Dunkelstes Kapitel der Geschichte

Tswi Josef Herschel aus Israel erinnert vor Kurs des Goethe-Gymnasiums an die millionenfache Ermordung von Juden . Vortrag auf Niederländisch.

Foto: C. Hahn
Foto: C. Hahn

Das werden die Schüler des Goethe-Gymnasiums am Lerchenweg auf der Liester so bald nicht vergessen: Tswi Josef Herschel (74), Israeli mit Wurzeln in den Niederlanden, versteht es, mit dem Holocaust eine der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte mit besonderer Eindringlichkeit darzustellen.

 

Wie aus ihm ein Henkie, dann ein Herman und schließlich wieder ein Tswi Josef wurde und wie das alles mit der systematischen Ermordung von Juden durch die Nazis und ihre Handlanger zusammenhängt: Das hat er in seiner ersten Muttersprache vor rund 50 jungen Frauen und Männern im Oberstufenalter erzählt.

 

Allesamt kamen die Zuhörer aus Niederländisch-Kursen der Schule. Das machte die Verständigung leicht, denn Herschel, 1942 in Zwolle geboren, hielt sowohl den Vortrag als auch die an- und abschließende Diskussion in seiner ersten Muttersprache.

 

Dabei verstand es der Gast ganz ausgezeichnet, im ganz Persönlichen seiner Kindheit das große Ganze der Holocaust-Tragödie fühl- und sichtbar zu machen. Mit dem „Kindheitskalender“, gezeichnet von seinem 1943 im Todeslager Sobibor 27-jährig ermordeten Vater, in dem dieser Comicstripartig Bilder einer glücklich jüdischen Kindheit mit Bar Mitzwa und allem, was dazu gehört, entworfen hat.

 

Fakten – die der didaktischen Aufbereitung des Geschilderten zugrunde lagen. Also ein bewegender Vormittag in der Aula, in der die Schüler rund um den Referenten einen Halbkreis aus Stühlen gebildet hatten.

 

Fakten – die gab es von Tswi Herschel gleich zentnerweise. Dass seine Eltern bei ihrer Ermordung erst 27 beziehungsweise 24 Jahre alt waren, der Vater Buchhalter, die Mutter als „internationale Telefonistin“ ein mehrsprachiges „Fräulein von Amt“: Das erfuhren die Stolberger Junioren ebenso wie Einzelheiten des Weges in die rettenden Arme von christlichen Flüchtlingsfamilien oder Details der Übersiedlung nach Israel mit dem eigenen Segelboot anno 1986.

 

Fast noch wichtiger als die Informationen mit Tatsachen war dem heutigen Dozenten der International School Of Holocaust Studies an der Gedenkstätte Yad Vashem in Tel Aviv die Vermittlung von ethischen Positionen – auch und gerade auf der Ebene von Gefühlen: „Wenn ich an Eltern denke, denke ich an Willem und Margie de Jong“, erinnerte Herschel sich an die Pflegeeltern und berichtete zugleich, dass er – als ganz junger Säugling von seinen richtigen Eltern getrennt – seine leibliche Mutter und seinen leiblichen Vater überhaupt nicht gekannt hat. Anfangs habe er, durch die Folgen des Holocaust aus seinen sozialen Zusammenhängen gerissen, seine Religion nicht gekannt: „Ich wusste nicht, was Judentum ist.“

 

Fast noch wichtiger schien es dem Gast zu sein, seinen Zuhörer bestimmte Geisteshaltungen förmlich einzuimpfen, Haltungen wie: „Ohne Kenntnis der Geschichte kannst du deine Zukunft nicht bestimmen und begehst fürchterliche Fehler.“

 

Aus den eigenen Erfahrung lag ihm der Kampf gegen jegliche Form von Ausgrenzung am Herzen: „Diskriminierung ist ein Krebs, ein Gift“, schärfte er den Gymnasiasten ein.

 

Äußerst lebendig und freimütig verlief auch die anschließende Debatte nach dem Vortrag. Ob so etwas wie der Holocaust sich wiederholen könne? Klare Sache: „Die Gefahr besteht“, räumte Herschel ein und sagte wie zur Begründung: „In den Niederlanden sind jüdische Schulen eine Festung.“ Und dann noch mal die Warnung: „Denkt nicht, dass das nicht noch mal passieren kann!“

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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