen im Talbahnhof. Das war es dann aber auch. Noch fällt es mir leicht, die Arbeit hat mich noch im Griff. Ein anderer Kollege meinte schon: 14 Tage vorher ist noch alles in Ordnung. Ich lasse mich mal überraschen.

 

Bestehen schon Pläne, wie es nach dem 30. Juni weitergeht?

 

Wohnaut: Ich werde mir am Montag, dem 2. Juli, den Wecker auf 8 Uhr stellen und dann schauen, was passiert. Als Vorsitzender eines Tennisvereins, der die Stadtmeisterschaft in Würselen austrägt, habe ich ja eine Abwechslung schon gefunden.

 

Sie verreisen gerne…

 

Wohnaut: Das werden wir vielleicht nun etwas häufiger machen. Ich unternehme gerne Klettertouren mit zwei Freunden, fahre Ski. Aber ich habe bei einem Rundgang ums Haus festgestellt, dass ich da auch viel Zeit verbringen sollte. Ich freue mich aber vor allem auf eines: Zeit. Wenn ich meine Arbeitszeit Revue passieren lasse, dann war ich in der Woche zwischen 50 und 60 Stunden beruflich unterwegs. Diese Zeit nun frei zu haben, ist durchaus ein schöner Gedanke.

 

Sie haben den Sport immer gefördert und unter anderem die Sportlerwahl und die Fußball-Stadtmeisterschaften in Stolberg unterstützt. Haben Sie ein besonderes Faible für Sport?

 

Wohnaut: Ja, ich habe mit acht Jahren in der Leichtathletik begonnen, habe Mehrkämpfe bestritten. In der Männerklasse reichte die Zeit nicht mehr, um auf hohem Niveau mitzuhalten. Da die DJK Frankenberg auch eine Basketballabteilung hatte, kam ich zum Basketball. Als 15-Jähriger habe ich dann mit Sondergenehmigung Basketball in der 1. Mannschaft des Vereins gespielt. Dies war eine tolle Mannschaft, dazu gehörte auch Michael Pappert, der spätere Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft. Im Alter von 34 Jahren haben dann meine Fußgelenke den Leistungssport nicht mehr zugelassen. So kam ich schließlich zum Tennis. Der Sport hat alles, um eine Gesellschaft positiv zu prägen.

 

Was bedeuten diese Erfahrungen aus dem Sport für Ihr späteres berufliches Leben?

 

Wohnaut: Neben dem Ehrgeiz, den man im Sport entwickelt, ist es wichtig, auch verlieren zu können und einem zu gratulieren, wenn er besser war. Wer fair mit Menschen umgeht und großzügig ist, bekommt dies auch wieder. Man arbeitet nicht 49 Jahre lang in einem Unternehmen, wenn man bestimmte Dinge nicht sportlich nimmt. Nach einem schlechten Jahr sagt man dann: abhaken, weiter- und bessermachen! Einen Burnout hätte ich nie bekommen können, weil ich meine Emotionen immer im Sport abgebaut habe. Meine Tennisfreunde fragen mich freitags schon immer, ob ich eine schlechte Woche gehabt habe. Dann müssen sie leiden… (lacht)

 

Ihre Frau lebt die Leidenschaft für Sport mit?

 

Wohnaut: Ja, sie schaut sogar ein bisschen mehr Sport als ich. Sie ist Stammgast auf dem Tivoli. Ich darf dort nur noch selten mit, weil ich zu kritisch bin. Wir sind eine sehr sportliche Familie. Als ich in Broichweiden Filialleiter war, war ich in 13 Vereinen im Vorstand. Das war natürlich schon ein bisschen viel.

 

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?

 

Wohnaut: Oh ja, den 1. August 1969 kann ich malen. Da kenne ich noch jedes Gesicht. Es waren 31 Grad Celsius, wir trafen uns in Aachen…

 

Muss im Anzug sehr angenehm gewesen sein…

 

Wohnaut: Es war erträglich, ich trug einen schönen Sommeranzug. Es war damals, als ich 16 Jahre alt war, mein einziger Anzug. Ich fuhr dann mit der Straßenbahn nach Würselen in die Geschäftsstelle an der Kaiserstraße und kann noch jeden nennen, der damals dort gearbeitet hat. Außer meine Hochzeit hat mich kein Tag mehr so geprägt und ist mir so intensiv in Erinnerung geblieben.

 

Als Verantwortlicher einer Bank muss man auch manche harte Entscheidung treffen. Wie sind Sie damit umgegangen?

 

Wohnaut: Ich denke, dass man gemerkt hat, dass ich für jeden Kunden gekämpft habe, der es verdient hat. Natürlich hat das nicht immer funktioniert. Aber ich konnte auch dann anschließend immer noch ein Bier mit dem Betreffenden trinken. Mir lagen alle Kunden am Herzen, ob groß oder klein. Es ist wichtig, dass man Menschen, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, die Möglichkeit gibt, vernünftige Bankgeschäfte zu machen. Wahrscheinlich wollte ich deshalb auch immer bei der Sparkasse arbeiten, weil hier die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund steht.

 

In Ihrer Laufbahn hat sich das Bankgeschäft stark verändert. Um beim Bild des Sports zu bleiben: Ist es noch ein fairer Wettbewerb geblieben?

 

Wohnaut: Es ist eine Herausforderung, aber wir haben mit 57 Prozent den Privatkundenanteil in den vergangenen 20 Jahren auf sehr hohem Niveau gehalten. Wir sehen es nicht als Lösung, Filialen zu schließen. Der persönliche Ansprechpartner ist vielen immer noch wichtig. Aber wir bieten natürlich auch die inzwischen üblichen Möglichkeiten des Onlinebankings und Apps an. Im Vergleich zu meinem beruflichen Beginn hat sich die Welt aber kolossal verändert.

 

Wann schmunzelt man als Gebietsdirektor?

 

Wohnaut: Ich durfte mal beobachten, wie vier Fußballfunktionäre 80 bis 100 Bilder für eine Ausstellung an Stellwände anbrachten. Das war ein Erlebnis. Zwar nicht zum Schmunzeln, aber was in Erinnerung geblieben ist: An einem Sonntag vor zwölf Jahren hatte ein Mann im Krankenhaus seine Frau als Geisel genommen. Den ganzen Tag über lag ein Scharfschütze des Sondereinsatzkommandos auf dem Tisch in meinem Büro und visierte das Hospital an. Das war eine extreme Situation.

 

Werden Sie nichts vermissen nach dem 30. Juni?

 

Wohnaut: Doch, meine Kolleginnen und Kollegen werde ich sehr vermissen. Ich werde aber auch die Menschen in Eschweiler und Stolberg nicht vergessen. Diese haben mich sehr positiv aufgenommen, ein ganz besonderer Menschenschlag. Ich werde in dem einen oder anderen Verein bleiben. Den Kontakt werde ich nicht abreißen lassen. Vielleicht werde ich nicht mehr so oft an den Wochenenden vor Ort sein.

 

Wird der Anzug nun nur noch selten angezogen?

 

Wohnaut: Ich habe den nie als störend empfunden. Wenn ich zu einem Banker komme, soll der nicht aussehen wie ein Bäcker, und ein Bäcker soll auch nicht so aussehen wie ein Metzger. Das war nie ein Problem. Das einzige, was meine Frau wohl sagen wird: Herr Wohnaut, sie können das Namensschild nun ausziehen, sie sind zuhause.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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