Auf einem neuen Pferd durch Zweifalls Straßen

Zum 15. Mal verkörpert Friedel Roehl in Zweifall den St. Martin. Ihm ist es wichtig, an die guten Taten des Heiligen zu erinnern. Aus diesem Grund hat das Fest auch nach wie vor seine Daseinsberechtigung. Keine Angst vor Pferden.

Fotos: Ute Roehl/sonja essers
Fotos: Ute Roehl/sonja essers

In Zweifall gibt es in diesen Tagen allerhand zu tun. Dort laufen die Vorbereitungen für den St.-Martins-Umzug am kommenden Freitag. Das Holz für das Martinsfeuer muss abgeholt und die Schokolade für die kleinen Zugteilnehmer eingekauft werden. Fehlen darf natürlich auch nicht St. Martin selbst. Der wird seit 15 Jahren von Friedel Roehl verkörpert. Im Interview mit Sonja Essers verrät er, warum ihm das Reiten keine Sorgen macht und erklärt, warum in jedem Feuerwehrmann auch ein Stück von St. Martin steckt.

 

Herr Roehl, in Zweifall verkörpern Sie St. Martin. Wie kam es dazu?

 

Roehl: Mein Vorgänger hat sich damals entschieden, nicht mehr den St. Martin zu verkörpern. Meine Mitstreiter haben mir gesagt, dass ich diese Aufgabe unbedingt übernehmen muss. Das war zwei Tage vor dem Umzug. Ich bin also ins kalte Wasser geschmissen worden. Und nun darf ich mich schon zum 15. Mal auf´s Pferd setzen (lacht).

 

Was muss vor dem Umzug noch alles erledigt werden?

 

Roehl: Das Holz für das Martinsfeuer muss organisiert werden, beim Bäcker müssen die Weckmänner abgeholt werden und die Schokolade muss besorgt werden.

 

Zu Ihren Aufgaben während des Zuges gehört nicht nur das Reiten.

 

Roehl: Genau. Wenn wir am Martinsfeuer angekommen sind, halte ich vom Pferd aus eine Rede. Die schreibe ich jedes Jahr ein wenig um und dann gibt es für die Kinder die Martinsgabe. Das sind Weckmänner – allerdings ohne Pfeife. Darauf verzichten wir seit einigen Jahren, weil sie oft im Müll landen. Und dann gibt es für die Kinder noch Schokolade.

 

Bevor es soweit ist, geht der Umzug erst einmal durch den Ort. Wie ist der Ablauf an diesem Abend?

 

Roehl: Treffpunkt ist immer gegen 18 Uhr auf dem alten Schulhof in Zweifall. Gegen 18.15 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Zweifall ist räumlich gesehen ziemlich groß. Deshalb gibt es drei Zugstrecken, die wir reihum abklappern. In diesem Jahr ist die Schart dran. Es gibt noch den Ortskern und die Straßen rund um die Werkstraße. So müssen die Zweifaller, deren Häuser mal nicht am Weg liegen, auch nicht vergebens schmücken.

 

Die Häuser werden extra für den Umzug geschmückt?

 

Roehl: Ja. Die Leute in Zweifall ziehen immer super mit und unterstützen uns jedes Jahr tatkräftig. Das kann beim Schmücken der Häuser sein oder bei der Haussammlung. Das ist richtig klasse.

 

Wenn Sie von „uns“ sprechen, wen meinen Sie damit?

 

Roehl: Die Arbeitsgemeinschaft Zweifaller Vereine. In ihr bin ich seit vielen Jahren Mitglied und mittlerweile auch Vorsitzender. Dazu gehören vier Vereine: Der Löschzug Zweifall der Freiwilligen Feuerwehr, die Schützen, das Spielmannskorps und der Taubenverein. Aus jedem Verein werden Leute rekrutiert, die sich um die Veranstaltungen kümmern.

 

Welche Veranstaltungen sind das?

