Arbeitszeit spaltet Wache in zwei Lager

Angestellte Rettungsassistenten wollen wie Beamte ihren Dienst leisten dürfen. Tarifvertrag steht diesem Modell im Weg.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

Wenn zwei Hand in Hand arbeiten, aber doch nicht gemeinsam arbeiten dürfen, kann das schnell zu Problemen führen. Das Gefühl der Ungleichbehandlung, Sorgen über das Familienleben und Unzufriedenheit stellen sich ein. Das ist eine Herausforderung, der sich Andreas Dovern auf der Feuer- und Rettungswache stellen muss. Muss, denn dem Leiter des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz sind die Hände gebunden. Von Gesetzes wegen. Es sind zwei Arbeitszeitmodelle, die Stolbergs Feuerwehrchef erheblich beschäftigen: die Möglichkeiten des Beamtengesetzes und die Regelungen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Jeder siebte Mitarbeiter ist betroffen.

 

„Der TVöD mag richtig sein, aber er ist im Rettungsdienst nicht mitarbeiterfreundlich“, bringt Dovern das Problem auf den Punkt: „Er schränkt die Mitarbeiter gegen ihren Willen ein.“ 100 Prozent der Angestellten wollten den Dienstplan so nicht, „aber mir als Dienstherr sind die Hände gebunden“, sagt Dovern. Unter den hauptamtlichen Mitarbeitern der Stolberger Feuerwehr gibt es zwei Lager, weil zwei unterschiedliche Arbeitszeitmodelle sich nicht zusammenfügen. Die Beamten der Feuerwehr sind 24 Stunden im Dienst und haben dann 48 Stunden frei. Um im Dreischichtbetrieb eine durchschnittliche Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche gewährleisten zu können, erhält jeder Beamte nach einer Folge von sieben Diensten eine zusätzliche Freischicht, die so genannte Regelfreischicht.

 

Für die Angestellten im Rettungsdienst gilt laut TVöD eine 39,5-Stundenwoche; gleichzeitig schreibt der Tarifvertrag vor, dass die Rettungskräfte nicht mehr als zwölf Stunden im Dienst sein dürfen. Das führt beispielsweise zu folgendem Schichtplan: montags und dienstags Dienst von 8 bis 20 Uhr, mittwochs frei, donnerstags, freitags und samstags Dienst von 20 bis 8 Uhr.

 

Im Rettungsdienst sieht das in der Stolberger Praxis so aus: Der erste der beiden rund um die Uhr bereitstehenden Rettungstransportwagen wird durch TVöD-Mitarbeiter besetzt, der zweite durch Beamten. „Die sind aufgrund ihrer Ausbildung multifunktional einsetzbar“, sagt Dovern und erklärt, dass die Theorie allzuschnell von der Realität eingeholt wird: „Unsere Feuer- und Rettungseinsätze halten sich nun einmal an Dienstpläne.“ Im Ernstfall wird‘s oft nichts mit einem pünktlichen Feierabend – für Beamte wie für Angestellte gleichermaßen.

 

Zwei Lager auf einer Wache, die gemeinsam Rettungsdienst und Brandschutz in der Kupferstadt garantieren sollen, stellt nicht nur die Führungskräfte vor Herausforderungen. Vielmehr fühlten sich die Rettungsdienstmitarbeiter benachteiligt: „In Stolberg möchten meine Angestellten ebenso wie die Beamten im 24/48-Stunden-Modell arbeiten“, betont Dovern. Aber gleichzeitig betone die Gewerkschaft Verdi – auch ganz aktuell in der Tarifauseinandersetzung: „24 Stunden sind kein Arbeitstag …, auch nicht im Rettungsdienst.“ Dabei verweist Verdi sowohl auch gesetzliche Regelungen wie auch auf gesundheitliche Aspekte.

