Premiere geglückt und Tradition gerettet

Als Choriade ist das Gemeinschaftskonzert der Chöre wieder ein „heißes Eisen“.

Foto: Dirk Müller
Foto: Dirk Müller

Die Premiere ist geglückt und damit eine Traditionsveranstaltung im Rahmen des städtischen Kulturprogramms gerettet und für die Zukunft gut aufgestellt. Ein Gemeinschaftskonzert der Stolberger Chöre vor vollen Rängen hat es lange nicht mehr gegeben – unter neuem Namen und der Regie des Stadtverbands der musikausübenden Vereine ist eben dies bei der Choriade gelungen. Wobei freilich eingeräumt werden muss, dass die Kapazität des neuen Schauplatzes Museum Zinkhütter Hof mit 320 Plätzen deutlich überschaubarer ist als die Größe der Stadthalle, in der das Gemeinschaftskonzert bisher stattgefunden hat.

 

Die Vorteile des Ortswechsels wurden indes schnell deutlich: Dicht gefüllte Publikumsreihen und keinerlei Probleme mit Beleuchtung oder Ton kamen der Choriade ebenso zugute wie schnellere Wechsel der Chöre dank kürzerer Wege. Musikalisch zeigte das 62. Gemeinschaftskonzert der Stolberger Chöre auch in dem neuen Gewand der Choriade eindrucksvoll die große Bandbreite der Chormusik in der Kupferstadt. Populäre Melodien, Klassik, Volkslieder, Spirituals, geistliche Lieder und Musicalmelodien standen auf dem internationalen Programm.

 

Für den ersten Clou des kurzweiligen Abends war der Neue Chor Donnerberg zuständig, dessen Leiter Reinhold Rüttgers das gemischte Ensemble dem Publikum singend vorstellte. Der Chor legte gefühlvoll nach, indem er unter anderem „Hallelujah“ aus der Feder des vor rund einem Jahr gestorbenen kanadischen Weltstars Leonard Cohen intonierte. Nach einer ebenfalls romantischen Darbietung einer Musicalmelodie von Andrew Lloyd Webber präsentierte der Neue Chor Donnerberg sich dann temperamentvoller mit von Dieter Frommelet als „O mia bella Italia“ arrangierten italienischen Volksweisen.

 

Kaum war der lautstarke Beifall für den Neuen Chor verebbt, verzauberte der Büsbacher Männergesangverein (MGV) die Zuhörer. Unter dem Dirigat von Josef Otten und von Theo Palm am Flügel begleitet sangen die Herren zunächst das von Otten arrangierte „Slava“ – ein ansprechendes Medley russischer Volkslieder. Der Büsbacher MGV überzeugte dabei mit Können und mit spürbar viel Seele. Das hohe Niveau hielt der Chor auch bei irischen Volksliedern wie dem „Mistrel Boy“ und steigerte es noch bei dem Gospel „Amazing Grace“, der für Gänsehaut im Auditorium sorgte.

 

Voller dynamischer Harmonie und regelrecht kraftstrotzend beendete der MGV seinen Beitrag zur Choriade mit dem vermeintlich schottischen Lied „Highland Cathedral“, das tatsächlich 1982 von den deutschen Komponisten Ulrich Roever und Michael Korb geschrieben wurde. Während das Publikum noch frenetisch applaudierte, machte sich wieder ein gemischtes Ensemble auf, um das nächste klangvolle Kapitel der Choriade aufzuschlagen. Der von Klaus Weiß geleitete Kammerchor der Volkshochschule begeisterte die Zuhörer mit traditionellen amerikanischen Spirituals, die Josef Otten arrangiert hatte.

 

Ob besinnlich und ehrfürchtig wie bei „Steal away“ und „Deep River“, fließend wie bei „Swing low“, beschwörend wie bei „Go down, Moses“ oder temporeich und energiegeladen wie bei „Joshua fit the Battle of Jericho“ – der Kammerchor der VHS brillierte im Zinkhütter Hof und demonstrierte dabei zudem den Facettenreichtum der Spirituals. Dementsprechend lange und laut waren die Ovationen der Zuhörer.

 

Ganz andere geistliche Musik brachte der Männergesangverein Mausbach zu Gehör: Unter der Leitung von Markus Platzbecker und von Gunter Antensteiner am Flügel begleitet, erfreuten die Sänger das Publikum mit „Ave Maria“ von Josef Rheinberger und mit „Lobe den Herren“ von Carl Stein. Danach füllte sich die Bühne noch mehr, denn der von Antensteiner dirigierte MGV der Siedlergemeinschaft Donnerberg gesellte sich zu den Mausbacher Herren. Zusammen intonierten die Männerchöre zur Flügelbegleitung von Misun Kim-Antensteiner Lieder wie „Seele des Weltalls“, „Zerfließet heut“ und „O Isis und Osiris“. Dieses Gemeinschaftsprojekt tat den Freimaurer-Gesängen von Wolfgang Amadeus Mozart hörbar gut, denn die Herren glänzten mit Harmonie, Gefühl und Kraft. Doch wie schon zuvor die Mausbacher bewiesen auch die singenden Siedler vom Donnerberg noch mit zwei alleine dargebotenen Liedern ihr Können.

 

Dieter Bohlens „We have a dream“ sangen die Siedler mit dem deutschen Text von Otto Groll und rissen das Publikum mit, als sie mit „Hallelujah (sing ein Lied)“ an die israelische Popgruppe „Milk and Honey“ erinnerten, die mit der Sängerin Gali Atari 1979 den heutigen „Eurovision Song Contest“ gewann. Bei aller Frische des neuen Formats Choriade und der vielfältigen internationalen Literatur gestalteten alle Sängerinnen und Sänger das Finale des 62. Gemeinschaftskonzerts traditionell und auf echte Stolberger Art: Sie ließen zusammen mit dem Publikum das Lied vom „Lustigen Hammerschmied“ erklingen und sangen „Schmiede das Eisen, so lang‘ es noch warm ist“. Und wenn das Gemeinschaftskonzert auch zu erkalten drohte, hat der Abend gezeigt, dass die Veranstaltung als Choriade wieder ein „heißes Eisen“ ist.

 

Quelle: Super Mittwoch

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