Erster Schritt in Richtung Emanzipation

Anja Mertes ist bei der Stolberger Feuerwehr als erste Frau im Einsatzdienst tätig. Trotz steigender weiblicher Mitgliederzahlen eine Männerdomäne.

Für die Stolberger Feuerwehr ist es eine Premiere: Zum 1. Januar hat Anja Mertes ihren Dienst in der Hauptwache an der Kesselschmiede aufgenommen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, oder? Doch: Schließlich ist die 25-jährige Rettungsassistentin damit die erste Frau, die bei der Stolberger Feuerwehr im Schichtdienst tätig ist. Und damit nicht genug. Auch den Löschzug Büsbach der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt die Unterbrandmeisterin neben ihrer Arbeit. Ein Leben ohne Feuerwehr ist für sie kaum vorstellbar und damit ist sie in Stolberg nicht alleine.

 

Dort gibt es 20 Frauen, die sich in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Insgesamt sind rund 350 Mitglieder tätig. Bedeutet: Auf jede der insgesamt 14 Stolberger Löschgruppen kommt eine Frau. Nicht gerade viel – könnte man zumindest meinen. Dennoch gilt: „Frauen sind heute aus der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken“, sagt der Stolberger Feuerwehrsprecher Michael Konrads. Er weiß: „Viele Mädchen, die in der Jugendfeuerwehr starten, bleiben auch danach dabei.“

 

Dieser Trend zeichnet sich nicht nur in Stolberg, sondern deutschlandweit ab. Laut einer Statistik des Deutschen Feuerwehr-Verbands waren im Jahr 2000 insgesamt 61 447 Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt in der Freiwilligen Feuerwehr 1 042 435 Mitglieder. In den Folgejahren lässt sich eine interessante Entwicklung beobachten. Während die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr immer weiter sinkt, steigt die Zahl der Frauen an. 2005 wuchs die Zahl der Frauen auf 71 239 (gesamt 1 036 745). 2010 gab es 84 469 Frauen (gesamt 1 008 133). 2014 waren es 87 511 Frauen (gesamt 998 682) und 2015 schließlich 89 112 Frauen (gesamt 996 688).

 

Einen Aufwärtstrend kann man allerdings nicht in allen Tätigkeitsfeldern beobachten. In der Berufsfeuerwehr sinkt die Zahl der Frauen. Gab es im Jahr 2000 noch 471, so waren es 2005 noch 196. 2010 waren es 392 Frauen, 2014 lag die Anzahl bei 404 und 2015 waren es 359.

 

Gründe für diese Entwicklung sind in keiner Statistik erfasst. Fest steht jedoch, dass trotz steigender Mitgliederzahlen Frauen noch immer eine Minderheit bilden. Das wird auch an der Ausstattung von einigen Gerätehäusern deutlich. Auch in Stolberg besitzen nicht alle eigene Umkleiden. Ein Beispiel dafür: das ehemalige Gerätehaus in Zweifall. Dort zogen sich die Feuerwehrleute neben den Fahrzeugen um. „In den alten Gerätehäusern gab der Platz das oft nicht her“, weiß Konrads.

 

In Zweifall gibt es dieses Problem mittlerweile nicht mehr. Dort wurde mit einem Neubau, der getrennte Sanitäranlagen und Umkleidekabinen beinhaltet, ein neues Zuhause für die Löschgruppe geschaffen. Ähnlich sieht es auch in Gressenich aus. Dort finden derzeit noch Umbauarbeiten statt. Sind diese abgeschlossen, haben auch die weiblichen Mitglieder der Löschgruppe eine eigene Umkleide. Getrennte Sanitäranlagen gibt es in den Gerätehäusern in Atsch, Mausbach, Vennwegen und Vicht.

 

Und wie sieht es in der Hauptwache an der Kesselschmiede aus? Anja Mertes hat dort ein eigenes Zimmer, das sie auch abschließen kann. Das ist allerdings auch der einzige Unterschied zwischen ihr und ihren Kollegen. Genau wie sie arbeitet Anja Mertes im Schichtdienst und arbeitet entweder von 8 bis 20 Uhr oder von 20 Uhr bis 8 Uhr.

 

Besonders erleichtert habe man ihr den Einstieg in die Arbeit durch ein Konzept, dass von Dieter Albrecht, Norbert Janssen und Peter Cosler, der bei der Stolberger Feuerwehr den Rettungsdienst leitet, erstellt wurde (siehe Infobox). Doch nicht nur dadurch fühlt Anja Mertes sich in dem von Männern dominierten Umfeld wohl. „Ich bin hier super aufgenommen worden. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit“, sagt sie, und Michael Konrads ergänzt: „Es ist toll, dass wir in Stolberg nun die erste Frau begrüßen dürfen. Das ist definitiv eine Win-Win-Situation für beide Seiten.“

 

Sich Schritt für Schritt im Job zurecht finden

  • Für alle neuen Angestellten bei der Stolberger Feuerwehr haben Dieter Albrecht, Norbert Janssen und Peter Cosler ein Konzept ausgearbeitet, das eine einwöchige Einarbeitung umfasst.
  • Das bedeutet, dass die Neulinge erst einmal eine Einweisung in die zahlreichen Geräte erhalten. Außerdem zeigen ihnen die Anleiter, wo sich beispielsweise Krankenhaus und auch die Notaufnahme befinden und welche Abteilung im Rathaus für sie zuständig ist.
  • Die Stolberger Feuerwehr kümmert sich nicht nur um die Brandbekämpfung, sondern wirkt auch im Rettungsdienst mit.
  • Diese Aufgabe übernehmen deutschlandweit übrigens rund 63 Prozent aller Feuerwehren.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

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