„Das Leben des Menschen endet nicht im Grab“

Interview zum Wochenende mit Diakon Achim Jaskulski. Er muss den Menschen oft erklären, um was es beim Osterfest geht. Sieg über den Tod.

Foto: C. Hahn
Foto: C. Hahn

Für viele Stolberger ist Ostern mehr als nur das Fest der Schokoladenhasen und hart gekochten Eier. Ökumenischer Kreuzweg und andere Feiern ziehen auch in der Kupferstadt das Interesse vieler Menschen auf sich. Einer, der nicht nur bei dieser Gelegenheit dem Christentum vor Ort Gestalt und Gesicht gibt, ist Diakon Achim Jaskulski. Im Interview mit Christoph Hahn äußerte sich der gebürtige Zweifaller, der Ende August 2005 vom damaligen Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff geweiht wurde, über seine Sicht von Amt, Kirche und Ökumene.

 

Bald ist Ostern. Ist die Zeit vor dem Fest für Sie neben der vor Weihnachten die arbeitsreichste im Jahr?

 

Jaskulski: Nein, die arbeitsreichste Zeit ist es nicht. Da ich nur mit einem Teil meiner Arbeit in der Gemeinde tätig bin, prägt meine Aufgabe auf Bistumsebene stärker meinen Alltag.

 

Was beschäftigt Sie dabei besonders?

 

Jaskulski: Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. Daher suche ich auch an den Tagen vor Ostern den Kontakt zu den Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr aktiv am Gemeindeleben und den Gottesdiensten teilnehmen können. Dann sind natürlich auch einige inhaltliche Vorbereitungen für Gottesdienste, Gespräche und den ökumenischen Kreuzweg zu treffen. Wichtig ist auch die persönliche Einstimmung auf die Kar- und Ostertage.

 

Sie müssen damit leben, dass nicht alle Menschen um Sie herum glauben. Wie erklären Sie diesen Menschen, um was es an Ostern geht?

 

Jaskulski: Mit Ostern, der Auferstehung Jesu, ist unser Leben um eine Dimension reicher geworden. Unser menschliches Leben macht mehr aus als das, was wir sehen und anfassen können. Wenn mir Menschen von einem Angehörigen erzählen, dann beschreiben sie vor allem, was diese Person von ihrem Wesen und ihren Werten, die sie im Leben verwirklicht hat, ausmacht. Das Entscheidende in unserem Leben sind nicht Äußerlichkeiten, sondern das Wesen, wir können auch sagen die Seele. Mit dem Sieg Jesu über den Tod, haben wir eine Verheißung, eine Zusage, dass das Entscheidende unseres Lebens nicht im Grab endet. Mit dem Tod stoßen wir an eine Grenze des Lebens, aber der Glaube vermittelt uns die Gewissheit, dass hinter dieser „Grenze“ das Leben in veränderter Weise aber dennoch real weitergeht. So wie wir wissen, dass auch die Menschen, die ich gerade nicht um mich habe, die ich nicht sehe oder höre, dennoch real existieren und ich mit ihnen verbunden bin. Die Natur ist im Frühling ein Bild für dieses neue Leben: aus dem, was wie tot aussieht, sprießt Neues. Das Licht der Tage nimmt zu, die Dunkelheit, weicht zurück. Diese Symbolik finden wir auch in unseren Gottesdiensten.

 

An Ostern feiern Christen das Leben. Wie tragen Sie diesen Glauben, in der viele politische Entwicklungen als bedrohlich empfunden werden, nach außen?

 

Jaskulski: Manche politische Entwicklung, Kriege und Terror, bedrohen das Leben an vielen Orten existentiell. Da ist es schwer, Worte zu finden, oftmals bleibt nur Sprachlosigkeit. Auch wenn wir hier nicht direkt von Krieg und Terror betroffen sind, sind auch bei uns immer wieder fundamentalistische oder nationalistische Töne zu hören, mal laut mal leise. Dort gilt es zu widersprechen und Position für die Würde jedes einzelnen Menschen zu beziehen. Jeder Mensch ist von Gott mit der gleichen Würde ausgestattet, unabhängig von seiner Nationalität oder seiner Religion. Menschen, die heute auf unterschiedliche Weise leiden müssen, ganz persönliche „Kreuze“ tragen müssen, ruft uns der Ökumenische Kreuzweg ins Bewusstsein, der in unserer Stadt schon zu einer guten Tradition geworden ist. Der Kreuzweg Jesu hat mit unserem heutigen Alltag zu tun. Jesus ist „bei mir“, so lautet das diesjährige Thema der Bilder, Texte und Gebete des Ökumenischen Kreuzwegs am Karfreitag.

