Strom von nebenan lässt auf sich warten

Nach einem Jahr ihrer Gründung hat die EWV-Bürgerenergie noch kein Projekt realisiert. Windkraft abgehakt, Solarparks in Planung.

Das hatte sich Franz-Josef Türck anders vorgestellt. Vor einem Jahr hatte der Ingenieur für die EWV die Bürgerenergie eG mit Sitz in Stolberg gegründet. Die Genossenschaft sollte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien realisieren, an denen sich Menschen aus der Region beteiligen können. Trotz positiver Resonanz von Bürgern konnte noch kein Wind- oder Solarprojekt umgesetzt werden.

 

Grund dafür ist unter anderem eine Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes, die am 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist. Demnach werden nicht mehr alle erneuerbaren Energien mit Zuschüssen pro Kilowatt staatlich gefördert, sondern nur noch ausgewählte Projekte, die in Ausschreibungen ermittelt werden. „Die erneuerbaren Energien sind fit genug, sich dem Wettbewerb zu stellen. Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb einer neuen Erneuerbare-Energien-Anlage fordert, wird gefördert“, heißt es auf der Internetseite der Bundesnetzagentur.

 

Windkraft ist damit für die EWV-Bürgerenergie, die gerade noch am Anfang steht, zu risikoreich, sagt Türck. Denn ohne die Garantie eines staatlichen Zuschlags, ist ein Windprojekt schwer zu kalkulieren. Es ist nicht nur mit sehr hohen Kosten verbunden, sondern auch mit Entwicklungszeiten von mehr als drei Jahren, in denen sich der Strompreis noch stark verändern kann. Es könnte also nicht gewährleistet werden, dass das Geld an die Anleger zurückfließt.

 

Dabei schreibt die Bundesnetzagentur auf ihrer Seite weiter: „Am Wettbewerb sollen möglichst viele verschiedene Betreiber teilnehmen können – von großen Firmen bis zu Bürgerenergiegesellschaften.“ Das sieht der EWV-Ingenieur anders: „An den Ausschreibungen können nur wenige große Firmen teilnehmen. Echte Bürgergenossenschaften sind da raus.“

 

Seiner Meinung nach legt die Landes- und Bundespolitik den Bürgergenossenschaften viele Steine in den Weg statt sie zu unterstützen. So gibt es einige Rahmenbedingungen, die die Umsetzung von Energie-Projekten einschränken und komplizierter gestalten – und das nicht nur im Bereich der Windkraft.

 

Dieses Thema hat sich für die EWV-Bürgerenergie erstmal erledigt. Stattdessen liegt der Fokus nun auf Freiflächen-Photovoltaik mit Solaranlagen etwa in der Größe von Fußballfeldern. Denn diese Projekte sind deutlich übersichtlicher und auch ohne staatlichen Zuschuss umsetzbar. Die Kosten dafür liegen bei etwa 800 000 Euro. Die durchschnittliche Beteiligung eines Bürgers seien 2000 Euro. Also wären 400 Beteiligungen erforderlich, um das Projekt zu realisieren. Türck sieht darin kein Problem, viele Bürger hätten bereits ihr Interesse gezeigt.

 

Denn im Gegensatz zu Windparks ist die Toleranz für Solaranlagen deutlich höher, sagt Türck. Als die EWV-Tochter „Green“ 2015 einen Windpark im Laufenburger Wald errichten wollte, legte der Stadtrat angesichts „massiver Widerstände“ der Bürger die Bauleitplanung zu den Akten. Solarparks dagegen würden weder die Landschaft stark verändern, noch Lärm erzeugen oder Schatten werfen, sagt Türck. Die Planung und Realisierung eines Solarparks soll ein Jahr dauern. Nach einem weiteren Jahr erhalten die Anleger schon ihre erste Rendite, sagt Türck. Bei einer Investition von 2000 Euro würden rund drei Prozent dessen – das sind 60 Euro – als Gewinn herausspringen.

 

Ein überschaubarer Betrag. Das sei aber nicht das Wichtigste, glaubt der Initiator des Projekts. Es komme vielmehr darauf an, dass die Bürger etwas für ihre Umwelt tun können. Bei einer repräsentativen Umfrage des Projektes „Regionaler Dialog Energiewende Aachen“ im September stimmten 95 Prozent der Befragten dem Ausbau Erneuerbarer Energien zu. Knapp 86 Prozent befürworteten Photovoltaikanlagen auf Frei- und industriellen Brachflächen.

 

Franz-Josef Türck sieht in der Regionalisierung des Stroms einen Trend: „Die Menschen wollen zukünftig nicht mehr den Strom aus dem Ausland, sie wollen den Strom von nebenan.“ Daher sollen auch als erstes die Bürger, die im Umkreis eines zukünftigen Solarparks wohnen, gefragt werden, ob sie sich beteiligen möchten. Denn die werfen auch mal einen Blick auf die Anlage und schauen nach dem Rechten, glaubt Türck.

 

Doch bevor überhaupt ein Solarpark entstehen kann, muss ein Standort her. Allein die Suche nach geeigneten Flächen ist mühsam, sagt Türck. Ein Jahr lang hat er in 26 Kommunen aus den Kreisen Düren, Heinsberg und der Städteregion versucht, Standorte ausfindig zu machen. Dabei bestehen Vorgaben: Die Flächen müssen entweder entlang von Autobahnen oder Schienenstrecken liegen oder in Industriebrachen. Die gibt es in Stolberg zu genüge, doch einige dieser, beispielsweise Breiniger, Gebiete dienen heute als Naturflächen. Flächen, die zwischen Dörfern liegen, sind in den Regionalplänen als Grünzüge geschützt. Nach Abstimmung mit Stadt und Flächennutzungsplan blieben von 15 potenziellen Arealen nur wenige übrig, die in Privatbesitz sind. Die EWV befindet sich in ersten Verhandlungen mit den Eigentümern.

 

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
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