Wird das Stolberger Platt bald aussterben?

Während noch viele ältere Menschen den Dialekt beherrschen, zeigen junge Menschen daran immer weniger Interesse.

Foto: Annika Thee
Foto: Annika Thee

Rund 6000 Sprachen werden weltweit gesprochen und etwa die Hälfte davon ist vom Aussterben bedroht. Das ist zumindest die Einschätzung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco). Um dieses Aussterben zu verhindern, hat die Unesco den 21. Februar offiziell zum internationalen Tag der Muttersprache ernannt. Er soll die Sprachenvielfalt fördern und die Menschen weltweit zum Gebrauch der Muttersprache animieren.

 

Ist das Stolberger Platt ebenfalls von diesem Trend betroffen und vom Aussterben bedroht? Um das zu verhindern, setzen sich einige Bürger intensiv für den Erhalt des lokalen Dialekts ein.

 

Heimatdichter Franz-Willi Hirtz aus Vicht beschäftigt sich schon seit seiner Kindheit mit der Stolberger Mundart.

 

Als Kind wurde es dem Dichter verboten, Platt zu sprechen. In der Schule war das Hochdeutsch wichtiger, und seine Eltern wollten nicht, dass er bei der Rechtschreibung durcheinander kam.

 

Dennoch schrieb Hirtz in dem Dialekt kleine Gedichte und hatte bereits mit 13 Jahren seine erste Veröffentlichung. Nachdem er 40 Jahre lang immer wieder Vorträge und Lesungen gehalten hat, gründete er 2011 den Club Veeter Platt.

 

Mittlerweile hat Hirtz bereits sieben Bücher geschrieben und mehrere CDs veröffentlicht – doch der Interessentenkreis schrumpft. Der Dichter blickt mit Sorge in die Zukunft. „Es ist schon zu spät, die jüngeren Generationen an das Stolberger Platt heranzuführen und ihnen zu erklären, warum es wichtig ist, den Dialekt aufrechtzuerhalten“, erzählt Hirtz.

 

Dass sich größtenteils die älteren Generationen für Stolberger Platt interessieren, sehe er vor allem an dem Publikum seiner Lesungen. Von den etwa 150 bis 200 Zuhörern sind die meisten über 50. Kinder und Jugendliche würden nur vereinzelt von Besuchern oder Mitgliedern zu den Lesungen mitgebracht.

 

Dabei kann der Gebrauch des Stolberger Platts manche Situationen vereinfachen, denn einige Wörter sind in dem Dialekt sehr viel kürzer oder existieren im Hochdeutsch erst gar nicht. So heißt das Kartoffelmesser im Vichter Platt ganz einfach „Kniepsche“. Dafür kann es in den Nachbarorten aber wieder ganz andere Wörter geben. „Es ist und bleibt ein spannendes Thema“, findet Franz-Willi Hirtz, „aber in das 22. Jahrhundert wird der Dialekt nicht zu retten sein, da zu wenige Leute bereit sind, alte Zöpfe weiter zu flechten.“

 

Dass der Stolberger Dialekt schon bald kaum noch beherrscht werden könnte, findet er bedauernswert. In seiner Familie gilt Platt zwar teilweise noch als Umgangssprache, sobald aber jüngere Familienmitglieder anwesend sind, wird ins Hochdeutsche gewechselt. „Vor allem meine kleine Nichte versteht kaum etwas, wenn wir uns in Platt unterhalten“, sagt Hirtz.

 

Um das Stolberger Platt noch einmal aufleben zu lassen, bemüht sich der Club Veeter Platt, ein bis zwei Mal im Jahr sowohl Leseabende als auch andere Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Finanziert werden diese aus eigener Kasse.

 

Als nächstes steht im April eine botanische Frühjahrswanderung an, bei der nicht nur seltene Pflanzen gezeigt, sondern auch themenbezogene Gedichte im Stolberger Platt vorgetragen werden. Neben Veranstaltungen seines eigenen Clubs ist Hirtz nun auch Teilnehmer eines größeren Projekts: Die Forscher der Universitäten Bonn, Münster, Siegen und Paderborn haben sich zusammengeschlossen, um einen Mundart Atlas zu entwerfen.

 

Darin sollen Regionen, in denen Platt gesprochen wird, mit Beispielwörtern vorgestellt werden. Die Dialekte der verschiedenen Orte sollen außerdem auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht werden. Das Projekt verlangt viel Vorarbeit, weshalb es wohl noch einige Jahre dauern wird, bis der Atlas fertiggestellt ist.

 

Franz-Willi Hirtz ist bereits gespannt: „Durch Forschung können die Dialekte an ihre Wurzeln zurückgeführt werden. Es ist interessant, wie viele Unterschiede es innerhalb des Plattdeutschen gibt. Selbst das Platt von Gressenich oder Mausbach unterscheidet sich in einigen Wörtern schon von dem Vichter Platt.“

 

Auch die Volkshochschule Stolberg möchte sich für die Zukunft des Stolberger Platts einsetzen. Dort wird ein Kursleiter gesucht, der den Dialekt weiter vermitteln kann. „Uns ist der Erhalt des Stolberger Platts wichtig und wir würden gerne einen solchen Kurs anbieten“, erzählt Elfriede Lechthaler, Leitern der VHS. Wenn die Voraussetzungen stimmen, könnte sie sich auch einen Kurs für Kinder vorstellen.

 

Vielleicht hat das Stolberger Platt so doch noch eine Zukunft. Wer den Kurs der VHS gerne leiten möchte, kann sich unter

☏ 862460 bei der VHS melden.

 

Die Geschichte des Tags der Muttersprache

  • Der 21. Februar wurde im Jahr 2000 auf Vorschlag der Unesco offiziell zum internationalen Tag der Muttersprache ernannt.
  • Er nimmt historisch Bezug auf den 21. Februar 1952. Damals fand in Dhaka, der damaligen Hauptstadt Ost-Pakistans, eine Demonstration statt. Die Regierung hatte zuvor beschlossen, dass Urdu zur Amtssprache werden sollte. Die Sprache wurde jedoch nur von etwa drei Prozent der Bevölkerung gesprochen, besonders aus der herrschenden Schicht. Mehr als 56 Prozent der Gesamtbevölkerung West- und Ost-Pakistans nutzten Bengali als Muttersprache. In Ost-Bengalen, das damals zu Ost-Pakistan gehörte, lag der Anteil sogar bei 98 Prozent.
  • Nach dem Bürgerkrieg, der neun Monate andauerte, erklärte Ost-Bengalen schließlich seine Unabhängigkeit von Pakistan. Landessprache im neuen Staat Bangladesch blieb fortan Bengali.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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