„Offene Betriebsratsarbeit macht sexy“

Hohe Wahlbeteiligung beim Urnengang. IG Metall erobert bis dato alle Sitze. Martin Peters: „Bestätigung unserer guten Arbeit.“

Fotos: J. Lange
Fotos: J. Lange

Auf der ganzen Linie bestätigt sieht sich die IG Metall durch die Betriebsratswahlen in den Stolberger und Eschweiler Unternehmen. Nach Auswertung von 11 Urnengängen mit 2243 abgegeben Stimmen in insgesamt 28 Betrieben können die Metaller nicht nur ausnahmslos alle Sitze – aktuell 81 – gewinnen, sondern die bestehenden Teams und ihre Führungskräfte werden weitestgehend bestätigt. „Das ist angesichts der Persönlichkeitswahl besonders bemerkenswert“, sagt Martin Peters, der die ersten Ergebnisse als repräsentativ für die noch andauernde Wahlperiode wertet. „Unsere Betriebsräte haben eine sehr gute Arbeit gemacht; das wurde durch die Wahl bestätigt“, analysiert der 1. Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Stolberg/Eschweiler, die mit einem Organisationsgrad von 75,48 Prozent bundesweit eine führende Stellung innehat.

 

Bemerkenswert sind die Ergebnisse auch unter einem weiteren Aspekt: Mit einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 81,65 Prozent haben mehr Arbeitnehmer ihre Interessenvertretung gewählt, als dies bei anderen politischen Wahlen üblich ist. Eine weitere Bestätigung für eine gute Arbeit, sagt Peters und weist ganz aktuell auf den Tarifabschluss hin. „Unsere Mitglieder sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, fasst der 35-Jährige die Resonanz aus den Belegschaften am Standort zusammen. „Die Vereinbarung bietet für viele Kollegen aus den kontinuierlichen Schichtbetrieben eine Möglichkeit, mehr Zeit mit ihren Familien zu verbringen“, so Peters.

 

Thomas Schlick stimmt ihm zu. Der wiedergewählte Betriebsratsvorsitzende verweist auf eine Spitzenbeteiligung bei der Stolberger KMD Group: 94,8 Prozent der Belegschaft ging an die Urnen. Nach der Krise an der Kupfermeisterstraße wurde der 51-Jährige 2014 zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Viele Veränderungen hat der gelernte Verfahrensmechaniker begleitet – allen voran die Fusion der KME mit der chinesischen Dragon Group. „Sie hat sich nicht negativ auf die Belegschaft ausgewirkt“, sagt Schlick. Eher positiv. Das Stolberger Werk ist eigenständiger geworden, mit der Geschäftsführung könne konstruktiv verhandelt werden. „Die Rückkehr zum Flächentarifvertrag ist ein großer Erfolg“, sagt Schlick, der in seine zweite Amtsperiode geht.

 

Die Nachfolge des heutigen IGM-Sekretärs Ralf Radmacher bei der Prym-Gruppe hat Jürgen Federau als Vorsitzender des Konzern- und Consumer-Betriebsrates am Standort angetreten. Die Wahlbeteiligung von 78,1 Prozent entschuldigt Federau fast schon – mit Verweis auf den umfangreichen Außendienst. „Aber am Standort lag die Beteiligung bei über 90 Prozent“, sagt Federau, der in den vergangenen Monaten einiges zu erledigen hatte. 2015 wurde um den Haustarifvertrag gerungen. Die Sicherung der Arbeitsplätze auch in Alsdorf gelang vor zwei Jahren mit dem bis 2023 laufenden Zukunftssicherungsvertrag, „für den wir aber auch einen hohen Preis zahlen“, betont der wiedergewählte Betriebsratsvorsitzende. Aber Verbesserungen aus dem Manteltarifvertrag werden nun automatisch übernommen – wenn auch mit elfmonatiger Verzögerung.

 

Was die beiden Mitglieder des IGM-Ortsvorstandes darüber hinaus verbindet, betont Martin Peters, ist der kommunikative Umgang des Betriebsrates. „Beteiligungsorientierte Arbeit“ wird das heute genannt. Gemeint ist damit, dass Diskussionen und Entscheidungen nicht nur in Klausur getroffen werden, sondern offen und kontrovers mit den Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz diskutiert werden. Halt ein Stück Basisdemokratie, wenn man so will.

 

Der 1. Bevollmächtigte formuliert das anders: „Beteiligungsorientierte Arbeit macht sexy!“ Und wer sexy sei, der wecke Interesse. Natürlich für die Betriebsratsarbeit. „Man will dabei sein“; bilanziert der Bevollmächtigte. Beide Mitarbeitervertretungen profitierten von einem kontinuierlichen Nachwuchs – „quer durch die Altersstrukturen“, sagt Martin Peters. Und das ermögliche es, dass neue Betriebsratsmitglieder in die Arbeit eingeführt werden und vom Wissen altgedienter Kollegen profitieren können. „Wir sind kein geschlossener Verein“, so Peters. Bestes Beispiel sei in Stolberg Aurubis mit 35 Bewerbungen für die neun Betriebsratssitze. Dass die Beteiligung bei Frauen geringer sei, liege im geringen Anteil weiblicher Beschäftigter vor Ort begründet. Ausnahme ist Prym mit 51 Prozent weiblicher Belegschaft und vier Frauen im Betriebsrat. Insgesamt gibt es derzeit elf Betriebsrätinnen.

 

Aber selbst an den traditionsreichen Industriestandorten Stolberg und Eschweiler muss die IG Metall immer noch um die Einhaltung der verfassungsmäßigen Rechte kämpfen.

 

„Ab fünf Beschäftigten ist ein Betriebsrat zu wählen“, zitiert Peters das Betriebsverfassungsgesetz. Und doch gibt es Firmen, in denen dieses Recht und die Mitbestimmung nur durch Druck durchzusetzen war. „In diesen wenigen Betrieben bestimmt der Kampf um die Durchsetzung der Rechte der Arbeitnehmer noch immer allzu sehr den Alltag der Betriebsräte“, verweist der Bevollmächtigte auf Firmen, die fast noch diktatorisch geführt würden. Das sei auch aus Sicht der Unternehmer kontraproduktiv, befindet Thomas Schlick. Denn mit einer kooperativen Zusammenarbeit mit Betriebsräten würde das Unternehmen erst recht in schwierigen Zeiten besser fahren.

 

Bisher neu gewählte Betriebsratsvorsitzende

  • Bis dato zu Vorsitzenden der Betriebsräte gewählt sind Thomas Schlick (KMD Group), Jürgen Federau (Prym-Gruppe, Consumer) Norbert Offermanns (Inovan), Werner Cryns (Fashion), Jürgen Müllegans (Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer), Karl-Heinz Lach (Leoni Kerpen), Horst Martin (Schwermetall), Karl-Heinz Hamacher (Aurubis), Ingo Zimmermann (ESW), Michael Gaugel (Albert Hoffmann), Ralf Ermes anstelle des ausgeschiedenen Erich Meyer (CAE) und Achim Müller anstelle von Achim von Hofen, der altersbedingt nicht mehr kandidierte (Hoven Hydraulik).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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