Hoffnungsträger eines alten Brauches

Nur noch die Maigesellschaft Schevenhütte hat das Maifest traditionell gefeiert. Nun droht ihr das Ende, wenn sich nichts verändert.

Foto: Jörn Eymael
Foto: Jörn Eymael

Feiernde Menschen auf den Straßen. Sie tanzen über den ganzen Markt um den bunt geschmückten Maibaum herum. Szenen aus der Mainacht von 1953. Festgehalten auf altem Filmmaterial, aber nur noch eine Erinnerung – das war einmal.

 

Das Maibrauchtum ist in Stolberg in den vergangenen Jahren deutlich eingeschrumpft. Nur noch zwei Maigesellschaften gibt es unseren Recherchen zufolge noch: die Maijungen Werth und die Maigesellschaft Schevenhütte 1979. Und letztere war die einzige, die das traditionelle Brauchtum noch bis vor zwei Jahren gepflegt hat. Doch nun fehlt der Nachwuchs.

 

Das letzte große Maifest hat die Maigesellschaft Schevenhütte 2016 gefeiert – und zwar mit allen Brauchtümern, die dazu gehören. Die Liste ist lang: Wahl des Königspaares, Königstour, Messfeier, Festumzug, Maiball, Baumsetzen. All das sieht die Tradition der Maigesellschaft Schevenhütte vor, die schon seit 1979 besteht. „Es gab auch schon vorher eine Maigesellschaft, doch der Brauch ist eingeschlafen. Mit der Neugründung 1979 sollte er wiederbelebt werden“, erklärt der 2. Vorsitzende der Maigesellschaft Schevenhütte Philipp Wattenscheid.

 

Schon in den Anfängen des 20. Jahrhunderts wurde der Mai in Schevenhütte gefeiert. In den Nachkriegsjahren von 1946 bis 1953, von 1955 bis 1957 und von 1972 bis 1973 fanden in ganz Stolberg Versteigerungen und Maibälle statt, die von den damaligen Maigesellschaften organisiert wurden. Aber auch in den Jahren dazwischen stellte die Schevenhütter Dorfjugend stets einen Maibaum im Ort auf.

 

Das hat bis heute Tradition. Doch mittlerweile gibt es nur noch eine kleine Feier rund um das Baumsetzen. Der große Maiball fiel 2017 erstmalig aus. „Uns fehlte das Geld“, erklärt Winterscheid. „Es waren zu wenige Besucher auf dem Maiball. Danach waren wir quasi pleite.“ Doch daran wollen die Schevenhütter jetzt etwas ändern. Der fünfköpfige Vorstand im Alter zwischen 20 und 30 Jahren versammelt sich heute mit seinen Mitgliedern. Dort soll über Ideen und ein neues Konzept diskutiert werden. „Es steht zur Debatte, dass wir zu einem Verein werden“, erklärt Winterscheid. „Dann besteht die Chance, dass wir öffentliche Fördergelder erhalten. Aber wir begeben uns auch in ein Korsett.“ Denn um ein Verein zu werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählt auch eine feste Struktur, die in der Maigesellschaft Schevenhütte aber längst besteht.

 

Zudem wollen die „Burschen“ auch in diesem Jahr ein kleines Grillfest zum Maibaumsetzen organisieren. „Dabei wollen wir versuchen, wieder mehr junge Menschen von dem Brauchtum zu begeistern“, sagt Winterscheid. Denn auch wenn das Team noch recht jung ist, fällt es schwer, Nachwuchs zu finden. Aber warum?

 

„Das wissen wir auch nicht so genau, vielleicht liegt es am Internet“, vermutet Winterscheid. In der Jugend des 30-Jährigen gab es das zwar auch schon, aber es hat noch weniger Raum in der Freizeit eingenommen. „Es war cool, zur Dorfgemeinschaft zu gehören und mit den anderen Jungs in der Mainacht zusammen loszuziehen“, erinnert er sich. Heute lebt Winterscheid zwar in Aachen, da er dort Biotechnologie studiert hat, hält aber weiterhin Kontakt zu Freunden aus Schevenhütte. Auch ein Grund, weshalb er sich in der Maigesellschaft engagiert. „Ich habe von klein auf in Schevenhütte gewohnt und bin in den Verein hineingewachsen“, sagt Winterscheid. „Mir liegt etwas daran, diesen Brauch aufrecht zuerhalten.“

 

Ein Brauch, der in anderen Städten der Region wie Düren oder Eschweiler noch große Bedeutung hat, in Stolberg aber kaum noch. Ein Grund dafür könnte eben auch sein, dass dieser Brauch, der auch schon im Mittelalter gefeiert wurde, nicht mehr in unser gesellschaftliches Bild passt. Denn wie es bei der Wahl des Königspaares üblich ist, werden die Maibräute – mindestens 16 Jahre alt, unverheiratet und mit Wohnsitz im Ort der Gesellschaft – „versteigert“. Die Männer dürfen dann Gebote abgeben. Die Frau mit dem höchsten Gebot wird Maikönigin und der Höchstbietende wird König. Zwar beruht der Brauch auf der Freiwilligkeit aller Beteiligten, aber dennoch ist die Rollenverteilung veraltet. „Eigentlich ist es etwas diskriminierend“, findet auch Winterscheid. Aber so ist nun mal der Brauch.

 

Am Tag nach der Wahl des Königspaares, geht es für den König und alle ehemaligen Könige auf Königstour, bei der ausgiebig gefeiert wird. In Schevenhütte erinnert man sich an legendäre Abende.

 

Doch der wichtigste Abend ist die Mainacht selbst, die am 30. April gefeiert wird. Während es heutzutage viele junge Menschen auf Maipartys in Diskotheken und Kneipen zieht, war früher der Maiball der Ort des Geschehens. Dem ging zudem meist eine Messfeier und ein gemeinschaftlicher Festumzug durch den Ort voraus – bis 2016 wurde dieser Brauch auch noch in Schevenhütte fortgesetzt.

 

Nun wird nur noch am Folgetag das Aufstellen des bunt geschmückten Maibaums zusammen mit allen Dorfbewohnern gefeiert. Doch die Schevenhütter wollen wieder mehr für ihren Ort. Stellt sich die Frage: Hat das Brauchtum noch Zukunft? Die Maijungen Werth feiern seit 20 Jahren ein Maifest ohne das traditionelle Drumherum. Und das Konzept scheint aufzugehen: „Das Fest wird gut von den Werthern angenommen“, sagt Markus Lambertz, der Vorsitzende der Maijungen. Nachwuchssorgen gebe es nicht. Ob ein Maifest ohne Brauchtum auch für die Schevenhütter in Frage kommt – darüber werden sie heute Abend ab 19 Uhr in der Gaststätte „Casino“ diskutieren.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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