Ein Prinz, für den vor Karneval der Schwarzwald kam

Patrick Hass möchte für die Stolberger eine Tollität zum Anfassen sein.

Foto: B. Zilkens
Foto: B. Zilkens

Hauptberuflich ist er Lehrer am Gymnasium Baesweiler, zudem Fraktionsvorsitzender der Stolberger Sozialdemokraten und erfolgreicher Judoka bei Hertha Walheim. Nun kommt auf Patrick Haas noch eine weitere, ganz besondere Aufgabe zu: Als designierter Kupferstädter Prinz beginnt für ihn am Freitagabend die Session im Jugendheim Münsterbusch. Im Interview erzählt der 36-Jährige von seinen ersten Erinnerungen an den Karneval, von seinen Gesangskünsten und er erklärt, was für ein Prinz er für die Stolberger sein möchte.

 

Herr Haas, am Freitag geht es los mit der offiziellen Prinzenvorstellung. Wie ist denn die Stimmung so kurz vor Beginn der Session?

 

Patrick Haas: Eigentlich bin ich nicht bekannt für Nervosität, aber es ist natürlich eine ganz neue Erfahrung. Es wird am Freitag das erste Mal sein, dass mich die Leute als Prinzen wahrnehmen. Viele kennen mich zwar, aber eben in einer anderen Position. Dass ich Prinz kann, das habe ich noch niemandem bewiesen.

 

Gibt es denn etwas, wovor Sie Angst haben?

 

Haas: Wenn ich bei einer Sitzung bin und die falsche Person ehren will oder einen Namen falsch ausspreche. Es ist ja nichts so ernst wie der Karneval, da muss man manchmal echt aufpassen. Aber dafür habe ich mit Reiner Hewing einen Prinzenadjutanten, der mir vorher alles Wichtige sagt, das ist schon sehr befreiend. So etwas wünsche ich mir in der Politik manchmal auch, da bin ich nicht so professionell aufgestellt wie im Karneval (lacht).

 

Der Adjutant spielt also eine bedeutende Rolle…

 

Haas: Reiner wird einer meiner wichtigsten Männer, wenn nicht sogar der wichtigste. Der kommt zu mir nach Hause, zieht mich an – denn so ein Prinzenkostüm kann man sich nicht selbst anziehen. Dann sind wir mit dem Hofstaat bei den Sitzungen, wo er mich unterstützt, aber auch mahnt: „Patrick, ein Bier wäre zwar noch schön, aber wir müssen los!“ Und er hilft mir spätabends auch wieder aus dem Kostüm heraus.

 

Wer hat Sie denn überredet, Prinz zu werden?

 

Haas: Überzeugt wäre das passendere Wort. Sehr viel der Axel Wirth-Müller, der letzte Prinz. Ich habe am Anfang ja gar nicht damit gerechnet, dass ich das überhaupt werden kann, weil ich nie aktiv in einer Karnevalsgesellschaft war. Als die von der KG Erste Große dann gemerkt haben, dass ich doch geneigt bin, haben die mich immer häufiger angestupst. Die ganze Entwicklung dahin lief aber schon während der letzten Session an, und bereits ein Jahr davor haben wir als Hirngespinst darüber geredet.

 

Was muss denn ein Prinz im Kupferstädter Karneval mitbringen?

 

Haas: Man muss das Herz am richtigen Fleck haben. Deshalb freue ich mich sehr auf die Seniorensitzungen, weil das für die Leute oftmals das Highlight des Jahres ist. Da muss man meiner Meinung nach noch mehr geben, so dass die Menschen davon zehren können. Das gilt auch für die Kindersitzungen. Da ist es wichtig, dass man nah dran ist und ein Prinz zum Anfassen ist. Und eigentlich muss man singen können, daran arbeite ich aktuell.

 

Nehmen Sie Unterricht?

 

Hass: Ja, ich finde das ist man dann auch schuldig. Man sollte schon versuchen, die Töne zu treffen. Ich habe zwar keine musikalischen Vorkenntnisse, deshalb ist meine Stimme nicht so trainiert, aber mein Vorteil ist, dass ich ein ganz gutes Rhythmusgefühl habe. Ich weiß, wann ich lossingen und wann ich aufhören muss. Mein Ziel ist es, dass ich das Prinzen-Lied auch live singen kann und nicht nur als Playback.

 

Was sind denn Ihre ersten Erinnerungen an den Karneval?

 

Haas: Das sind ganz schlimme Erinnerungen, denn meine Eltern sind mit mir immer in den Schwarzwald gefahren.

 

Also Sie wollten feiern…?

