Investoren finden Gefallen an Stolberg

Bau von 20 Eigentumswohnungen am Kaiserplatz angelaufen. Wohnprojekt Neustraße wird ab Juli bezogen. Starke Nachfrage.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

„Jeder Euro Zuschuss soll einen Euro an privaten Investitionen auslösen“, sagt Tim Grüttemeier. „In Stolberg müssten wir weit darüber liegen“. Eine genaue Statistik hat der Bürgermeister an diesem Mittag zwar nicht dabei, aber einige Beispiele zur Hand bei der symbolischen Grundsteinlegung im als Parkhaus genutzten Parterre des barrierefreien Wohnprojektes am Kaiserplatz. Das hat schon für viel Gesprächsstoff in der Stadt gesorgt. „Wir waren zu früh“, sagt Kurt Pidun heute. Im September 2014 hatte der Architekt aus Herzogenrath das Vorhaben auf dem rund 1700 Quadratmeter großen Grundstück neben der Drummen-Villa erstmals publiziert. Die Resonanz war riesig, so der Investor weiter. Aber die Bauleitplanung war noch in der Mache, und das Projekt verzögerte sich. Als Pidun im März 2016 die Baugenehmigung in den Händen hielt, war das einigen Interessenten schon wieder zu spät.

 

Pidun nutzte mit seinen Söhnen Kevin und Pascal die Zeit, um das Raumprogramm entsprechend der neuzuschaffenden Nachfrage zu justieren. Und spätestens mit dem Abriss der Garagen und dem Beginn der Pfahlgründung – 48 Betonpfähle zehn Meter tief bis auf den Fels – war das Interesse wieder rege. „In Stolberg muss man sehen, dass wirklich auch etwas geschieht“, erklärt Grüttemeier schmunzelnd diesen Marketingeffekt in der Kupferstadt.

 

Heute sind im ersten Bauabschnitt von zehn Eigentumswohnungen zwischen 63 und 125 Quadratmetern noch zwei Wohnungen zu haben. Im Frühjahr 2019 sollen sie bezugsfertig sein, sagen die drei Architekten. Dann werde der zweite Bauabschnitt mit weiteren zehn Wohnungen längst in Arbeit sein; vier Reservierungen liegen vor. Ende 2019 soll die Ecke an der Grünentalstraße ein vollendetes Bild abgeben und auch die Fassade der Drummen-Villa saniert sein. Im Inneren sind alle drei Wohnungen mit 106 und 135 Quadratmetern vermietet. „Trotz ihrer Größe ging das zügig“, erzählt Kevin Pidun. „Interesse an Stolberg“ registrieren die Investoren durchaus. Ein potenzieller Wohnungskäufer kommt aus Trier und arbeitet bei der EU in Brüssel. „Er suchte eine Wohnung hier im Dreiländereck“, erzählt Kevin Pidun, „und hat sich in Stolberg umgeschaut. Die Stadt hat ihm gefallen“. Dazu hätten vor allem auch die Aufwertung der Innenstadt beigetragen. Im nächsten Monat stehen die ersten Notartermine für den zweiten Bauabschnitt an. Bei der Fertigstellung Ende 2019 werden an diesem Standort fünf Millionen Euro investiert worden sein.

 

Ein Volumen von sechs Millionen Euro investieren die drei Architekten auf dem Hoyer-Gelände in Münsterbusch in drei diagonal versetzte, barrierefreie Gebäude mit jeweils elf Eigentumswohnungen. Der erste Bauabschnitt ist komplett vermarktet; für den zweiten liegen sechs Reservierungen vor. Der zweite und dritte Bauabschnitt sollen nun zügig angepackt werden, wenn der Abriss der alten Kartonagefabrik vollendet und das Kellergeschoss beseitigt ist.

 

Ursprünglich sollte das 1913 als Großbäckerei errichtete Gebäude saniert und in 30 Mietwohnungen umgebaut werden. Aber zwei Dinge sprachen für ein Umdenken: „Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ist wesentlich größer“, so Kevin Pidun. Und aus dem Umfeld habe man gehört, dass „eine Beseitigung dieses Schandflecks bevorzugt“ werde. Nur noch wenige Trümmer erinnern heute an die Geschichte des Bauwerks. Und während die Piduns als Architekten derzeit auch an der Breiniger Bendenstraße für ein Mehrfamilienprojekt engagiert sind, lassen sie ihren Blick weiter durch die Innenstadt schweifen, um erneut selbst zu investieren. „Gerne“, sagt Tim Grüttemeier, „wir können gleich einen Rundgang vereinbaren.“ Neue Bewohner für das Stadtzentrum gewinnen zu können, sei auch ein Gewinn zur Stärkung von Kaufkraft und Nachfrage.

