„Seine eigenen Gedanken auf den Prüfstand stellen“

Interview zum Wochenende mit Mathilde Stirnberg. Die Seniorin ist Teilnehmerin des „Wort des Lebenskreises“. Regelmäßiges Treffen bereichert.

Foto: M.-L. Otten
Foto: M.-L. Otten

Der Begriff „Spiritualität“ wurde als Fremdwort aus dem Französischen übernommen und drückt die persönliche Beziehung des Menschen zu Gott aus. Diese geistliche Lebensform ist auch in Stolberg angekommen. In der Pfarrei St. Lucia haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche spirituelle Angebote entwickelt, die von den Gläubigen angenommen und weiterentwickelt werden müssen. Ziel ist es, den Bedürfnissen der Menschen nachzukommen. Mathilde Stirnberg gehört zu den Teilnehmern des Wort des Lebens-Kreis. Mit ihr sprach unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten.

 

Wie wurden Sie auf den Wort des Lebens-Kreis aufmerksam?

 

Stirnberg: Über die zeitbegrenzten „Exerzitien im Alltag“ erfuhr ich von diesem Kreis, der ja immer am ersten Montag im Monat im ökumenischen Gemeindezentrum Frankental stattfindet und bei dem sich Menschen aller Altersstufen treffen, die schon im Glauben verankert sind oder denen die Kirche fremd geworden ist.

 

Was bedeutet dieser Kreis für Sie?

 

Stirnberg: Das Sprechen über den Glauben gefällt mir hier sehr gut. Die gemeinsamen Gespräche zu einem bestimmten Satz aus dem Evangelium tun mir einfach gut, weil jeder Teilnehmer andere Gedanken dazu hat. Und es ist wichtig, seine eigenen Gedanken auf den Prüfstand zu stellen. Der ganze Rahmen passt und alles ist sehr interessant.

 

Wie sieht der Rahmen aus?

 

Stirnberg: Da gibt es zuerst eine Übung zum Ankommen in der Gegenwart. Es braucht eine innere Haltung, die das bewusste Wahrnehmen und das Achtgeben auf das Hier und Jetzt ermöglicht. Dann wird ein Wort aus der Schrift laut gelesen. Zuzuhören ist hier gefragt und auf jedes Wort im Umgang mit dem anderen zu achten. Manch einer gibt ein Beispiel konkret aus dem Alltag, das hilft, ein anderer erklärt die großen Zusammenhänge, die man alleine manchmal nicht sieht.

 

Ist es eine Art zu missionieren?

 

Stirnberg: Nein, auf keinen Fall. Jeder darf seine Meinung sagen, ohne dass sie belächelt oder kommentiert wird. Der Kreis hat mir die Möglichkeit eröffnet, die Kommunikation mit Gott zu verbessern. Gott will nicht außerhalb der Welt verehrt, sondern gelebt werden, durch mich. Da ist immer von Einheit die Rede und liebevollen Gedanken, die vereinen. Der Mensch selbst ist das Leben Gottes. Erfahrungen wie Freiheit, Liebe, Freude, die uns geschenkt werden, müssen gelebt werden, damit sie uns dauerhaft verwandeln. Wichtig ist, dass ich mich selbst nicht so wichtig nehme, sondern Gott in den Tag mitnehme und den Alltag mit Ihm zusammen gestalte. Ich durchlebe meinen Alltag wie immer: Angenehmes, Schweres, Trauriges und Freudiges, alles hat seinen Platz. Aber ich lebe es mit Intensität und nicht mehr in der oberflächlichen Weise wie früher. Ich bin dankbar für das Geschenk der Tiefe und Weite.

 

Und wie sieht Ihr Alltag mit Ihm konkret aus?

 

Stirnberg: Dass ich zum Beispiel das Frühstück nicht zwischen Tür und Angel einnehme, sondern mir liebevoll den Tisch decke und Zeit zum Frühstücken nehme. Meine Devise ist sowieso: Immer das tun, was gerade getan werden muss, also den Augenblick leben.

 

Und was machen Sie außer Frühstücken noch?

 

Stirnberg: Wenn ich koche, dann für mehrere Tage. Ich gehe einkaufen, höre Musik und lese viel an meinem Lesegerät. Der Putzdienst kommt alle vierzehn Tage, und dann muss ja auch noch Wäsche gewaschen werden. Ich versuche, dies alles achtsam und gelassen zu bewältigen.

 

Sie leben alleine. Was ist da mit Einsamkeit?

 

Stirnberg: Ja, ich lebe alleine, bin aber nicht einsam, weil ich weiß, dass es jemanden gibt, auf den ich mich verlassen kann. Mein Leben hat inzwischen eine andere Qualität bekommen. Wenn ich das Gefühl habe, mit jemandem sprechen zu wollen, nehme ich kurzerhand das Telefon und drücke die ein oder andere Kurzwahltaste. Es wartet immer ein lieber Mensch auf mich, der mit mir sprechen möchte.

 

Was ist mit Loslassen und Platz machen, damit etwas Neues entstehen kann?

 

Stirnberg: Nach vierzig Jahren wohnen in Broichweiden habe ich meine große Wohnung zurückgelassen und bin mit über achtzig Jahren in eine kleinere Wohnung nach Büsbach gezogen. Allein zu wissen, meine Kinder wohnen in der Nähe und sind da, wenn ich sie brauche, tut gut. Lieb gewonnene Teile konnte ich mitnehmen, aber ich habe mich auch von vielen alten Sachen trennen müssen. Ich bin jetzt sozusagen angekommen, und manchmal fühle ich mich ein bisschen wie ein „neuer Mensch“.

 

Wann ist denn das nächste Treffen Ihres besagten Kreises?

 

Stirnberg: Am kommenden Montag, 4. Juni, treffen wir uns wieder um 10 Uhr im ökumenischen Gemeindezentrum Frankental, worauf ich mich jetzt schon sehr freue. Ehrlich gesagt hätte ich nichts dagegen, wenn die Treffen alle vierzehn Tage stattfinden würden.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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