 

Haas: … und wir waren im Schwarzwald. Ich habe mir dann immer Sitzungen im Fernsehen angeschaut. Als eine Art Ersatzdroge. Aber meine Eltern haben das durchgezogen und meinten, dass wir dann eben zu diesen Umzügen im Schwarzwald gehen. Mein bester Freund wohnt dort in der Gegend und sagte dann: „Bei uns gibt es das doch auch!“. Da habe ich nur gesagt: „Jetzt hör doch auf mit Fassenacht! Das ist doch was ganz anderes, überhaupt nicht vergleichbar mit dem Rheinischen Karneval.“ Irgendwann sind wir dann erst am Karnevalsfreitag in den Schwarzwald gefahren und dann haben meine Eltern es ganz aufgegeben.

 

Wie haben Sie sich früher verkleidet?

 

Haas: Ich hatte selten etwas von der Stange, sowas kostet im Endeffekt auch mehr. Ich hatte meist eigene Ideen und eine Freundin von meiner Mutter, die Schneiderin war, musste dann immer etwas nähen. Es gibt eine ökumenische Karnevalssitzung hier in Stolberg, da bin ich mal als Engel hingegangen, das fand ich ganz nett. Mit zwei Kumpels bin ich mal als Rotkäppchen, Oma und der böse Wolf rumgezogen. Wir haben Streichhölzer gezogen, wer sich wie verkleiden sollte. Ich war der böse Wolf und bin bis heute der Meinung, dass ich am besten weggekommen bin. Das Kostüm habe ich dann auch mal zum Werwolf umfunktioniert, später ist sogar mal ein Löwe daraus geworden.

 

Sie unterrichten Biologie und Chemie am Gymnasium in Baesweiler. Wie waren denn die Reaktionen der Schüler und der Kollegen?

 

Haas: Ich habe tatsächlich viele Schüler, die mir erzählt haben, dass sie im Karneval sehr aktiv sind. Die sind froh, dass sie jemanden haben, der für das Thema ein offenes Ohr hat. Bei den Kollegen feiern zwar viele, es gibt aber auch welche, die gar nichts damit anfangen können. Mein Direktor hat zum Glück Verständnis für die Brauchtumspflege, so dass ich auch mit dem Hofstaat zur Feier der Schülervertretung kommen werde, schließlich bin ich ja auch SV-Lehrer.

 

Die Session ist diesmal recht kurz. Kommt Ihnen das entgegen oder wären Ihnen ein paar Wochen mehr lieber?

 

Haas: Kurz und intensiv finde ich gut. Ich habe auch Bock darauf, an einem Tag mal auf vier Sitzungen durchzustarten. Mir ist es lieber, dass wir ab der Prinzenproklamation am 5. Januar wirklich nur fünf Wochen mit 70 Terminen haben. Über diesen Zeitraum kann man die Spannung hochhalten. Bei mir sind Leute im Hofstaat, die reisen mit der Arbeit und dem Judoclub herum. Da bin ich froh, wenn ich die über so einen Zeitraum alle unter einen Hut bekomme und wir gemeinsam auftreten können.

 

Was für ein Prinz wollen Sie denn für die Stolberger sein?

 

Haas: Ich hoffe, ein Prinz für alle Narren. Niemand, der über den Dingen schwebt, sondern einer, mit dem jeder Mal ein Bierchen trinken kann. Ich habe da auch keine Berührungsängste und hoffe, dass alle ihren Spaß daran haben. Ich finde, dass im Karneval jeder mit jedem feiern kann und genau das ist das Schöne.

 

Am Fettdonnerstag, 8. Februar, zum Start des Straßenkarnevals übergibt Ihnen der Bürgermeister auf dem Kaiserplatz dann den Schlüssel für das Rathaus. Aber als Fraktionsvorsitzender der Stolberger SPD haben Sie doch sicher schon einen Schlüssel?

 

Haas (lacht): Ja, aber noch nicht für alle Zimmer. Da gibt es ja noch das wichtigste und für das brauche ich natürlich auch den Schlüssel – auch wenn es da natürlich nur um die karnevalistische Zeit geht.

 

Information:

  •  Traditionell eröffnet das Karnevalskomitee der Stadt Stolberg mit der Vorstellung des Prinzen die neue Session. Im Rahmen einer kleinen karnevalistischen Sitzung verabschiedet das Komitee zuerst die scheidende Tollität und stellt dann den Prinzen für die Session 2017/18 vor. In diesem Jahr findet die Prinzenvorstellung am Freitag, 10. November 2017 im großen Saal des Jugendheimes Münsterbusch statt. Einlass ist ab 18.45 Uhr, Beginn der Veranstaltung ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Zum Schunkeln und Mitsingen werden unter anderem „De Karamba Männcher“ mit ihren Liedern das Publikum zum Mitsingen und Schunkeln animieren. Leider wird dieser Auftritt einer der lezten Auftritte sein. Nach 33 Jahren auf der Bühne ist die Band auf ihrer Abschiedstournee unterwegs.
  • Am 11. November ist auf dem Alter Markt die Prinzentaufe, Beginn ist um 18 Uhr.

 

Quelle: Super Mittwoch

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.