Wie alt ist Stolberg denn nun wirklich?

In diesem Jahr feiert die Stadt ihr 900-jähriges Bestehen . 800 Jahre Geschichte 1956 begangen. Bald 1000. Jubiläum fällig?

Foto: Altena
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800, 900 oder gar 1000 Jahre? Wie viel Jahre zählt ein Jahrhundert in Stolberg? 62, würden einige antworten, die sich an das Stadtjubiläum von 1956 erinnern. Ein zweiwöchiges Festprogramm mit einem aufwendigen Festzug als Höhepunkt machten dieses Jubiläum kurz nach dem Krieg zu einem unvergesslichen Ereignis der Kupferstädter Geschichte. Als „800-Jahr-Feier“ haben sie Zeitgenossen im Gedächtnis und runzeln die Stirn, in diesem Jahre nun die 900-Jahr-Feier zu erleben, ohne zum erlauchten Kreis der Methusaleme zu gehören.

 

Nein, auch in Stolberg zählt ein Jahrhundert genau einhundert Jahre. Der Fehler hat sich woanders eingeschlichen. Am 16. September 1856 verlieh die Preußische Regierung der Stolberger Gemeindeverwaltung das Stadtrecht. Und jenes war zum Anlass seiner hundertjährigen Wiederkehr Grund der großen Feierlichkeiten 1956. Überall wurden die Festivitäten mit „100 Jahre Stadt Stolberg“ überschrieben. Lokalhistoriker Franz Willems beschäftigte sich eingehend mit Stolbergs Dynastiegeschichte und war Kenner der mittelalterlichen Urkunden, die Stolberg und seine Herren erwähnten. Man wusste genau um die damals 838-jährige Existenz Stolbergs, die erstmals 1118 durch eine Urkunde zu erschließen ist. Als offiziellen Untertitel wählte die Stadtverwaltung abrundend „800 Jahre Geschichte“. Verkürzt wurde aus „100 Jahre Stadt Stolberg“ und „800 Jahre Geschichte“ im Sprachgebrauch ein „800-jähriges Stadtjubiläum“. Eine Urkunde der Kanzlei Kaiser Friedrich Barbarossas hat einen Verkauf von Gütern an den Kölner Erzbischof Arnold durch Wilhelm von Stalburg zum Inhalt. Diese einzige Kaiserurkunde, die Bezug zu Stolberg hat, wurde just am 17. September 1156 erstellt. Sie war also 1956 genau 800 Jahre alt.

 

Aber Stolbergs Geschichte währte ja schon länger. Am 30. September 1118 trat Reinardus von Stalburg ins Licht der Geschichte, da er die Gründung des St.-Georgs-Stifts in Wassenberg als Zeuge begleitete.

 

Der September scheint für Stolberg ein bedeutungsvoller Monat zu sein, sieht man diese drei bedeutenden Akte der Stadtgeschichte. Aber die Astrologie wollen wir hier nicht bemühen und auch nicht die Numerologie. Das Geschehen des Jahres 1118 war schon dem Regionalhistoriker Christian Quix bekannt, der das als Abschrift erhaltene Schriftstück in der „Geschichte der ehemaligen Reichs-Abtei Burtscheid […] nebst Urgeschichte der Stadt Aachen, des Fleckens Stolberg [...]“ im Jahr 1834 erwähnte.

 

1956 also wirklich nichts Neues. 800 Jahre Stolberg wäre 1918 zu feiern gewesen, doch das letzte Jahr des Ersten Weltkrieges ließ nun wirklich keinen Raum für Feierlichkeiten, die auch vermutlich nie angedacht waren. Die Urkunde von 1118 sagt aus, dass es in diesem Jahr einen Herrn von Stalburg gab, der sich nach seiner Burg nannte, die auf dem Kalksteinfelsen gestanden haben muss. Aber wann sie erbaut worden war, bleibt unbekannt.

 

Johann Adam Schleicher schrieb 1847 in seinem Büchlein „Das Stolberger Schloß“, dass er im Jahr 1801 lateinische Dokumente in der Abtei Kornelimünster gesehen hätte, die Stolberg schon 1044 erwähnten. Bisher lässt sich dies nicht bestätigen. Sollte jedoch jemand demnächst dieser Urkunden noch fündig werden, könnten wir theoretisch bereits in 26 Jahren „1000 Jahre Stolberg“ feierlich begehen. Nun steht erst einmal mit Recht das 900-Jahr-Jubiläum an, das übrigens das erste Mal ist, dass die Stadtgeschichte, nicht das Stadtrecht zum Anlass besonderer Feierlichkeiten genommen wird.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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