 

Differenzierter sieht das Frank Gilles, stellvertretender Personalrat und Komba-Gewerkschafter. „Als Personalrat stehen wir natürlich hinter den Wünschen unserer Belegschaft“, betont Gilles. Und die wünsche sich im Fall der angestellten Rettungsassistenten die 24/48-Stunden-Schicht. Aber anders als Verdi positioniere sich die Komba. Sie will sich in den Tarifverhandlungen grundsätzlich für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit einsetzen. „Damit die Angestellten und Beamten auf unserer Feuerwache die gleichen Dienstzeiten haben können“, sagt der Komba-Vertrauensmann und schränkt gleichzeitig ein: „Ob wir uns damit aber durchsetzen können, muss sich allerdings noch zeigen.“

 

Die Argumente der Gewerkschaften verschweigt Dovern nicht, er hält aber auch nicht mit den Beschwerden seiner Angestellten über die ungleichen Arbeitszeiten hinter dem Berg. Bei ihren Schichten würden sie kaum ihre Kinder zu Gesicht bekommen, das Familienleben leide und das Gefühl einer Zweiklassengesellschaft auf der Arbeitsstelle stelle sich ein.

 

Gleichzeitig bescheinigt der Amtsleiter seinen Mitarbeitern eine „sehr hohe Motivation“, eine „große Identifikation mit der Stolberger Feuerwehr“ und ein „ausgesprochen gutes Gemeinschaftsgefühl in der gesamten Truppe“. Stimmung, Gemeinschaftsgefühl, Kollegialität und Zufriedenheit seien bei der Stolberger Feuerwehr bestens – wenn da nur nicht das Arbeitszeitenproblem wäre. „Und das ist weder zeitgemäß noch zukunftsfähig“, betont Dovern nicht nur mit Blick auf die Rekrutierung von qualifizierten Nachwuchskräften. Dabei spielten unter anderem mitarbeiter- und familienfreundliche Arbeitszeiten ebenso eine Rolle wie die Entlohnung. „Man muss den Leuten eine Perspektive bieten können, sonst ist man im öffentlichen Dienst nicht konkurrenzfähig“, unterstreicht der Amtsleiter. Der Joker des unbefristeten Arbeitsplatzes im Gegensatz etwa zu privaten Rettungsdiensten steche nicht, wenn die Arbeitsbedingungen nicht den Wünschen und Erfordernissen der Mitarbeiter entsprechen würden.

 

Stolberg bietet der Feuerwehr zunehmend den Sprung aus der Angestellten-Rolle in den Beamtenstatus, wenn beim Bewerber die erforderliche persönliche und fachliche Eignung vorliege. Nicht nur in der Kupferstadt können nach ihrer berufsfachlichen Ausbildung Rettungsassistenten nur nach dem TVöD eingestellt werden – ein Problem, das nahezu alle Feuerwehren im Land teilen. Nach zwei- bis dreijähriger Berufserfahrung können sie sich als Feuerwehrleute bewerben auf gegebenenfalls vorhandene freie Ausbildungsstellen. „Diese Möglichkeiten versuchen wir auch auszuschöpfen, wenn die entsprechende Eignung der Bewerbung vorliegt“, sagt Dovern. Jetzt zum 1. April konnte drei Bewerbern die Ernennungsurkunde zum Brandmeisteranwärter überreicht werden. Für sie schließt sich nun eine 18-monatige feuerwehrtechnische Ausbildung an.

 

Dieser Schritt ins Beamtentum hat aber auch persönliche Konsequenzen. Mag ein Rettungsassistent laut TVöD bis dato auf 1900 Euro netto im Monat gekommen sein, würde die eigentliche Ausbildungsvergütung als Brandmeisteranwärter lediglich 900 Euro betragen.

 

Aber angesichts der generellen Nachwuchssorgen von Feuerwehren hat das Land reagiert und grundsätzlich für eine Ausbildung als Brandmeister eine 90-prozentige Sonderzulage verordnet. Damit kommt der Anwärter dann beispielsweise auf rund 1600 Euro im Monat. „Das ist einerseits ein guter Schub, andererseits bedeutet die Differenz Einschränkungen im Leben“, berichtet Dovern, dass Anwärter auch Darlehen aufgenommen haben, um die finanzielle Durststrecke zur beruflichen Qualifizierung überbrücken zu können.

 

Bei 58 Beamten sind auf der Stolberger Wache zehn angestellte Rettungsassistenten von der kritisierten Arbeitszeitregelung des TVöD (zwei weitere Angestellte arbeiten in der Verwaltung) betroffen. Noch stimmt es auf der Feuer- und Rettungswache: „Das Problem trübt das Verhältnis nicht, aber es nagt zunehmend an den Leuten“, beschreibt Andreas Dovern die Stimmung: „Und auch an mir.“

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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