Nur Fischwirte haben keine Chancen

Özlem Saltan ist Arbeitsvermittlerin. Sie weiß, welche Berufe in Stolberg gesucht werden und welche nicht. Einblicke in ihren Alltag.

Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen sind in Stolberg derzeit besonders gefragt. Allein im März gab es in diesem Bereich 120 freie Stellen in der Kupferstadt. Der Einzelhandel hingegen baut in einigen Bereichen stark ab. „Einen Fischwirt würde ich in Stolberg wohl nicht vermitteln können“, sagt Özlem Saltan. Sie muss es wissen, schließlich ist sie Vermittlerin bei der Agentur für Arbeit in Stolberg und kennt den Arbeitsmarkt bestens.

 

Was derzeit – neben Erzieherinnen und Pflegekräften – in Stolberg besonders gebraucht wird? Helfer im Handwerk. „Sie sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt aber nicht verfügbar“, sagt Saltan. Auch Fachverkäuferinnen in Bäckereien und Metzgereien werden gesucht, sind aber eher Mangelware.

 

Seit 2001 arbeitet Özlem Saltan in der Agentur für Arbeit. Angefangen hat sie als Quereinsteigerin. Eigentlich hatte Saltan eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Als sie selbst von Arbeitslosigkeit bedroht war, entschied sie sich für einen neuen Weg. Sie durchlief verschiedene Abteilungen in der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter (siehe Infobox) und ist seit 2012 in der Arbeitsvermittlung tätig. Im vergangenen Jahr konnten die Agentur für Arbeit und das Jobcenter allein in Stolberg insgesamt 1691 Menschen vermitteln. Die Agentur für Arbeit vermittelte davon 983 Menschen.

 

Und wie sieht der Berufsalltag einer Arbeitsvermittlerin aus? Sie berät Kunden, die sich in verschiedenen Lebenssituationen befinden. Dass nur Menschen, die bereits arbeitslos sind, die Agentur für Arbeit aufsuchen, stimmt nämlich nicht. „Zu unserem Kunden gehören auch Menschen, die von der Arbeitslosigkeit bedroht sind, nach der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen möchten oder Menschen, die einen neuen Weg einschlagen wollen oder einen Rat suchen“, sagt Saltan. Sie findet, dass ihr Job besonders abwechslungsreich ist. „Teilweise ist es auch sehr spannend und man erlebt viele Überraschungen“, sagt sie. Erst vor wenigen Wochen half Özlem Saltan einer Kundin dabei, sich neu zu orientieren. Sie wechselte vom kaufmännischen Bereich in die Pflege und ist damit überaus zufrieden.

 

Erfolgreiche Vermittlungen bestätigen Saltan in ihrer Arbeit. „Dann weiß ich, dass ich mit den Kunden auf dem richtigen Weg bin. Wenn ein Mensch wieder in Arbeit ist und langfristig in Arbeit bleibt, haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Saltan.

 

Das funktioniert allerdings nicht immer. In diesen Fällen sei es wichtig, dass man weitere Schnittstellen finde und der Kunde sich breiter aufstelle. Ein erster Einstieg in die berufliche Eingliederung könne beispielsweise ein Praktikum sein.

 

Özlem Saltan arbeitet in Teilzeit und betreut die Kunden am Vormittag. In der Regel hat sie zwischen fünf und sieben Gespräche am Tag. Normalerweise dauern diese 30 Minuten. Beim ersten Kennenlernen hat Saltan jedoch 60 Minuten Zeit. Und wie sieht es mit Menschen aus, die die deutsche Sprache nicht beherrschen? Um Flüchtlinge kümmern sich die Kollegen im so genannten Integration Point. Doch auch Saltan hat mit Menschen zu tun, die nicht fließend deutsch sprechen. Der Grund? „Es gibt auch Arbeitgeber, die Kunden einstellen, die nur eine Sprache sprechen. Sie unterhalten sich dann in ihrer Sprache und die deutsche Sprache müssen sie gar nicht beherrschen“, sagt Saltan. Die 41-Jährige hilft dann auch bei der Vermittlung in Integrations- oder Deutschkurse.

 

Auch Vorurteile gegenüber der Agentur für Arbeit und ihrem Job, erlebt Saltan hin und wieder. Vor allem bei Kunden, die noch nie oder schon viele Jahre nicht mehr die Agentur für Arbeit aufgesucht haben. „Grundsätzlich habe ich nicht das Gefühl, dass mein Beruf einen schlechten Ruf hat“, sagt Saltan und fügt hinzu: „Früher waren wir das Arbeitsamt. Das sind wir nicht mehr. Heute sind wir ein Dienstleistungsunternehmen, arbeiten miteinander und sind transparent.“

 

Unterschied zwischen Arbeitsagentur und Jobcenter

  • Die Agentur für Arbeit berät und vermittelt Ausbildungssuchende und Arbeitsuchende, bietet Berufsberatung an, fördert die berufliche Eingliederung und zahlt Entgeltersatzleistungen, wie zum Beispiel Arbeitslosengeld aus.
  • Kunden der Agentur für Arbeit sind Personen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben oder Personen, die weder Anspruch auf Arbeitslosengeld I, noch auf Leistungen zum Lebensunterhalt (Grundsicherung) haben. Grundsätzlich kann sich jede Person als Ratsuchender an die Agentur für Arbeit wenden.
  • Jobcenter gewähren Leistungen zum Lebensunterhalt (Grundsicherung) und unterstützen darüber hinaus auch die Bezieher von Arbeitslosengeld II bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.
  • Neben dem Arbeitslosengeld II können unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen für Mehrbedarfe (im Fall von zum Beispiel Schwangerschaft, Alleinerziehung) sowie Leistungen für die Erstausstattung der Wohnung, die Erstausstattung für Bekleidung einschließlich Schwangerschaft und Geburt und für mehrtägige Klassenfahrten gewährt werden.
  • Wer Leistungen der Grundsicherung bezieht, gehört in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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