Mit Experimenten Spaß am Unterricht fördern

Ritzefeld-Gymnasium will ab dem kommenden Schuljahr sein MINT-Profil ausbauen. Das Ziel: Mehr Schüler sollen sich für Naturwissenschaften interessieren.

Foto: Sonja Essers
Foto: Sonja Essers

Gebannt blicken die Schüler auf Dr. René Ostrowski. Fest schlägt der Lehrer mit einer großen Stimmgabel gegen die Tischkante und taucht diese dann wenige Sekunden später in eine Schüssel voller Wasser. Was dann passiert, erleben die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib. Sie haben sich vorab um die Schüssel positioniert und werden nun von dem umherspritzenden Wasser nass gemacht. Die Schwingungen der Stimmgabel haben sich auf das Wasser übertragen und diese Reaktion ausgelöst, erklärt Ostrowski ihnen. Die Sechstklässler sind begeistert. Sie greifen nach der Stimmgabel und wollen diesmal ihr Glück selbst versuchen. Ostrowski hat sein Ziel erreicht. „Mit Experimenten wie diesen wollen wir bei den Schülern die Lust auf MINT-Fächer wecken“, sagt der Koordinator für MINT-Fächer am Stolberger Ritzefeld-Gymnasium.

 

Die Abkürzung MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und auch Technik. Diese spielen am Stolberger Ritzefeld-Gymnasium bereits eine wichtige Rolle und sollen in Zukunft noch weiter in den Mittelpunkt rücken. Gemeinsam mit der Stadt Stolberg hat man sich dazu entschieden, das MINT-Profil der Schule auszubauen, sagt Schulleiter Dr. Uwe Bettscheider. Warum? Während das Goethe-Gymnasium seinen Schwerpunkt auf den bilingualen Unterricht legt, stehen am Ritzefeld-Gymnasium die naturwissenschaftlichen Fächer im Vordergrund. „Zur Allgemeinbildung gehört der Bereich der digitalen Grundbildung mittlerweile dazu und ist zudem heute viel stärker ausgeprägt als er es früher war“, sagt er. Bisher bot die Schule für Mädchen in der sechsten Klasse einen zweitägigen Robotik-Workshop an. Ab dem kommenden Schuljahr soll dies ab der siebten Klasse ein fester Bestandteil des Stundenplans sein.

 

Und wie sieht das in der Praxis aus? Im Robotik-Workshop lernen die Schülerinnen nicht nur, wie Roboter zusammengebaut werden. Auch das Programmieren steht an. Und das scheint den Schülerinnen im Ritzefeld-Gymnasium gut zu gefallen. „In der sechsten Klasse arbeiten sie mit richtigen Befehlen. Dafür müssen sie Syntax und Grammatik beherrschen“, erklärt Ostrowski. Gar nicht so einfach. Denn: „Die Programmiersprache ist eine ganz eigene Sprache“, sagt er. Und diese kann auch fehlerhaft sein. Bedeutet, dass die Schülerinnen nicht nur eigene Befehle geben, sondern auch Fehler ausmerzen müssen. „So lernen sie, was es heißt, später einmal ein Programm selbst zu entwickeln“, sagt Ostrowski. Die wichtigste Eigenschaft, die man dabei besitzen müsse, sei die Geduld.

 

Für die Sechstklässlerinnen ist das Programmieren nach dem Workshop kein Problem mehr. Zwischen 200 und 250 Befehle geben sie den Robotern, die diese in Töne umwandeln und dann bekannte Musikstücke – wie die Titelmelodie aus dem Film „Fluch der Karibik“ – wiedergeben. Und damit nicht genug. Auch Fahrbefehle erhalten Wall-E, Delli & Co. von den Schülerinnen. Dass dies nicht abstrakt, sondern vielmehr alltagstauglich ist, erklärt Ostrowski. „Rasenmäherroboter oder die Sensoren, die sich in Autos befinden, funktionieren ähnlich“, sagt er. Und hat dieses Konzept Erfolg? „Informatik ist nicht nur etwas für Jungs“, sind sich die Schülerinnen einig.

 

Auch Ostrowski hat die Erfahrung gemacht, dass Mädchen oft großen Gefallen an den MINT-Fächern finden. Das Problem sei allerdings oft: „In vielen Köpfen ist verhaftet, dass Naturwissenschaften schwer sind. Das müssen sie aber gar nicht sein.“ Über Experimente könne man die Freude an den Naturwissenschaften oft aufrecht erhalten.

 

Das bestätigt auch Jürgen Nelles, der am Ritzefeld-Gymnasium die Fächer Chemie und Physik unterrichtet. In der sechsten Klasse stehen unter anderem die Themen Akustik und Schallgeschwindigkeit auf dem Stundenplan. Mit einem Schlauch, Trichtern und einem Bleistift testen die Schüler, wer von ihnen ein gutes Gehör hat. Mit dem Bleistift wird auf den Schlauch geklopft und der Schüler, der die beiden Trichter an seine Ohren hält, muss feststellen, von welcher Seite der Ton kommt. Eine Aufgabe, die gar nicht so einfach zu lösen ist. „Heute haben 15- oder 20-Jährige ein schlechteres Gehör als 50-Jährige“, sagt Nelles und nennt dafür das Hören von zu lauter Musik als Grund.

 

In der Oberstufe sieht der Unterricht dann ein wenig anders aus. Dort arbeiten die Schüler unter anderem mit virtuellen Klassenräumen. Tafelbilder oder auch Videos von Experimenten werden in ein Portal hochgeladen, so dass die Schüler sich das Material auch zu Hause noch einmal anschauen können. Zudem gibt es mittlerweile auch Apps für das Smartphone, mit denen man beispielsweise elektrische Spannungen messen und grafisch darstellen kann.

 

Ostrowski und Nelles hoffen, dass sich mehr Schüler für die Naturwissenschaft begeistern. Dafür besucht Ostrowski auch Grundschulen und führt mit den Kindern dort Experimente durch. „Die Gesellschaft braucht Spezialisten, die verstehen, was wichtig ist und wie eine Gesellschaft funktioniert“, sagt Schulleiter Dr. Uwe Bettscheider. Dafür sollen sie bestens vorbereitet werden.

 

Ein abwechslungsreiches Programm für Jungen und Mädchen

  • Während die Mädchen sich in diesem Schuljahr zwei Tage lang intensiv mit der Programmierung von Robotern befassten, trafen sich die Jungs im Helene-Weber-Haus zum gemeinsamen Kochen.
  • Zwei Tage lang wurden unter der Leitung eines erfahrenen Referenten im Helene-Weber-Haus abwechslungsreiche, gesunde Menüs zusammengestellt, Zutaten vorbereitet und abschließend die Gerichte zubereitet. Dabei lernten die Jungs ganz praktische Dinge wie Gemüse Putzen, Kochen und Braten von Fleisch und Beilagen, Schlagen von Eischnee (mit der Hand!), aber auch, in welcher Reihenfolge man am besten vorgehen muss und dass zum Kochen ebenfalls das saubere Hinterlassen der Küche gehört. Informationen zu den einzelnen Lebensmitteln gehörten genauso zum Programm wie die eine oder andere Anekdote aus der Küche. Und auch einige Kostproben wurden mit nach Hause genommen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

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