Ein bisschen Aufmerksamkeit für die Seele

Agi Ruskowski bereitet seit 18 Jahren die „Exerzitien im Alltag“ mit vor. Sie hat diese kurze Zeit der Besinnung zu schätzen gelernt. Ab Dienstag geht es wieder los.

Foto: Otten
Foto: Otten

Exerzitien im Alltag werden heutzutage in vielen Pfarreien angeboten. Offensichtlich besteht ein großes Bedürfnis, den Alltag aus einer spirituellen Quelle heraus zu bewältigen. Besonders in Zeiten von Not und Bedrängnis gilt es, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, sondern Trost zu finden in einer Gemeinschaft, die zum Glauben anstiftet, den Menschen mitnimmt und aushält, wie es Ignatius von Loyola, der Gottesfreund und Menschenkenner (1491-1556), einst kundtat. Für ihn „sättigt und befriedigt nicht das Vielwissen die Seele, wohl aber das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her“. Was es mit dem seit 20 Jahren stattfindenden Angebot auf sich hat, wie viele Menschen hier teilgenommen haben und was die „Exerzitien im Alltag“ für sie bedeuten, hat Agi Ruskowski, seit 18 Jahren eine der Leiterinnen des Angebotes, im Interview erzählt.

 

Warum „Exerzitien im Alltag“?

 

Ruskowski: „Exerzitien im Alltag“ sind ein Angebot für Menschen, die sich von Zeit zu Zeit – nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag – etwas Gutes tun wollen und dabei ihrer Seele und ihrem inneren Gleichgewicht etwas mehr Aufmerksamkeit schenken wollen. Diese Form der Exerzitien strebt eine Entschleunigung des Alltags an und ein neues Bewusstwerden und Wertschätzen der kleinen Freuden des Alltags.

 

Was haben Exerzitien mit Gott zu tun?

 

Ruskowski: Ein Ausspruch von Angelus Silesius (Arzt, Priester und Dichter aus dem 17. Jahrhundert) gibt meines Erachtens die beste Antwort auf diese Frage: „Halt an! Wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir: Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“ Um Gott in mir finden zu können, bedarf es der Übung – Übungen, das ist der Sinn des Wortes „Exerzitien“! Ich muss lernen, zur Ruhe zu kommen und Stille auszuhalten, um Gottes Stimme in mir hören zu können. Gott im Alltag.

 

Gott im Alltag. Wie muss ich mir das vorstellen?

 

Ruskowski: Es ist eigentlich ganz einfach. Ich versuche, Gott in meinen Alltag einzubeziehen, ihn an meinen Arbeiten und Unternehmungen teilhaben zu lassen. Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass ich beim Wachwerden an ihn denke und ihn bitte, mich durch den Tag zu begleiten. Ich vertraue mich seinem Schutz an.

 

Wie wurden Sie persönlich auf die Exerzitien im Alltag aufmerksam?

 

Ruskowski: Ich glaube, es war im November 1998 oder 1999, als ich in unserer Kirche ein Plakat entdeckte mit dem Bild einer Perle, die durch eine leicht geöffnete Muschel zu erkennen war. Das Thema der damaligen Exerzitien im Alltag, auf die das Plakat hinwies, war sinngemäß: „Entdecke den Schatz in dir!“ Das war für mich der Auslöser. Ich meldete mich zu den Exerzitien an.

 

Was haben Sie sich seinerzeit von der Teilnahme versprochen?

 

Ruskowski: Das Thema hatte mich neugierig gemacht, und deshalb wollte ich herausfinden, welchen Schatz es noch in mir zu entdecken gab.

 

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

 

Ruskowski: Ja. Aus der Teilnahme an diesem Kurs ergab es sich, dass ich gebeten wurde, an den Vorbereitungen der nächsten Exerzitien mitzuwirken. Und seitdem bin ich dabei und versuche, den „Schatz in mir“ für andere zu heben.

 

Was schätzen Sie an Ihrem Kreis besonders?

 

Ruskowski: In unserem Vorbereitungskreis schätze ich die gute Zusammenarbeit, die gegenseitige Unterstützung und die Freundschaft, die inzwischen gewachsen ist. Bei den Exerzitientreffen freue ich mich immer wieder besonders über das Vertrauen und die Offenheit, mit der die Teilnehmer – teilweise nach anfänglicher Zurückhaltung – über ihre Erfahrungen, Probleme und Gedanken sprechen und uns alle dadurch beschenken.

