Pockenimpfung in Schulhaus angeordnet

Archivale zum 900jährigen Jubiläum der Stadt diesmal aus Gressenich: 1874 allgemeine Impfpflicht eingeführt, Namenslisten früher.

Grafik „La Vaccine“, 1837
Grafik „La Vaccine“, 1837

Zum 900-jährigen Jubiläum der Kupferstadt Stolberg präsentiert das Stadtarchiv monatlich ein Archivale aus einem Stadtteil. Von A wie Atsch bis Z wie Zweifall werden in dreizehn Folgen Stadtteilgeschichten erzählt und illustriert mit Annoncen aus dem ‚Stolberger Generalanzeiger‘ von 1898 bzw. 1900.

 

Mit „Impflinge von Gressenich“ ist das medizinhistorische Dokument der Archivakte GR 961 der ehemaligen Gemeinde Gressenich überschrieben. Bürgermeister Stephan Schoenen unterzeichnete das Dokument am 24. Mai 1835. Dieses, wie weitere Schriftstücke der Akte, enthalten Detailinformationen zu den „vaccinierten Kindern“ der Gemeinde, als ein Impfstoff gegen die verbreiteten Pocken bzw. Blattern, wie die Erkrankung auch genannt wurde, zusehends Verbreitung fand.

 

Seit Menschengedenken waren sie geplagt von der Viruserkrankung, die schwere Verläufe wie eine hohe Sterblichkeit aufwies. Im 18. Jahrhundert wurden moderne Impfverfahren entwickelt, die die ersten ihrer Art waren und für viele Jahre blieben. Im Königreich Preußen ab 1799 eingeführt, war das erfolgreiche Verfahren bereits im frühen 19. Jahrhundert allgemein verbreitet und so auch in der Bürgermeisterei Gressenich angewendet worden.

 

Eine allgemeine Impfpflicht gab es 1835 noch nicht, aber die Regierung drängte auf eine lückenlose Impfung der Bevölkerung, die von Medizinern empfohlen wurde. Das „Königlich hohe Ministerium der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten“ erinnerte im Jahr 1833 im Amtsblatt der Regierung zu Aachen, dessen Bände ab 1815 im Stadtarchiv vorliegen, die Kommunalverwaltungen an die Führung von Impflisten. Diese Erinnerung und womöglich ein lokaler Pockenausbruch mögen Bürgermeister Schoenen veranlasst haben, sich dieses Themas anzunehmen.

 

41 Personen aus Gressenich sollten gemäß dem Schreiben „Morgen früh 10 Uhr im Schulhause zu Gress[enich] […] erscheinen, worauf deren Eltern in aller Strenge aufzufordern sind, mit der Warnung, dass die Fortbleibenden […] zur Bestrafung gezogen werden“. In gedruckte Formblätter eingetragene Listen der geimpften Kinder aller Ortsteile enthalten vielfältige Informationen, u. a. auch zum „Erfolg der Impfung“, die durch leichte Krankheitssymptome festgestellt werden konnte, sowie zur Herkunft des Impfstoffs.

 

Diese „Schutzpocken-Lymphe“ wurde damals teils von an Kuhpocken erkrankten Kühen gewonnen. Sie war nur kurz haltbar und wurde so bei Bauern der Umgebung in Nothberg, Bergrath, aber auch in Gressenich, Schevenhütte und Mausbach gewonnen.

 

Das Impfmaterial wurde gewöhnlich Kleinkindern ab sechs Monaten per Injektion in den Oberarm verabreicht, gemäß den Eintragungen im Formblatt der Akte in Gressenich stets öffentlich. Der zuständige Mediziner war Dr. Gottfried Wilhelms. Der Arzt und Chirurg ergänzte damit die Tätigkeit des bedeutenden Dr. Carl Georg Theodor Kortum, der sich als Stolberger Arzt wissenschaftlich und als erster Palliativmediziner hervortat.

 

Die Impfungen wurden unentgeltlich durchgeführt und oftmals durch die Behörden finanziert. Die Sterblichkeit war in Preußen zwischen 1810 und 1820 um 95 Prozent zurückgegangen, da fast alle Säuglinge vakziniert wurden. Vakzination war der damalige Begriff, der von lat. ‚vacca‘ für ‚Kuh‘ abgeleitet, wurde. Schließlich waren es die Kuhpockenerreger, die maßgeblich für die Impfung waren.

 

Im Deutschen Kaiserreich war 1874 eine allgemeine Impfpflicht gegen die Pocken eingeführt worden, die teils bis in die 1970er Bestand hatte. 1980 wurden die Pocken durch die Weltgesundheitsorganisation als ausgerottet erklärt. Ältere Bürger tragen noch heute, wie bereits die geimpften Bürger in Gressenich 1834/35, eine Impfnarbe, die als einzelnes Pockenbläschen durch die Impfung lange als sichtbarer Beweis der Immunisierung galt.

 

Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und „Gedächtnis der Stadt“ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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