Koptische Christen zeigen sich interessiert

Pastor Funken: Verhandlungen zur Nutzung von St. Franziskus stehen erst am Anfang. SPD besorgt um gesellschaftliches Leben.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

Viele Bewohner der Velau sehen in ihr so etwas wie ein Bollwerk. Die Pfarrei St. Franziskus und ihr engagiertes Gemeindeleben erscheinen wie eine Bastion in einem Stadtteil, der bereits Bestandteil des Programms „Soziale Stadt“ war und dort erneut aufgenommen werden soll. Nun ist das 51 Jahre alte Gotteshaus im Gespräch als neue Pfarrkirche der Aachener Gemeinde koptisch-orthodoxer Christen.

 

Der wichtigen Rolle ihrer Filialkirche in der Velau ist sich auch die Pfarrgemeinde St. Lucia – zu der St. Franziskus seit der Fusion im Jahr 2010 gehört — bewusst. Aber aufgrund des Spardiktats des Bistums sah sich auch die katholische Gemeinschaft im Stolberger Norden veranlasst, im Rahmen des sogenannten „Kirchlichen Immobilienmanagements“ (KIM) den Bestand ihrer Liegenschaften zu hinterfragen. Das Ergebnis: Langfristig können neben weiteren gemeindlichen Einrichtungen die Kirchen St. Hermann-Josef auf der Liester sowie St. Franziskus inklusive Pfarrkeller und Jugendheim in der Velau nicht gehalten werden.

 

„Sie stehen auf Rot“, sagt Rendant Helmut Gottfried. Seit Ende 2016 sondiert die Gemeinde mögliche Nutzungen für das Gotteshaus und die dazugehörigen Liegenschaften wie Jugendheim und Franziskuskeller – möglichst ohne den besonderen Charakter der Einrichtungen infrage zu stellen.

 

Nun sickerte durch, dass Bewegung in die Vermarktung zu kommen scheint. Die SPD-Fraktion zeigt sich besorgt und schaltet den Bürgermeister ein. „Wir hörten, dass konkret über einen Verkauf mit einem Interessenten verhandelt wird“, sagt Dieter Wolf. Nicht nur Kirche, sondern auch Jugendheim und Franziskuskeller solle ein Verkauf umfassen, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende: „Wir möchten bereits im Vorfeld keinen Zweifel daran lassen, dass unsere Fraktion nichts unversucht lassen wird, mit politischer Einflussnahme oder notfalls auch mit rechtlichen Mitteln zu verhindern, dass bei einem Verkauf die bestehenden Nutzungsmöglichkeiten von Franziskuskeller und Jugendheim unterbunden oder eingeschränkt werden“, heißt es in dem Schreiben an den Verwaltungschef.

 

Das Jugendheim werde seit Jahren von vielen Vereinen, Institutionen und Vereinigungen ständig genutzt. „Für das gesellschaftliche und soziale Leben in der Velau ist es unverzichtbar“, betont Andrea Müller. Das ehrenamtliche Engagement, das seit Jahren wesentlich dazu beitrage, in der Velau mit den Bewohnern „ein lebens- und liebenswertes Heimatgefühl zu entwickeln und zu pflegen, kann nicht hoch genug geschätzt und bewertet werden“, erläutert die Ratsdame. Vor dem Hintergrund der angestrebten Neuaufnahme in das Programm „Soziale Stadt“ sei es ein Schildbürgerstreich, wenn gleichzeitig die wichtigen Begegnungs-, Versammlungs- und Übungsstätten verkauft und damit für die ortsansässige Bevölkerung nicht mehr zugänglich wären, so Müller weiter. Im Rahmen der Koalition regt die SPD an, kurzfristig die Repräsentanten der Kirche und die Vertreter der Ehrenamtler der Pfarre zu einem Gespräch einzuladen.

 

„Bereits in der vergangenen Woche habe ich alle Fraktionsvorsitzenden für den 26. Februar zu einem Gespräch eingeladen“, sagt Tim Grüttemeier. Dann sollen die bekannten Fakten erläutert werden, so der Bürgermeister weiter. Die Überlegungen für St. Franziskus seien noch in einem sehr frühen Stadium.

 

Das bestätigt auch Helmut Gottfried, der als Rendant federführend an den Sondierungen beteiligt ist. „Wir stehen erst ganz am Anfang, und alles ist mit einem ganz großen ,Vielleicht‘ überschrieben“, betont Gottfried. „Wir sondieren Optionen.“ Denkbare Varianten wären eine Mitnutzung von St. Franziskus ebenso wie ein Verkauf. „Es besteht ein Interesse bei der Aachener Gemeinde der koptischen Christen, an einer Nutzung des Gotteshauses und seiner Nebenräume“, bestätigt Gottfried. „Aber beide Seiten stehen noch ganz am Anfang ihrer Entscheidungsfindung“, so der Rendant weiter.

