Stolberg hat noch Glück mit „Friederike“

Aber der „normale Wintersturm“ beschert der Feuerwehr viele Einsätze. Bis zu 100 km/h. Reisende stranden am Hauptbahnhof.

Umgestürzte Bäume, herabgefallene Ziegel, gekappte Strommasten, demolierte Zäune, gestoppte Züge: Weit über 50 Einsätze absolviert die Feuerwehr an dem Donnerstag, an dem das Sturmtief „Friederike“ durch Stolberg braust. Die größten Schäden entstehen auf dem Bediensteten-Parkplatz neben dem Rathaus, wo ein morscher Baum auf mehrere abgestellte Autos fällt, und auf der Jägerhausstraße hinter Zweifall, wo ein Pkw durch einen umstürzenden Baum getroffen wird. Der Fahrer wird leicht verletzt, ebenso ein Passant auf der Hastenrather Straße, den ein Baum traf.

 

Es ist mehr die Masse der Einsätze, denn ihre Schwere, die die Feuerwehr ab 6.30 Uhr in Atem hält. Beginnt der Morgen mit vereinzelten Hilferufen eher ruhig, summieren sich ab 10 Uhr die Schadensfälle so sehr, dass gegen 11.30 Uhr die Feuerwehr Vollalarm auslöst: Rund 160 Helfer und das THW werden mobilisiert.

 

Und dennoch hat Stolberg Glück. „Friederike“ bleibt in der Kupferstadt ein „normaler Wintersturm“: Das sagt Michael Stammler. Der Hobby-Meteorologe vom Donnerberg gilt als profunder Kenner der Wetterereignisse in der Region. „Der Kern des Sturmtiefs ist nördlich von Düsseldorf in Richtung Ruhrgebiet gezogen.“ Genaue Vorhersagen könne man ohnehin nur zwei Stunden im Voraus treffen. Von den angekündigten Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h wurde Stolberg deutlich verschont, erklärt Stammler: „In Horbach wurden 109 km/h gemessen, ich selbst habe auf dem Donnerberg nur 70 km/h registriert.“ Je nach Lage in Stolberg dürfen es 80 bis 100 km/h gewesen sein, mit denen „Friederike“ dennoch für reichlich Arbeit sorgt.

 

Die Deutsche Bahn geht auf Nummer sicher. Um 11 Uhr wird der Zugbetrieb in Nordrhein-Westfalen auf allen Strecken erst einmal eingestellt. Am Nachmittag ist klar, dass dies nicht nur für den ganzen Donnerstag gilt, sondern auch Freitag mit Einschränkungen gerechnet werden muss.

 

Am Stolberger Hauptbahnhof stranden vor allem Reisende der Regionalbahn 20. Und ohne Züge ist es ausgesprochen schwierig, von dort wegzukommen. Denn eine Buslinie verkehrt nur außerhalb des regulären Bahnbetriebs. Taxis sind gefragter denn je. Einen Kilometer fern liegt die an diesem Morgen ausgesprochen gut frequentierte Haltestelle Atsch Dreieck mit Busverbindungen in die Innenstadt und nach Aachen.

 

Die Euregiobahnen nach Alsdorf, Altstadt und Weisweiler stehen an den Bahnsteigen, eine weitere Traktion steht im Güterbahnhof. Eine einzelne Lok „parkt“ auf der Strecke in Richtung Köln. Nur noch wenige Reisende sind gegen 11.40 Uhr anzutreffen. Nach einem Besuch bei seiner Freundin in Stolberg wartet der 35-Jährige Andreas Schüberichs ab, ob sein Zug nach Alsdorf vielleicht doch noch fährt. Nach einem Besuch des Museums Zinkhütter Hof hocken Schüler und Lehrkräfte einer Aachener Schule, die explizit nicht genannt sein will, in einem Triebwagen. Peu à peu sammeln Eltern die Kinder per Auto ein. Eher unerwartet ruhig ist es im Bahnhofskiosk. „Erst mit der Einstellung des Bahnbetriebs kommen die ersten Kunden“, sagt Janina Vroomen.

 

Darunter ist auch eine Büsbacherin. Mit Freunden in Köln treffen und nach Hamburg weiterreisen – das ist der Plan, der an diesem Tag wohl scheitern dürfte. Stefan Domes hat nach einem Konzertbesuch in Aachen bei der Stolberger Familie übernachtet und will eigentlich heim nach Rüdesheim. Ein gestrandeter Stolberger Elektroingenieur ist auf dem Weg zur Uni in Duisburg, findet im Kiosk nun aber unerwartet in Johannes Autenrieh einen Gesprächspartner zum Fachsimpeln. Der arbeitet bei der CAE, ist eigentlich auf dem Weg zu einer Vorlesung in Aachen, um anschließend in die Steinfurt zurückzukehren. Jetzt preist er erst einmal freie Stellen in dem Elektronikkonzern an.

 

Evakuiert wird gegen 10.40 Uhr der Energieversorger EWV nach einem Brandalarm. Kaum haben die rund 200 Mitarbeiter den Heinrich-Böll-Platz als Treffpunkt erreicht, zerscheppern vor der Eckbebauung Dachziegel auf der Zweifaller Straße. Der Einsatz der Feuerwehr ist langwieriger; Linienbusse müssen angesichts der Sperrung der Zweifaller Straße ungewohnte Umleitungen durch die Altstadt fahren. Die Brandmeldung selbst ist ein Fehlalarm – ebenso wie später im Berufskolleg am Obersteinfeld, wo Klassenräume kurzzeitig verlassen werden müssen.

 

Nahe der Tankstelle an der Prämienstraße stürzt kurz nach 10 Uhr ein Straßenbaum auf die Fahrbahn der Kreisstraße 13. Zwei Stunden später muss die Feuerwehr erneut dorthin. Diesmal sind es Ziegel vom rückwärtigen Dach eines Hauses neben einer Pferdewiese.

 

Derweil stehen Bewohner eines Siedlungshauses an der Atscher Hermann-Löns-Straße kopfschüttelnd vor einem umgestürzten Leitungsmast, der noch aus der Nachkriegszeit zu stammen scheint. Von der gekappten Stromversorgung betroffen ist aber lediglich eine Straßenlaterne am Ende der Sackgasse; die Energieversorgung der Gebäude ist längst unterirdisch verlegt. Die Feuerwehrleute packen die Steckleitern aus und kappen die Stromdrähte. Findige Stolberger haben vorsorglich zur Entleerung bereitgestellte Müllgefäße mit Kabelbindern an Zäunen befestigt. Andere müssen die Tonnen nach dem Sturm aus dem Straßengraben fischen. Altpapier fliegt in einigen Stadtteilen in größerem Ausmaß auf die Fahrbahnen, damit aber an der Oststraße das Kunststoffdach eines Stellplatzes nicht auch davonfliegt, greift vorsorglich die Feuerwehr ein.

 

„Friederike ist harmloser als Burglind“, konstatiert nach einer ersten Bilanz Stolbergs Förster. Wurden am 3. Januar rund 4000 Festmeter Holz Opfer des Sturms, sind es diesmal nur gut 500 Festmeter. „Aber auch die wollen erst einmal aufgearbeitet sein“, sagt Theo Preckel. Derweil kündigt Markus Stammler schon einmal an, dass in der kommenden Woche ein weiteres Sturmtief Stolberg treffen könnte...

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

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