Erster Kuss in legendärer Kneipe

In seinem Vortrag ruft der Lokalhistoriker Toni Dörflinger beliebte Gaststätten in Erinnerung, in denen sich vor Jahrzehnten das Leben abspielte. „Ältere Semester“ kommen ins Schwärmen.

Foto: C. Altena
Foto: C. Altena

Legendär waren die Gaststätten und begeistert die Gäste, die jetzt im Saal des Kulturzentrums zusammentrafen. Nur im übertragenen Sinn, denn Toni Dörflinger hatte sie zum Thema gemacht. „Legendäre Gaststätten“ Stolbergs, die gerade für die Generation 50+ hohen Erinnerungs- und Nostalgiewert besitzen.

 

Ein emotionales Thema, das Zeitgeschichte auf der persönlichen Ebene schönster Erinnerungen erzählt. Dörflinger wählte neun Gastbetriebe, die er mit Fotos und Postkarten, Plänen und Dokumenten aus dem Stadtarchiv, Gemälden, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten, kurz allem, was Aussagekraft besitzt, wieder in lebhafte Erinnerung rief. Tuscheln, hörbares Erstaunen, Kichern und Nicken waren im ganzen Plenum in den Sitzreihen wahrnehmbar, wenn der auf Zeitgeschichte spezialisierte Lokalhistoriker wissenschaftliche Inhalte mit erlebten Anekdoten und „banalen“ Details kombinierte.

 

Ein fast voller Saal hatte Freude. 145 Besucher waren vollends begeistert, Orte vergangener Tage wieder zu sehen. Legendär war die „Sommerfrische“ im Gartenrestaurant „Bonnie“, wo die Stolberger bis 1970 einkehrten, wie Dörflinger ausführte. Biergarten, Restaurant und Tanzvergnügen im ehemaligen Gewächshaus einer Gärtnerei genossen Generationen von Stolbergern. Längst findet sich am Standort das Hammerberg-Hotel.

 

Von Oberstolberg ging Dörflinger virtuell bis zur Mühle und klapperte längst vergangene Vergnügungsstätten ab, wo man sich traf, aß, gesellig war, sich zum Tanz verabredete oder der erste Kuss ausgetauscht wurde. Legendär war die Stimmung im „Burgcafé“ am Oberstolberger Markt, kurz BuCa genannt, wo in den 1960ern die schicken Nyltesthemden im Schwarzlicht glitzerten und die Jugendlichen zu den Lords oder Bee Gees tanzten.

 

Wo einst eine Westernbar zum Ausschank einlud, steht seit einigen Jahren das Burgcenter. Legendär und bis heute alles andere als abgerissen, geschlossen oder vergessen nach Dörflingers Liste der „Postwagen“. Wesentlich für die Traditionsgaststätte natürlich der „Jummisaal“, der, wie Dörflinger ausführte, vermutlich seinen Namen daher hat, dass er sich jeder beliebigen Anzahl von Gästen wie ein Raum mit Gummiwänden anzupassen scheint. Und dabei vielleicht einer der gemütlichsten Gasträume der Kupferstadt sei.

 

Legendär die Veranstaltungen im wenige Meter weiter einst im Steinweg gelegenen Hotel „Scheufen“. Seit dem 19. Jahrhundert die Stolberger Adresse für Versammlungen und Festivitäten aller Art. Bis 1957 wurden in drei Sälen Konzerte und Theatervorstellungen aufgeführt, Bälle und Feiern veranstaltet. Vereine und Gesellschaften trafen sich, und nicht zuletzt war es der Ort der Prinzenproklamation. Scheufen war quasi die Kupferstädter Stadthalle, bevor diese erbaut wurde.

 

Legendär das Eis von „Kannens Hein“, das jeden Stolberger über 50 Jahren zum Schwärmen bringt. Das Eisbüdchen am alten Rathaus wurde 1935 direkt an dessen Nordfassade angelehnt, um Passanten wie Besucher des Stadtgartens mit Eis zu versorgen. Bis 1974 strich Heinrich Kannen es den großen und kleinen Kunden mit Spatel großzügig ins Hörnchen, wie die Menschen im Saal bestätigten.

 

Legendär auch die Festivitäten im Rolandshaus an der Steinfeldstraße. Das Alte, wie der Referent wie zahlreiche Besucher des Vortrags betonten. Im alten neugotischen Bau von 1883, der von Roland Ritzefeld initiiert und nach ihm benannt wurde, fanden bis zum Abbruch 1968 unzählige Veranstaltungen statt. Im Festsaal wie im Gesellensaal, und im letzten Jahr des Bestehens, als der gesamte Bau schon als baufällig für Nutzungen gesperrt war, wurde aus dem Keller ein Jugendclub.

 

Als urige Gastwirtschaft legendär und leider leerstehend das „Blau“, das von außen schon seinen besonderen Charakter verrät. Ein Haus des 17. Jahrhunderts, das einst Schmiede war, von Albert von Reth, dessen Initialen verewigt im alten Schlussstein von 1719 sind.

 

Bemerkenswert bis heute ist die kunstvolle Innenausstattung von 1935. Traditionsbewusst brachte die Künstlerfamilie Peters dort Gestaltungen mit Rückgriffen auf die Kupfermeistergeschichte wie die Geschichte des Hauses als Schmiede ein.

 

Legendär war auch der „Kupferhof“ in der Salmstraße. Nichts hatte der Gastbetrieb mit einem Kupferhof zu tun, und an seiner Fassade prangte in großen Lettern, wofür man dorthin ging: „TANZ“. 1888 war das Gebäude als Hotel „Römer“ errichtet worden, wie Dörflinger erklärte. Inhaber und Name zogen 1924 in die Straße Roderburgmühle zu einem neuen Hotelbau. Und der „Kupferhof“ wurde das Lokal der Mühle, wo die KG Mölle zahlreiche Heimspiele hatte.

 

An neunter Stelle der subjektiven, aber überzeugenden Auswahl stellte Toni Dörflinger das Hotel „Vier Jahreszeiten“ an der Mühlener Brücke vor. Es war ein Jugendstilhaus von 1908, das besonders am Wochenende Schauplatz von Unterhaltung und Stimmung war. Legendär zu nennen sind die beiden Komiker, die hier ihren „Stammsitz“ hatten. Samense Chris und Fucke Felix, alias Christian Samens und Felix Fuck, waren feste Größen im Kupferstädter Karneval und Originale als Varieté-Kabarettisten, die „Spökes“, aber „ alles andere als billigen Klamauk“. machten, wie Dörflinger erklärte

 

Langer Applaus von sichtlich gerührten Gästen schloss den Vortrag ab, mit dem Toni Dörflinger die Vortragsreihe der Volkshochschule und des Stadtarchivs zum 900-jährigen Jubiläum der Stadt Stolberg fortsetzte.

 

Sicher, viele weitere Lokalitäten kamen in Erinnerung und wurden vorgeschlagen, auch vorzustellen. Denn die legendäre Reihe ist bestimmt mit neun Häusern nicht abgeschlossen. Ist doch jeder Erinnerungsort äußerst subjektiv und für jeden Stolberger ein anderer Ort legendär, je nachdem, wo oder wann er oder sie aufgewachsen ist, und schöne Erlebnisse bei den unterschiedlichsten Freizeitvergnügen hatte.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

Rathaus

52220 Stolberg

www.tim-gruettemeier.de
tim.gruettemeier@stolberg.de
Telefon: 02402 / 13-200
Fax: 02402 / 13-222

Verlinkungen:

Internetseite der Stadt
Internetseite der Stadt
Internetseite der CDU
Internetseite der CDU

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.