 

Die Kopten gehören zu den so genannten altorientalischen Kirchen vornehmlich mit Wurzeln in Ägypten und gelten als eine der ältesten christlichen Religionsgemeinschaften; sie benutzen einen eigenen, auf die pharaonische Zeit zurückgehenden Kalender, der wie der Julianische Kalender am Sonnenjahr orientiert ist.

 

„Vor allem aber sind die Kopten eng mit Rom verbunden und ihre Mitglieder werden in ihren Heimatländern verfolgt“, macht Pastor Hans-Rolf Funken deutlich, dass bei einer Mitnutzung oder Übernahme St. Franziskus eine christliche Bastion bliebe. „Eine entsprechende religiöse und christliche Verankerung bei einer Folgenutzung ist im KIM-Prozess verankert“, so der Geistliche weiter. Alles andere würden auch Bischof Heinrich und das Generalvikariat nicht mitmachen. Dabei gehe es auch um die Finanzen. „Der Bischof hat immer das letzte Wort“, unterstreicht Funken.

 

Und der Aachener Oberhirte habe auch explizit die Erlaubnis erteilt für eine Premiere. Die Aachener Gemeinde der koptisch-orthodoxen Christen St. Damiana hat am 28. Januar erstmals eine heiligen Messe „zur Eröffnung der Koptisch-Orthodoxen Kirche in der Region Aachen“ gefeiert. Dem von Sajedna Michael zelebrierten dreistündigen Gottesdienst schlossen sich Agape-Mahl sowie Predigt und Schlusssegen an. Für eine Stellungnahme war die Aachener Gemeinde gestern nicht zu erreichen.

 

Bei der gleichzeitig im Pfarrkeller stattfindenden Karnevalssitzung der katholischen Gemeinde soll es dann mit Rücksicht auf den koptischen Gottesdienst entsprechend ungewohnt leise zugegangen sein, berichten Teilnehmer.

 

Bei der Messe in St. Franziskus am vergangenen Samstag ging Pastor Hans-Rolf Funken in seiner Predigt aber offensiv mit der Nachricht um, dass die Aachener Kopten-Gemeinde ihr Interesse an St. Franziskus bekundet habe. Dabei erläuterte er die ersten Kontakte und den noch offenen Stand der Gespräche.

 

Dennoch machen sich viele ehrenamtlich engagierte Gemeindemitglieder in der Velau Sorgen, wie es in ihrem Stadtteil mit dem pastoralen und gesellschaftlichen Leben weitergehen wird. Eine Verhandlungskommission der Kirchengemeinde hat jetzt ihre Arbeit aufgenommen.

 

„Wir stehen erst am Anfang unserer Gespräche“, betont Pastor Funken, dass ihm der Fortbestand des pfarrlichen Lebens in St. Franziskus ebenso am Herzen liege, wie der Fortbestand der Kirche als christliches Gotteshaus. „In unserer Pfarrgemeinde stehen nun einmal mit dem KIM-Prozess für St. Franziskus die Zeichen auf Rot“, erinnert Funken an die Rahmenbedingungen und unterstreicht, „eine nicht christliche Nutzung ist für uns keine Alternative.“ Für die zweite zur Disposition stehende Kirche auf der Liester gebe es derzeit keine konkreten Interessenten.

 

Sozialraumkonferenz tagt in St. Hermann-Josef

 

Allerdings wird die Kirche St. Hermann-Josef auf der Liester zu einem großen Versammlungsort: Die zweite große Sozialraumkonferenz der Stadt wird in dem Gotteshaus abgehalten. Sie beginnt am Dienstag, 6. März, um 17 Uhr.

 

Weiterhin einen Zuschuss aus Kirchensteuermitteln zu den Instandhaltungskosten erhalten Pfarrheim und Pfarrbüro auf der Liester. Insbesondere für die „Oase“ ist die Pfarrgemeinde in intensiven Gesprächen mit der Stadt, um die Einrichtung wieder mit neuem Leben zu füllen und zusätzliche Angebote zu unterbreiten, sagt Pastor Hans-Rolf Funken. Dies geschehe im Rahmen des Programms „Soziale Kupferstadt“.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

Rathaus

52220 Stolberg

www.tim-gruettemeier.de
tim.gruettemeier@stolberg.de
Telefon: 02402 / 13-200
Fax: 02402 / 13-222

Verlinkungen:

Internetseite der Stadt
Internetseite der Stadt
Internetseite der CDU
Internetseite der CDU

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.