Fantasie und Geist mit ihrer Lyrik angeregt

Michael Koch und seine Gattin Heidi Mahler führen die Zuhörer im Zweifaller Kulturprogramm durch unterschiedliche Epochen. Gedichte und Musik.

Foto: Manuel Hauck
Foto: Manuel Hauck

Ein Duo und ein Quartett könnte man auch als Sextett bezeichnen, die Aufteilung war jedoch klar: Zwei, die Lieblingsgedichte vortrugen und vier, die musizierten. In den Apfelhof hatte der Verein „Unser Dorf Zweifall“ im Rahmen des Zweifaller Kulturprogramms eingeladen. Die Evangelische Kirche diente bei freiem Eintritt als Kulisse für eine Anthologie von Werken mehrerer Epochen. Von der Klassik bis zur Neuzeit präsentierten Heidi Mahler und Michael Koch ausgewählte Lyrik.

 

Was bedeutet Poesie heute? Dieser Frage ging Michael Koch zu Beginn des Programms nach. Er war einer der zwei Vorleser, wenn man es so nennen kann, denn reines Vorlesen war die musikalische Lesung im Apfelhof keineswegs. Mit Leben füllten Koch und Heidi Mahler, seine Mitstreiterin und die Zweite im Bunde, die Lieblingsgedichte, gleichzeitig diverse Werke verschiedener Epochen.

 

Die Musik als Intermezzo gestalteten Hermann-Josef Schulte, Friederike Franzen, Klaus Schmidt und Franz Körfer an Violine, Violoncello, Cembalo und Orgel. Aber: Was bedeutet Poesie?

 

Sie habe an Kraft verloren, insofern, da sie vertrieben, müde und erschöpft erscheine. Die Ästhetik der Sprache, so prophezeite Koch, sei gefährdet, doch Grund zum Aufgeben gebe es nicht. Lyrik sei schon immer eng verknüpft mit der Musik und beide wiederum hätten ihren Ursprung auch in der Spiritualität.

 

Unzählige Zeitspannen dienten in der Literatur der Einordnung der verschiedenartigen Stile. Um dieser Diversität in dem zweistündigen Vortrag gerecht zu werden, entschieden sich Mahler und Koch für vier Spielzeiten: die Vorklassik, die Klassik, die Poesie während der Weltkriege und die Nachkriegslyrik. Vor jedem Teil ertönte Kammermusik durch das Quartett, Applaus war des Künstlers Brot.

 

Die Vorklassik: Nach dem Mittelalter war es die erste große Phase deutscher Dichter. Ein kennzeichnendes Motiv waren die Götter Griechenlands. Paul Gerhardt, Matthias Claudias oder Johann Wolfgang von Goethe mit dem „Abendlied“. In der Kirche im Apfelhof nahmen sich Mahler und Koch der großen Lyrik vergangener Jahrhunderter an und trugen derart lebhaft vor, dass Fantasie und Geist angeregt wurden.

 

Die Klassik: Im zweiten von vier Akten reiste man durch die Zeit bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Quantitativ spielte Hugo von Hofmannsthal eine gewichtige Rolle und wurde durch Lyriker wie Georg Trakl und Rainer Maria Rilke ergänzt. Balladen waren hier die prägende Form, der Werteverlust bis zum Ersten Weltkrieg wurde zum Ausdruck gebracht. Es folgte eine kurze Atempause bei mittlerweile beinahe milden Temperaturen im Apfelhof.

 

(Vor-) Kriegsliteratur: Herkömmliche Poesie war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr zugelassen. Neue Gefühle entstanden mit der Industrialisierung und den Massenbewegungen. Mit den Juden verschwanden Witz und Fantasie, und der Rhythmus des Marsches war die treibende Kraft. Erich Kaestners „Handstand auf der Loreley“ oder „Sogenannte Klassefrauen“ waren ebenso Lieblingsgedichte wie Werke von Paul Cézanne, Gottfried Benn und Albrecht Haushofer.

 

Nachkriegsliteratur: Das Quartett ließ ein letztes Mal die Saiten und Tasten erklingen, ehe die Anthologie mit der Literatur nach 1945 vollendet wurde. Reime wurden seltener und Spuren des Unheils, des Schams und der Trauer ließen sich nicht verbergen. Bekannte Poeten waren weiterhin Kaestner und Benn, aber auch Günter Grass, Bertolt Brecht und Ulla Hahn.

 

Die mündliche Verbildlichung wurde auch im vierten und letzten Teil durch Heidi Mahler und Michael Koch vollendet, auch sie wurden stets mit dankbarem Applaus entlohnt, wenn ein lyrisches Werk besonders gelungen präsentiert wurde.

 

Am Ende freute sich die Gemeinschaft auf die Spenden, die bei dem kostenlosen Genuss eingesammelt werden konnten und nun der Erneuerung des Kirchendachs zugute kommen werden.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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