 

Kehrt man als ein anderer Mensch zurück in den Alltag?

 

Ruskowski: Mit den Exerzitien sind zum einen die wöchentlichen Treffen verbunden. Die einzelnen Elemente der Treffen und vor allem der Austausch in der Gruppe haben meist eine nachhaltige Wirkung. Es wäre jedoch übertrieben zu sagen, dass man als ein anderer Mensch in den Alltag zurückkehrt. Desweiteren gehört es aber auch dazu, sich jeden Tag etwas Zeit zu nehmen, um die in einem Heft für jede Woche zusammengestellten Texte für jeden Tag zu lesen und zu bedenken. Den meisten fällt es schwer, sich während der vierwöchigen Exerzitienzeit jeden Tag so eine Auszeit zu nehmen. Aber selbst, wenn einem dies nicht immer gelingt, so erfährt man doch den wohltuenden Einfluss solcher Besinnungszeiten, und das wirkt, bewusst oder unbewusst, in den Alltag hinein.

 

Was machen Sie jetzt anders als vorher?

 

Ruskowski: Ich habe im Laufe der Zeit eine größere Gelassenheit gewonnen. Es ist befreiend sagen zu können: „ Ich bin mit meinem Latein am Ende! Mach du, Gott!“ Wenn ich nicht krampfhaft versuche, eine Lösung zu finden, wo ich keine sehe, ergibt sich häufig ein neuer Ansatz.

 

Was ist mit Leid, Schmerz und Not?

 

Ruskowski: Sie gehören zu unserem Leben wie die Freude und das Wohlergehen. Sie sind bedingt durch unsere Sterblichkeit. Seltsamerweise weiß man zum Beispiel Gesundheit erst richtig zu schätzen, wenn man krank gewesen ist.

 

Wie viele Menschen haben bisher teilgenommen?

 

Ruskowski: Das ist schwer zu sagen. In den 20 Jahren seit Bestehen der „Exerzitien im Alltag“ in Stolberg haben natürlich viele verschiedene Menschen teilgenommen, aber auch viele haben über mehrere Jahre hinweg immer wieder mitgemacht. Im Schnitt kann man wohl von einer Teilnehmerzahl von etwa 30 Personen pro Jahr ausgehen.

 

Wie läuft so ein Morgen ab?

 

Ruskowski: Bei uns beginnt jedes Treffen mit einem Lied und einer Ankommensübung, bei der man dazu angeleitet wird, ruhig zu werden, seine Sorgen und Probleme eine Zeit lang auszublenden, um sich entspannt auf die Gesprächsrunde einlassen zu können. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Treffen ist der Austausch der Teilnehmer über ihre Erfahrungen auf ihrem „Übungsweg“ mit dem jeweiligen Wochenheft im Laufe der vergangenen Woche. Jede Woche finden unsere Teilnehmer in der Mitte des Sitzkreises eine veränderte symbolische Darstellung des Themas der Exerzitien vor. Eine zum Wochenthema ausgewählte Bibelstelle wird gelesen und im Sinne des Bibelteilens geteilt. Wir singen dreimal im Laufe eines Treffens gemeinsam mit instrumentaler Begleitung.

 

Wie viel Zeit sollte man in die Exerzitien investieren?

 

Ruskowski: Jedes Wochentreffen dauert 90 Minuten, und für die Textlektüre sollte man 30 Minuten pro Tag einplanen.

 

Wie heißt das kommende Thema?

 

Ruskowski: Unser Oberthema ist immer „Mein Alltag mit Gott“, und in diesem Jahr heißt das Unterthema: „unterwegs im Labyrinth des Lebens“. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema befasst, und es ist erstaunlich, welche Meditationsmöglichkeiten in den verschiedenen Labyrinthformen stecken. Ich glaube, es wird sehr spannend.

 

Muss man sich anmelden?

 

Ruskowski: Zur besseren Planung ist eine Anmeldung wünschenswert. Diese kann aber immer noch erfolgen. Wir starten am Dienstag, 20. Februar, um 9.30 Uhr im Ökumenischen Gemeindezentrum, Frankentalstr. 18. Zur Anmeldung genügt ein Anruf bei mir unter der Nummer 71742.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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