Ein Weg, der nicht immer ganz leicht ist

Auf ihrer Reise durch Stolberg erleben die Sternsinger viele Überraschungen. 80 Kinder sind unterwegs.

Foto: Laura Laermann
Foto: Laura Laermann

Pünktlich um 9 Uhr setzt der Regen ein. Ausgerechnet dann, als die Sternsinger sich auf den Weg machen. Doch das nasse Wetter hält Carolin Heinen, Benedikt Merzbach, Jule und Sören Hansen nicht ab. Die vier Stolberger haben nämlich eine Mission: Sie möchten anderen Kindern auf der Welt helfen.

 

Treffpunkt ist die Kirche St. Lucia. Von hier aus zieht die Gruppe gemeinsam mit Betreuerin Birgit Dümenil-Hansen los. Doch vorher werfen sich die Sternsinger in Schale. Schließlich repräsentieren sie die Heiligen Drei Könige, die nach christlichem Glauben durch den Stern von Betlehem zu Jesus geführt wurden.

 

Kurz wird noch der Text geprobt, den sie heute noch mehrmals aufsagen müssen, dann geht es los: Die Burgstraße hinunter führt ihr Weg erstmal an der Europastraße entlang und den Jordansberg hinauf. Am ersten Haus angekommen, ist die Nervosität zu spüren. Als sich nach einigen Minuten die Haustür öffnet, werden die Sternsinger hinein gebeten. Nach der Reihe sagt jeder seinen Text auf. Hier und da hakt es noch, aber Anlaufschwierigkeiten gehören dazu, weiß Sören aus acht Jahren Erfahrung als Sternsinger: „Erstmal ist man aufgeregt. Man geht den Text nochmal schnell im Kopf durch. Aber wenn man dann dran ist, läuft es gut.“ Der 13-Jährige kennt mittlerweile alle Texte auswendig. Auch die Strecke hat er längst verinnerlicht und weiß genau, was ihn wo erwartet – auf ein Haus freut er sich schon ganz besonders.

 

Aber zunächst geht es auf dem Jordansberg weiter. Der hat es in sich: Für die fünfjährige Carolin, die an diesem Morgen genau wie der zehnjährige Benedikt zum ersten Mal mitgeht, ist es gar nicht so leicht, Schritt zu halten. Und das schon am Anfang, als den Sternsingern noch viele Kilometer und Stunden im Regen bevorstehen. Insgesamt sind rund 35 Adressen auf dem Plan aufgelistet. Jeder Bewohner kann sich vorher bei der Pfarre melden, falls er einen Besuch wünscht. Wenn trotzdem mal keiner öffnet, werfen die Sternsinger eine Mitteilung ein.

 

Doch sie haben Glück. Die meisten Menschen öffnen ihnen ihre Haustüren und freuen sich über den Besuch. „Es ist ein schöner alter Brauch, der zeigt, dass nicht nur alte Leute hinter der Kirche stehen, sondern auch Kinder für ihre Glaubensinhalte eintreten“, sagt Jürgen Brillo. Auch seine Frau Nicole Brillo hält die Arbeit der Sternsinger für sehr wertvoll: „Mit der Aktion zeigt die Kirche Präsenz und stärkt den Kontakt zwischen Bürgern und Gemeinde.“

 

Für Jule Hansen ist aber ein anderer Grund noch viel wichtiger: „Ich möchte mit meiner Arbeit anderen Kindern auf der Welt helfen,“ sagt die 15-Jährige. Das Geld, das die Sternsinger an den Häusern sammeln, fließt nämlich unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kinderarbeit“ an Hilfsprojekte Indien, organisiert vom Kindermissionswerk „Sternsinger“.

 

Jule, die ebenfalls seit acht Jahren dabei ist, weiß, wie wichtig, ihr Engagement ist. „Wenn wir es nicht machen, übernimmt kein anderer unsere Aufgabe.“ Denn um den Nachwuchs könnte es bei den Sternsingern besser stehen. Im Bistum Aachen machen in diesem Jahr insgesamt 18 000 Kinder mit, eine stolze Zahl, die aber immer mehr zurück geht. In Stolberg waren in diesem Jahr 80 Kinder dabei. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das gar nicht so schlecht, meint Petra Morschel, Gemeindereferentin in St. Lucia, aber: „Es wird immer schwieriger, Nachwuchs zu finden. Viele Eltern beschäftigen sich nicht mehr mit der Kirche und kennen diese Tradition gar nicht.“ Mit Werbung an Schulen, auf Aushängen, in der Zeitung und über Mundpropaganda versuchen die Gemeinden Kinder zu erreichen. Viele fänden es „uncool“ als Sternsinger unterwegs zu sein, weiß Morschel. „Die Gesellschaft verändert sich nun mal.“

 

Carolin, Benedikt, Jule und Sören haben jedenfalls Spaß an ihrer Arbeit und dieses Gefühl wollen sie auf ihrem Weg weitergeben. Der führt die Sternsinger viele Treppen herauf und wieder herunter, durch Vorgärten, in Hausflure und Wohnzimmer. Überall sprechen sie ihren Segen aus und schreiben die Segensbitten mit Kreide an die Häuser oder lassen einen Aufkleber dort. Meist ziehen sie nicht nur mit einer Spende davon, sondern bekommen auch Schokolade und andere Leckereien geschenkt. Das ist dann sozusagen der Lohn für den weiten Weg, den sie gegangen sind. Am Ende des Tages wollen sie ihre süße Beute dann aufteilen.

 

Doch nicht an jeder Haustüre werden die Sternsinger geschätzt. Ein junger Mann öffnet kurz die Türe und verabschiedet sich hastig mit: „Sorry, ich bin krank.“ Doch Jule und Sören haben schon ganz anderes erlebt: „Einmal hat uns ein Mann beschimpft und die Türe zugeknallt.“ Das sind dann die unangenehmen Momente, die aber auch zur Arbeit der Sternsinger dazugehören.

 

Zum Schluss geht es dann in ein Haus, auf das sie sich jedes Jahr besonders freuen. Die 95-jährige Ida Maria Engelmann bittet die Kinder in ihr Wohnzimmer und zeigt ihnen wie jedes Jahr ihre riesige handgefertigte Krippe – für die Sternsinger das Highlight ihrer Reise.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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