Peltzer-Werke mit traditionsreicher Geschichte

Stolberger Unternehmen steht über Jahrhunderte für begehrte Produkte. Ortsnahe Zinkhütten und preiswertes Material.

Bildquelle: Firmenprospekt
Bildquelle: Firmenprospekt

Das Stolberger Unternehmen Peltzer kann auf eine lange Firmentardition zurück blicken.

 

Die in der hiesigen Region über Jahrhunderte ansässigen Kupfermeister nutzten bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Herstellung von Messing den Galmei, der im Bereich der lokalen Abbaufelder gefördert wurde. Auf Grund der Tatsache, dass man, verglichen mit der eingesetzten Kupfermenge, die doppelte Gewichtsmenge Galmei benötigte, ergaben sich für Stolberg entscheidende Standortvorteile, da es aus logistischen Gründen sehr viel einfacher war, die deutlich geringere Kupfermenge zur Galmeilagerstätte (also nach Stolberg) zu transportieren.

 

Mit der Technologie der Zinkverhüttung (Zinkdestillation) ging dieser Standortvorteil im 19. Jahrhundert verloren, was den Niedergang des traditionellen Messinggewerbes einleitete. Der mit dieser technologischen Entwicklung einhergehende Strukturwandel bedeutete nicht nur Niedergang, sondern ist in gewisser Weise auch als Neubeginn aufzufassen und war wichtiger Impulsgeber für die Weiterentwicklung unserer Region.

 

Die Kupfermeister waren von diesem Strukturwandel nicht nur betroffen, sondern haben diesen Wandel durchaus mitgestaltet. Beispielsweise wurde die erste Zinkhütte des Stolberger Raumes 1819 von Matthias Leonhard Schleicher durch Umbau seines Kupferhofes Velau errichtet. Der Betrieb dieser Hütte wurde 1845 bis 1846 eingestellt und von der Zinkhütte Birkengang mit den Anteilseignern EBV sowie Matthias Ludolph Schleicher weitergeführt.

 

Ein weiterer Angehöriger der Schleicher-Dynastie, nämlich Johann Matthias Eduard Schleicher, verlegte seinen Betrieb 1873 von der Atsch zum Untersten Hof und spezialisierte sich dort auf die Herstellung von Messing-Halbzeug. Der von William Prym und dessen Söhnen Gustav Wilhelm sowie Heinrich August 1859 gefasste Entschluss, Fertigprodukte in Form von Kurzwaren (damals Nadler- und Panzerwaren) herzustellen, kann als Meilenstein in der Stolberger Wirtschaftsgeschichte gelten.

 

Die neben Schleicher wohl bedeutendste Kupfermeister-Dynastie Peltzer verlegte sich auf die Herstellung von Zinkornamenten, die größtenteils als Gestaltungselemente in der Architektur Verwendung fanden. Ursprung der Stolberger Zinkornamentenfertigung war das 1861 von Johann Adolf Peltzer und Henry Walchenbach gegründete Unternehmen in der Steinwegstraße.

 

In den 1880er Jahren kam Moritz Kraus als Teilhaber hinzu, und der Firmensitz wurde zur Prattelsackstraße verlegt. Moritz Kraus ist als „Retter der Burg“ in Stolberg bestens bekannt. 1888 ersteigerte er die stark verfallene Burg Stolberg und ließ sie entsprechend des damaligen Zeitgeschmacks im historistischen Stil wieder aufbauen. 1909 schenkte er die restaurierte Anlage den Stolberger Bürgern.

 

Über Jahrzehnte waren Kraus, Walchenbach & Peltzer als Hersteller von Zinkornamentik weltbekannt. 1909 übernahmen die Gebrüder Julius, Karl sowie Ernst Peltzer alle Anteile. Und 1963 wurde das Unternehmen in Peltzer Werke umbenannt.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte der königlich-preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel erstmalig Zink als Gestaltungselement in der Architektur ein. Diese Elemente waren teilweise als reine Ornamentik, teilweise jedoch auch als figürliche Darstellungen in Reliefform oder Vollplastik ausgeführt. Hiermit leitete Schinkel einen geradezu weltweiten Modetrend ein, denn die Verwendung von Zinkornamentik als Dekorations-Accessoire in der Architektur erfreute sich bald allgemeiner Beliebtheit.

 

Bei der weltweiten Nachfrage und der allgemeinen Popularität von Zinkornamentik jeglicher Art waren beste Voraussetzungen für die Gründung eines Unternehmens zur Herstellung von Zinkornamente gegeben, insbesondere auch deshalb, weil die ortsnahen Zinkhütten (Birkengang, Münsterbusch, Steinfurt) das Zink zu günstigen Transportkosten liefern konnten.

 

Die Entwicklung der Zinkornamenten-Firma Kraus, Walchenbach & Peltzer wurde entscheidend begünstigt durch Stilrichtungen in der Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in hohem Maße durch die Nachahmung historischer Baustile geprägt war. Insbesondere Romanik, Gotik und Klassizismus dienten als nachahmenswerte Vorbilder. Zur begrifflichen Differenzierung der nachempfundenen Architektur setzte sich allgemein die Verwendung der Vorsilbe „Neo“ durch.

 

Der zeitgleiche Stilpluralismus, zusammenfassend auch mit dem Begriff Historismus belegt, erforderte ein variantenreiches Sortiment von Dekorationselementen wie Dachaufsätze, Gesimse, Statuen, neogotisches Fenstermaßwerk, Wetterfahnen, Ecktürmchen, Balustraden etc., die unter Verwendung des korrosionsbeständigen Zinks einfach und preiswert herzustellen waren. Die Fülle von unterschiedlichen Bauformen war Ausdruck einer einheitlichen Grundidee, denn Historismus kann als Idealisierung und Bewunderung früherer Geschichtsepochen verstanden werden.

 

Geisteshaltung und Wertmaßstäbe, die für bestimmte Epochen als charakteristisch und kennzeichnend galten, waren Grundlage einer Symbolik, die sich häufig auf den Verwendungszweck von Bauwerken bezog. Während neogotische Kirchen beispielsweise das Ideal mittelalterlicher Frömmigkeit symbolisierten, brachten neogotische Verwaltungsbauten die Identifikation mit dem Selbstbewusstsein mittelalterlicher Städte zum Ausdruck.

 

Ein weiteres Beispiel ist der Anspruch auf Gelehrsamkeit, der sich in Schul- bzw. Universitätsbauten der Neorenaissance manifestiert. In Kreisen des Großbürgertums entstand im Laufe der Gründerzeit ein stark ausgeprägtes Repräsentationsbedürfnis. Als Folge dessen wurde im Späthistorismus die ursprünglich mit dem Historismus verbundene, hehre Idee aufgegeben und verkam zur lediglich ahistorischen Dekoration.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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