Kirchenkreis blickt zufrieden, ermutigt und gestärkt auf Reformationsjahr zurück

Bilanz zum 500. Reformationstag: In Zukunft noch engere ökumenische Zusammenarbeit.

Foto: Caren Braun
Foto: Caren Braun

Mit dem Reformationstag am 31. Oktober endete auch im Evangelischen Kirchenkreis Aachen eine annähernd fünfjährige Vorbereitungszeit auf das große Jubiläum. Die Resonanz am Jubiläumstag war für die Veranstalter in den Gemeinden überwältigend: Insgesamt feierten mehrere tausend Gottesdienstbesucher im Kirchenkreis Aachen den Tag mit Fest-Gottesdiensten, Konzerten und Gemeindefesten. In vielen Kirchen, unter anderem an der Annakirche in Aachen, der Finkenbergkirche in Stolberg und der Evangelischen Kirche Hellenthal, erschienen so viele Interessierte, dass nicht mehr für alle Platz war. Bei der Kreissynode in Stolberg hielten die Abgeordneten eine Rückschau auf das vergangene Jahr. Für den Beauftragten des Kirchenkreises Aachen für das Reformationsjubiläum, Pfarrer Jens-Peter Bentzin aus Monschau, waren die zurückliegenden Jahre arbeitsintensiv. „Ein 500-jähriges Reformationsjubiläum erlebt man nur einmal. Dass ich das als Pfarrer für den Kirchenkreis mit begleiten konnte, habe ich als großes Geschenk erlebt“, sagt er. Gemeinsam mit Kollegen und Ehrenamtlichen entwickelte er eine Vielzahl von Ideen, koordinierte Projekte, suchte und unterstützte Mitarbeitende. Vor allem das vergangene Jahr sieht er als ein ganz besonderes an: „Im Jubiläumsjahr haben wir uns und unsere alte Kirche teilweise noch einmal erfrischend neu und experimentierfreudig bereichernd erlebt! Das Fest wurde so für viele zu einer Art Jungbrunnen.“

 

Auch Superintendent Hans-Peter Bruckhoff äußerte sich auf der Kreissynode zufrieden über den Verlauf des Reformationsjubiläums. Sehr gefreut habe es ihn, so Bruckhoff, mit welch großem Interesse auch Kirchenferne verfolgten, wie Christinnen und Christen über ihren Glauben, ihre Geschichte und ihre Identität ins Nachdenken kamen und sich von ihm zum Handeln und zum Feiern inspirieren ließen. „Außerdem war es eine gute und richtige Entscheidung, dass wir das Reformationsjubiläum gemeinsam gefeiert haben – im Kirchenkreis, im „Kleeblatt“ der vier Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen, in den Nachbarschaften und Partnerschaften und in der Ökumene.“ Durch die Zusammenarbeit zwischen den Kirchenkreisen sei ein Netzwerk entstanden, in dem es nun einen regeren Austausch und viele neue Bekanntschaften gebe.

 

Als Jubiläums-Beauftragter war Pfarrer Bentzin unter anderem mit für die Organisation der Pilgerwege, des Festes der Begegnung und der Reformationssynode zuständig, rief aber auch viele Gemeindeaktionen ins Leben. Dabei konnte er feststellen, welche Formate am besten angenommen wurden: „Mein Eindruck: Je näher – thematisch und räumlich – die zahlreichen Veranstaltungen bei den Menschen waren, desto besser und nachhaltiger war die Akzeptanz und Resonanz“, meint Pfarrer Bentzin. „So beeindruckend sicherlich die Großereignisse auf EKD- bzw. auf nationaler Ebene waren –zum Beispiel der Kirchentag in Berlin und Wittenberg – manche im Vorfeld geschürte Erwartung an die zu erzielende Besucherzahl hat sich dort offenbar nicht erfüllt.“

 

Im Kirchenkreis Aachen hingegen war es anders: „Wo Menschen bei uns vor Ort in den Gemeinden des Kirchenkreises und in der Nachbarschaft direkt ins Gespräch kamen und Teil des Festes, der Pilgerwege oder der Gottesdienste werden konnten, hat es immer wieder auch überraschend große Teilnehmerzahlen gegeben“, stellte er fest.

 

Persönlich habe er ungeheuer viele „Highlights“ in den vergangenen Monaten erlebt. Eine Veranstaltung werde ihm aber besonders in Erinnerung bleiben: „Das festlich-lebendige Abendmahl mit an die 200 Jugendlichen in der Stadtkirche Monschau im Rahmen des experimentellen Jugendgottesdienstes im Juli war für mich selbst das bewegendste Erlebnis“, erzählt Pfarrer Bentzin. „Einen weiteren für mich unvergesslichen Moment gab es bei der Reformationssynode in Mönchengladbach-Rheydt Anfang September. Dort haben Christen aus vier Erdteilen miteinander in einer Stunde der besonderen Geistesgegenwart eine „Schlusserklärung“ verabschiedet, die unser Kirchesein vor Ort und weltweit mit neuen, kräftigen Impulsen versehen wird.“

 

Gerade diese Begegnung mit Protestanten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und anderen europäischen Ländern habe gutgetan, sagt der Reformations-Beauftragte. Und fügt selbstkritisch hinzu: „Die unter uns immer wieder feststellbare Tendenz zur Provinzialität und Selbstmarginalisierung konnten wir dort gemeinsam überwinden. Das hat uns geholfen, auch für die Zukunft noch mehr Geschmack daran zu finden, zu der einen, weltweiten Kirche zu gehören, die sich von Gottes Wort immer wieder anregen, korrigieren und aufbauen zu lassen.“

 

Der Kirchenkreis sichert nun die Erfahrungen aus dem Jubiläumsjahr und blickt nach vorne. Eine große Herausforderung für die Zukunft sei, so sagte Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, erkennbar christliche Stimme zu sein in einer Welt, die sich weiter säkularisiert und differenziert. Dabei helfen könnten insbesondere die zahlreichen ermutigenden Impulse zur engeren ökumenischen Zusammenarbeit und zur Wiederherstellung der Einheit der Christen, sagte er. „Zum ersten Mal seit 500 Jahren haben wir das Reformationsjubiläum in diesem Jahr nicht so gefeiert, dass wir unsere protestantische Identität durch Abwertung der Katholiken stärken“, sagte Bruckhoff. „Im Gegenteil! In diesem Jahr ist eine wunderbare ökumenische Dynamik entstanden – auf internationaler Ebene ebenso wie hier bei uns.“ Nach dem Willen des Papstes und der Protestanten gelte es nun in den kommenden Jahren eine gemeinsame, verbindliche Erklärung über die zwischen den Kirchen noch strittigen Fragen - das Abendmahl, die Kirche und die Ämter - zu erarbeiten und zu verabschieden.

 

Quelle: Super Mittwoch

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