 

Menschen, die glauben und das in einer Kirche tun, sehen sich im Diskurs oft gehalten, sich zu erklären. Wie erklären Sie, was Sie am Christentum anzieht und hält?

 

Jaskulski: Christlicher Glaube hat immer mit den Menschen zu tun. Christlicher Glaube braucht Gemeinschaft, denn keiner glaubt für sich. Glaube, der im Leben eine Bedeutung hat, zeigt sich im Umgang miteinander. Natürlich gibt es auch unter Christen Menschen, die mir sympathischer sind als andere, das darf aber nicht dazu führen, jemanden ganz auszuschließen oder ihn bloßzustellen, ihm seine Würde zu nehmen. Christlicher Glaube ist immer persönlich, immer etwas, das den Einzelnen betrifft, aber er ist nie privat, nichts, das ich nur für mich habe. Deshalb braucht der Glaube Gemeinschaft und lebt aus der Gemeinschaft, deshalb braucht der Glaube die Kirche; eine Gemeinschaft, die den Einzelnen stützt, die füreinander einsteht, auch im Gebet. Die Gemeinschaft der Glaubenden trägt mich.

 

Welche Rolle für die Zukunft von Kirche spielt die Ökumene?

 

Jaskulski: Wenn wir hier bei uns von Ökumene sprechen, meinen wir in der Regel das Zusammenleben im Glauben der evangelischen und römisch-katholischen Christen. Darüber hinaus bleibt aber auch das Zusammenwachsen mit anderen christlichen Kirchen eine ständige Aufgabe. Besonders durch die Christen östlicher Kirchen, die als Geflüchtete bei uns leben, ist das neu bewusst geworden. Für die christlichen Kirchen ist es wichtig, die Botschaft, die Jesus uns verkündet und vorgelebt hat, zum Maßstab zu nehmen; den gemeinsamen Grund, auf dem wir stehen, zu erkennen und den Unterschieden, die sich in den Konfessionen im Laufe der Kirchengeschichte entwickelt haben, mit Wertschätzung zu begegnen. Um dann immer größere Annäherungen zu ermöglichen, Trennendes zu überwinden und eine spirituelle Vielfalt weiter wachsen zu lassen.

 

Was macht das Besondere und den hohen Stellenwert der Ökumene in Stolberg aus?

 

Jaskulski: Die Ökumene in Stolberg, also das Zusammenleben der evangelischen und der katholischen Gemeinden, hat eine lange Geschichte. Entscheidend ist, dass es Menschen gibt, die mit gegenseitigem Wohlwollen auf einander zugehen. Daraus haben sich in den vergangenen Jahren vielfältige Dinge entwickelt, z. B. gemeinsame Gottesdienste zu unterschiedlichen Anlässen (z. B. Schulgottesdienste, Pfingstmontag mit Begegnungsfest, PausenZeichenSetzen) Gesprächskreise zu Themen des Glaubens, eine gemeinsame Karnevalssitzung, die Flüchtlingsarbeit, der schon erwähnte Kreuzweg und nicht zu vergessen das von beiden Gemeinden getragene Gemeindezentrum. Vor einigen Jahren hat sich ein Arbeitskreis Ökumene neu formiert, in dem Interessierte aus beiden Gemeinden miteinander überlegen, wie unser Glaube in Stolberg neu Gestalt gewinnen kann. Schon der Austausch in dieser Runde ist eine Bereicherung. Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen – es sind noch Stühle an unserem Tisch frei.

 

Wie kann, wie wird es weitergehen?

 

Jaskulski: Es kann nur weitergehen, wenn sich Menschen immer wieder ansprechen und einladen lassen, das Leben unserer Gemeinden mitzugestalten. Andererseits müssen neue Ideen auch zugelassen werden. Es wird darauf ankommen, dass wir ehrlich und offen mit einander umgehen, verschiedene Positionen aushalten und weniger persönliche Eitelkeiten pflegen. „Ich will, dass alles bleibt wie es ist!“, „Das will ich nicht haben!“ oder ähnliche Aussagen ersticken Ideen und Initiativen. Hier sind besonders diejenigen, die Verantwortung tragen, gefordert, aufmerksam zu sein und behutsam mit den Menschen zu überlegen, wie der Glaube heute gelebt werden kann. Veränderungen sind notwendig. Alles, was lebendig ist, verändert sich.

 

Wenn es darum geht, wie es mit der katholischen Kirche weitergeht, knüpfen viele Menschen große Hoffnungen an Papst Franziskus und seine Offenheit. Wird diese Offenheit auch dazu führen, dass verheirateten Menschen künftig eine größere Rolle zufällt – unter Umständen auch als Priester?