 

Das geschieht auch anderenorts im Stadtgebiet. Beispielsweise in Breinig, wo im Edi-Braun-Neubaugebiet der Mehrfamilienkomplex der Sparkasse mit dem Erdgeschoss erste Konturen gewinnt. 23 Wohneinheiten werden dort geschaffen.

 

An der Neustraße sieht auf einem 2900 Quadratmeter großen Innengelände ein anderer Neubau seiner Fertigstellung entgegen. Ende Juni sollen die ersten Bewohner einziehen können.

 

„20 von 23 Eigentumswohnungen sind verkauft“, sagt für die Woba als Investor Arthur Kaldenbach. Auch er registriert ein großes Interesse am hiesigen Standort. Für dieses Projekt waren es vor allem zwei Gruppen von Interessenten. Einerseits Familien, die Geld anlegen und erst einmal die Wohnung vermieten möchten, bevor sie selbst einmal einziehen könnten. Und zum anderen ein Klientel, dass sich vom bisherigen Eigenheim trennen und gleich selbst die Wohnung nutzen will. 6,5 Millionen Euro werden an der Neustraße investiert. Und auch der Blick von Kaldenbach schweift weiter durch das Stadtgebiet, um mit neuen Siedlungsprojekten auch neue Einwohner nach Stolberg ziehen zu können.

 

Für das wohl größte Zukunftsprojekt, das die Stadt über ihre 50-prozentige Tochter Stolberger Bauland GmbH realisiert, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Noch in diesem Jahr soll die Erschließung des ersten Bauabschnitts der Stadtrandsiedlung anlaufen. 60 Grundstücke für Ein- und Doppelfamilienhäuser, zwölf Mehrfamilienhäuser mit jeweils maximal sechs Wohneinheiten zum Trockenen Weiher hin und ein Kindergarten sind angedacht.

 

Am Ende könnten im nächsten Jahrzehnt auf den insgesamt 180 031 Quadratmetern Bruttobauland zwischen Trockenem Weiher und Höhenstraße auf dem Donnerberg 203 Einzel- bzw. Doppelhaushälften und 26 Mehrfamilienhäuser realisiert sein.

 

Überblick beim Tag der Städtebauförderung

  • Seit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Stadtumbau West“ nimmt Stolberg am 5. Mai – im Rahmen des Frühlingsfest-Wochenendes – zum inzwischen vierten Mal am bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“ teil. „Diesmal präsentieren wir ein breit gefächertes Informationsangebot zu den abgeschlossenen und laufenden Maßnahmen“, kündigt der Technische Beigeordnete Tobias Röhm an.
  • Dabei wird es auch einen Ausblick auf Projekte der nächsten Förderkulisse aus dem Programm „Soziale Stadt“ geben; über die Aufnahme Stolbergs wird am 3. Mai entschieden. „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Unter- und Oberstolberg“ ist ein Handlungskonzept mit städtebaulichen und sozialen Ansätzen.
  • So ist beispielsweise eine Aufwertung des Kulturzentrums Frankental, wo der Kaplan-Josef-Dunkel-Platz zu einem Ort für Kultur, Bildung und Begegnung werden soll, ebenso angedacht wie die Schaffung einer neuen Begegnungsstätte in der Grünentalstraße 5.

 

Mehr als sieben Millionen Euro im Monatsschnitt

  • Investiert wird in Stolberg in einem Maße wie seit den Aufbaujahren der Nachkriegszeit nicht mehr. Auf über 75 Millionen Euro beliefen sich die Investitionen, die im vergangenen Jahr durch das städtische Bauordnungsamt beschieden worden sind, berichtet der Technische Beigeordnete Tobias Röhm. Im Vorjahr hatten sich die genehmigten Bauanträge auf einen Betrag von mehr als 45,1 Millionen Euro summiert.
  • Und auch im ersten Quartal des laufenden Jahres scheint dieser Trend ungebrochen zu sein. Auf 21 230 219 Euro summiert sich das Volumen der von Januar bis März erteilten Genehmigungen. Das entspricht einem monatlichen Durchschnitt von 7,08 Millionen Euro. Im Vorjahr lag dieser Durchschnittswert bei 6,25 Millionen Euro.
  • Im ersten Quartal dieses Jahres waren 86 Baugesuche und vier Voranfragen eingegangen. Genehmigt wurden in diesem Zeitraum 85 Gesuche und sechs Voranfragen. In den drei Monaten nahmen die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes 95 Bauvorhaben ab.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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