Problemviertel sollen gestärkt werden

Das soll ab 2019 durch das Bundesförderprogramm „Biwaq“ erreicht werden. Arbeitslosigkeit senken und lokale Wirtschaft fördern.

Foto: J. Lange/Sonja Essers
Foto: J. Lange/Sonja Essers

Eine schöne Wohnung, ein toller Job, einen vollen Kühlschrank und ein Viertel, in dem man sich einfach rundum wohl fühlt: Es gibt auch Stolberger, für die die Realität ein wenig anders aussieht – zumindest in Ober-, Unterstolberg und Münsterbusch. Arbeitslosigkeit und Armut sind gerade dort weit verbreitet. Das belegt auch ein Blick auf die sogenannte Mindestsicherungsquote. Diese stellt den Anteil der Empfänger von Leistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder auch Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz dar. Diese Mindestsicherungsquote liegt bei rund 13,7 Prozent in der gesamten Stadt. Doch in einigen Sozialräumen weicht sie ab – und zwar erheblich. In Unterstolberg liegt sie bei 29,7 Prozent, in Oberstolberg sind es 31,6 Prozent und in Münsterbusch 17,8 Prozent. Macht eine Mindestsicherungsquote in den drei Bezirken von durchschnittlich 26,4 Prozent – also fast doppelt so hoch wie in der gesamten Stadt. Doch nicht nur das ist ein Problem in den drei Stadtteilen. Auch die Attraktivität der Viertel lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Leerstände prägen das Bild in der Innenstadt, und auch Grünflächen sind nicht immer ansprechend hergerichtet. Doch das soll sich bald ändern.

 

Im Rahmen der Sozialberichterstattung wurde bereits deutlich, dass in diesen Sozialräumen die Langzeitarbeitslosigkeit eine große Rolle spielt. Die Verwaltung zog daraus Konsequenzen und bewarb sich für das Bundesförderprogramm „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – Biwaq“. Das Ziel des Projekts sei es, benachteiligte Quartiere durch die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen und die Einbindung der lokalen Wirtschaft zu stärken. Unter dem Titel „Viertel-LAB Sto52“ soll das Projekt im kommenden Jahr starten – vorausgesetzt der Antrag wird genehmigt. Über 100 Bewerbungen gingen ein. Stolberg gehört zu den 31 Kommunen in ganz Deutschland, die ein positives Votum erhielten und nun zum eigentlichen Antragsverfahren zugelassen sind. Das bedeute, dass die größte Hürde nun genommen sei, sind sich Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier und Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger sicher.

 

Da die Aussicht auf eine Förderung sehr hoch sei, plant die Verwaltung das Projekt ab dem 1. Januar 2019 umzusetzen. Die Laufzeit beträgt vier Jahre. Da das Projekt allerdings an das Förderprogramm „Soziale Stadt“ gebunden ist, hängt die Umsetzung auch von der Aufnahme in dieses Programm ab. Dieses wurde ebenfalls ab Anfang 2019 beantragt. Diesbezüglich stehe die Stolberger Verwaltung in enger Absprache mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bezirksregierung Köln. Ministerin Ina Scharrenbach hat sich im April sogar persönlich ein Bild vor Ort gemacht.

 

Doch zurück zum Projekt „Biwaq“. Bei einem positiven Bescheid wird eine Förderung in Höhe von 1,98 Millionen Euro durch das Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat (40 Prozent) sowie aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds (50 Prozent) über einen Förderzeitraum von vier Jahren erfolgen. Der Eigenanteil für die Kommune beträgt zehn Prozent der Fördersumme – sprich rund 200 000 Euro. Diesen teilen sich die Stadt Stolberg und die „low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH“.

 

Um weitere Kosten des Projekts zu decken, soll der Eigenanteil für die Stadt Stolberg auf bis zu 110 000 Euro aufgestockt werden. Bei einem positiven Bescheid würde dies im Haushalt für 2019 berücksichtigt. Mit der „low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH“ soll kooperiert werden, da diese bereits über Erfahrungen im Förderprogramm „Biwaq“ verfügt und in diesem Förderkontext schon Maßnahmen in Kooperation mit der Stadt Aachen durchführt. Mit von der Partie ist auch das Wirtschaftsförderungsamt. Koordiniert wird das Projekt vom Stolberger Sozialamt. Mindestens 360 Menschen sollen daran beteiligt werden – darunter Ehrenamtler, Menschen, die im Viertel leben, und auch Langzeitarbeitslose. Man rechnet damit, dass bis zum Ende des Projekts im Jahr 2022 rund 93 Teilnehmer in Arbeit vermittelt werden können. „Es ist ein Projekt, das hervorragend zu unserer Stadt passt“, so Grüttemeier.

 

Eingeteilt ist das Projekt übrigens in fünf verschiedene Module. Im ersten Modul sollen Langzeitarbeitslose und Nichterwerbstätige an Treffpunkten, in Einrichtungen und in ihren eigenen vier Wänden angesprochen werden. Auch Netzwerke und Vereine, Bildungs- und Kultureinrichtungen sollen miteinbezogen werden. In Modul zwei werden Unternehmen aufgesucht. Die Gesellschaft für Stadtmarketing, der Verein türkischer Geschäftsleute (SIDE) und die Vereinigung der Bewohner und Geschäftsleute der Mühle (VBGM) sollen ebenfalls durch regelmäßige Treffen und gezielte Unterstützungsangebote einbezogen werden. So sollen beispielsweise neue Kooperationen angeregt werden.