 

Jaskulski: Menschen, die Verantwortung für andere übernommen haben, haben schon heute eine entscheidende Rolle in unserer Kirche. Paare, die sich entschließen zu heiraten, die ein Leben lang in Treue zueinander stehen wollen, machen in ihrer Liebe etwas deutlich von der Liebe, die Gott zu uns Menschen hat. Gott hat uns in der Taufe versprochen, uns auf unserem Lebensweg zu begleiten und beizustehen. Das heißt nicht, dass es keine schweren Zeiten gibt, dass wir zweifeln, dass wir den Weg, den Gott uns führt, immer verstehen, aber im Grunde steht seine Zusage, „Ich bin bei dir!“ In den Familien wird dieses Urvertrauen zuerst erlebbar. Wenn Eltern ihr Kind zur Taufe in die Kirche bringen, übernehmen sie noch einmal mehr Verantwortung für ihr Kind. Die Eltern sind es, die das Kind mit unserem Glauben in Kontakt bringen, in dem sie von ihrem Glauben erzählen. Und das Kind spürt, ein Leben mit Gott bringt Freude und macht zuversichtlich. Wenn Eltern an diesem Punkt ausfallen, wird es schwer, diesen Zugang zu finden. Kindergarten und Schule alleine können das nicht leisten. Kirche verwirklicht sich zuerst durch Menschen, die sich als Glaubende zu ihr bekennen. Die Frage nach den Zugangsvoraussetzungen zur Priesterweihe werden von manchen als Lösungsansatz gegen die Kirchenaustritte und das zurückgehende Gemeindeleben gesehen. Es ist gut, die Frage weiterhin zu prüfen, aber eine Lösung für den Relevanzverlust des Glaubens in unserer europäischen Gesellschaft sehe ich darin nicht. Ebenso kann m. E. nicht alleine die „Offenheit des Papstes“, wie Sie sagen, diese vielschichtige theologische und ökumenische Frage beantworten.

 

Und wo sehen Sie Ihre Rolle vor Ort?

 

Jaskulski: Meine Aufgabe sehe ich darin, mit den Menschen in Stolberg unterwegs zu sein. Ihre Freude zu teilen, sie auf schweren Wegen ein Stück zu begleiten, zuzuhören und ihnen Mut zuzusprechen aus der Gewissheit, dass Gott sie in seiner Hand hält. Rede und Antwort zu geben, dem der nach dem Grund der Hoffnung fragt, die mich erfüllt. Manchmal einfach eine helfende Hand zu reichen und ganz praktisch zuzupacken.

 

Sie arbeiten ja nicht nur in Stolberg, sondern auch im Generalvikariat, der Zentrale des Bistums Aachen. Was genau machen Sie da?

 

Jaskulski: Der größte Teil meines Arbeitsauftrags, etwa 80 %, liegt im Bereich des Bistums. Als Beauftragter des Bischofs bin ich für den Ständigen Diakonat in unserem Bistum zuständig. Dazu gehören diejenigen, die sich für den Dienst des Diakons interessieren, diejenigen, die sich auf den viereinhalbjährigen Ausbildungsweg gemacht haben und die Begleitung der Diakone in ihren Einsatzbereichen. Vor 50 Jahren, am 28. April 1968, wurden in Köln nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil weltweit die ersten Männer zu Ständigen Diakonen geweiht (im Bistum Aachen am 5. Juli 1971 – unter ihnen der frühere Stolberger Diakon Alfons Pohl). Diesem verhältnismäßig jungen Dienst in unserer Kirche unter sich verändernden Bedingungen in Kirche und Gesellschaft immer wieder neu Ausdruck zu verleihen, bleibt eine Aufgabe. Derzeit bereiten wir den Beginn des nächsten Ausbildungskurses vor. Im Sommer finden Informationstage für interessierte Männer und ihre Ehefrauen statt, bei denen wir über den Ausbildungsweg, die Voraussetzungen und den Dienst des Diakons informieren. Einladung an alle Interessierten. Darüber hinaus bin ich in die Geschäftsführung der „Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat in Deutschland“ eingebunden, in der sich die Diakonatsverantwortlichen aller deutschen Bistümer austauschen. Schließlich gehöre ich zum Stiftungsrat der Stiftung „Diaconia Christi Internationalis“ mit Sitz im Bistum Rottenburg/Stuttgart, die sich die weltweite Förderung des Diakonats zur Aufgabe gemacht hat. Vielfältige Aufgaben mit vielen bereichernden Begegnungen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

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52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
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