 

280 Teilnehmer – davon 60 Prozent mit Migrationshintergrund und 40 Prozent Frauen – sollen durch Jobcoaching und Schulungen in den Modulen drei und vier theoretische und praktische Qualifizierungen im handwerklichen (120 Teilnehmer) und digitalen Bereich (80 Teilnehmer) erhalten. Durch angeleitete Tätigkeiten und sozialpädagogische Betreuung sollen sie ihre fachlichen, digitalen und sozialen Kompetenzen erweitern und so den Anforderungen des Arbeitsmarktes nähergebracht werden. 33 Prozent der Teilnehmer sollen so in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Angesprochen sind zudem nichterwerbstätige Hilfeempfänger mit geringen oder fehlenden digitalen Kompetenzen, um sich diese zur beruflichen und sozialen Teilhabe anzueignen (80 Teilnehmer). Im vierten Modul sollen diese in Mikroprojekten praktisch angewendet werden. In Modul fünf werden Bürger-Aktionen und Ideen-Workshops von und für Viertelbewohner und Vereine angeregt und unterstützt. Das Ziel: Die Teilnehmer sollen so aus dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit, individueller Schuldzuschreibung, psychischer und körperlicher Belastung und sozialer Isolation herauskommen, indem sie als wertgeschätzte Personen in ihrem Viertel anerkannt werden, ihre Talente erkennen und ihre Kompetenzen in ihrem Viertel einsetzen.

 

Neben der Langzeitarbeitslosigkeit soll auch das Thema Leerstand in der Innenstadt eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt 15 Kleinunternehmen sollen für das Projekt gewonnen werden. Zwölf Ladenlokale sollen neu belebt werden. Über die Entwicklung neuer Unternehmenskonzepte und Beratung sollen acht Kleinunternehmen angesiedelt werden, zudem sollen fünf gefährdete Kleinunternehmen stabilisiert werden. 20 werden außerdem an speziellen digitalen Schulungen teilnehmen.

 

Eine Idee: die Errichtung von Pop-Up-Stores in der Stolberger Innenstadt. So sollen leerstehende Lokale im Rahmen des Projekts hergerichtet und regionale Produzenten gewonnen werden, um ihre Ware dort anzubieten. Da seien Unternehmer und Eigentümer gefragt, sagt Nathalie Malekzadeh, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung.

 

Eine wichtige Rolle soll das sogenannte Viertel-LAB spielen. Es ist eine Art Planungszentrum und Anlaufstelle für Bürgerbeteiligungen und Aktionen und soll – auch über den Förderzeitraum hinaus – weitergeführt werden. Dazu sollen während der Projektlaufzeit Organisations- und Finanzierungskonzepte entwickelt werden. Sozialplaner Leo Jansen spricht von einem Laboratorium, in dem die Ideen entwickelt und dann in den Ortsteilen umgesetzt werden sollen. Dies soll in der Grüntalstraße Nr. 5 entstehen. Ein weiterer Standort ist in Münsterbusch vorgesehen.

 

Zudem soll darauf geachtet werden, dass auch Frauen angesprochen werden und die Möglichkeit erhalten, digitale Kompetenzen in einem für sie passenden zeitlichen Ablauf und in einem geschützten Rahmen zu erwerben.

 

Ein weiteres Thema, um das es gehen soll, ist die ökologische Nachhaltigkeit. Mit einer Dokumentations-, Marketing- und Kommunikationsaufgabe soll das Viertel-LAB die Stolberger Parks, den Stolberger Wald, die diversen Kleinbiotope anschaulich digital erfassen und mit entsprechenden Aktionen den urbanen Viertelbewohnern – beispielsweise mit neuen sozialen Medien – zugänglich machen.

 

Die Stolberger Verwaltung ist sich sicher, dass man mit dem Projekt einen wichtigen Schritt machen werde. Nicht zuletzt durch die Sozialberichterstattung sei deutlich geworden, dass sich in Ober-, Unterstolberg und Münsterbusch etwas tun müsse. „Wir haben strategisch und zielorientiert gearbeitet, um mit Taten in die einzelnen Ortsteile zu wirken“, so Robert Voigtsberger.

 

Geplante Maßnahmen und zeitliche Übersicht:

  • In 2019 soll das Projekt starten. Befragungen in Kooperation mit der Stolberger Tafel, dem Sozialkaufhaus und der IG Münsterbusch stehen genauso an wie eine „Viertel-LAB Sto52 – Beteiligungskonferenz“. Die Erstellung eines sozialräumlichen Unternehmenskatasters und der Einstieg in die Pop-Up-Strategie stehen ebenfalls an.
  • Im Jahr 2020 stehen unter anderem der Aufbau einer Viertel-LAB-Website und WhatsApp-Kommunikation sowie der Aktionstag „Economy meets Social Life“ des Wirtschaftsförderungsamtes und die Vorbereitung eines Sauberkeit-Ordnung-Sicherheit-Portals Mühle gemeinsam mit den Anwohnern im Vordergrund. Die Mitarbeit bei der Gebäudesanierung des Begegnungshauses Grüntalstraße Nr. 5, die Pflege des Quartiers „Am Langen Hein“ und das Viertelfest „Wir auf der Liester“ stehen ebenfalls an.
  • Weiter geht es im Jahr 2021 mit dem ökologischen Schulhof Prämienstraße in Münsterbusch und dem ökologischen Schulgarten Grüntalstraße sowie der Gestaltung einer Image-Kampagne für das Viertel.
  • Neben der Evaluation des Projekts steht im Jahr 2022 dann unter anderem die Mitarbeit bei der ökologischen Gestaltung des Parkhausdecks Kupfermeisterstraße in Nachbarschaft des Kaplan-Dunkel-Platzes auf dem Programm.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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