 

Roehl: Mittlerweile sind es nur noch zwei: der St.-Martins-Umzug und das Aufstellen des Maibaumes. Ursprünglich waren es drei. Da gehörte noch eine Veranstaltung am Volkstrauertag zu. Sie hat keinen Anklang mehr gefunden. Irgendwann kamen kaum noch Besucher. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber uns entschlossen, dass wir sie fallen lassen und uns mehr um die anderen beiden kümmern.

 

Da fällt mit Sicherheit auch genügend Arbeit an, oder?

 

Roehl: Bei den Vorarbeiten gibt es einiges zu leisten. Das fängt an mit den Haussammlungen. Wir teilen uns in Teams ein und gehen fünf verschiedene Strecken ab. Das sind drei Stunden an drei Abenden.

 

Zurück zum Umzug. Von wem werden Sie als St. Martin begleitet?

 

Roehl: Da sind drei musizierende Vereine: die Spielkorps aus Zweifall und Breinig und das Heimatecho Steckenborn. Das Zweifaller Spielkorps führt den Umzug an. Dahinter sind Familien mit Kleinkindern oder Kinderwagen. Das haben wir bewusst entschieden, weil sie die Schwächsten im Glied sind und das Tempo vorgeben sollen. Dahinter reite ich. Der Schlusspunkt findet auf dem neuen Schulhof statt. Dort hatten wir vor einigen Jahren das Problem, dass wir aufgrund des Erweiterungsbaus eine neue Stelle für das Martinsfeuer finden mussten. Das hat aber gut geklappt. Wenn wir dort ankommen, brennt das Feuer natürlich schon. Darum kümmern sich die Mitglieder des Löschzuges Zweifall, die während des Umzugs alles für das Feuer vorbereiten. Mit Kakao und Glühwein lassen wir den Abend ausklingen.

 

Wie treten die Kinder Ihnen als St. Martin gegenüber?

 

Roehl: Es gibt immer welche, die eher abgebrüht sind und sagen, dass ich nur ein verkleideter Mann bin. Manche Kinder malen aber zum Beispiel auch Bilder. Das ist für mich immer faszinierend. Ob Kinder begeistert sind, sieht man ihnen direkt in ihren Augen an. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, daran zu erinnern, wer er war und was er gemacht hat.

 

Und wie stehen Sie Festen wie Halloween gegenüber?

 

Roehl: Für Kinder ist Halloween eine tolle Sache. Mich stört, dass die Polizeipräsenz an diesem Abend immer sehr hoch ist. Für die Polizei ist dieser Abend einer der einsatzträchtigsten im ganzen Jahr. Das gehört doch nicht dazu. Das Martinsfest hingegen ist ein friedliches Fest. Derartige Auswüchse gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass St. Martin immer Gutes getan hat. Vielleicht liegt er mir deshalb auch so am Herzen. Ich bin selbst Oberbrandmeister und Rettungsassistent und der Meinung, dass in jedem Feuerwehrmann auch etwas von St. Martin steckt. Auch heute werden diese Ideale noch verkörpert, deshalb hat dieses Fest auch nach wie vor seine Daseinsberechtigung.

 

Ist die Arbeit für Sie und Ihre Mitstreiter nach dem Umzug erledigt?

 

Roehl: Nach dem Umzug steht die Auswertung der Sammlung an und dann ziehen wir Resümee, ob alles gut gelaufen ist. Im Frühjahr setzen wir uns zusammen, um das Aufstellen des Maibaumes zu planen und dann geht es wieder an die Planung für den St.-Martins-Umzug. Da muss die Zuggenehmigung eingeholt und die Verträge mit den musizierenden Vereinen müssen gemacht werden.

 

Haben Sie Schwierigkeiten Mitstreiter zu finden?

 

Roehl: Wir treffen uns drei oder vier Mal im Jahr. Und der Arbeitsaufwand ist überschaubar. Man muss aber feststellen, dass die Bereitschaft in den einzelnen Vereinen nicht mehr allzu groß ist, etwas zu tun. Aber, wenn man nur ein Mal etwas nicht mehr macht, findet es nie mehr statt. Das haben wir in Zweifall selbst erlebt. Nicht nur beim Volkstrauertag. Zwei Mal im Jahr hat in Zweifall eine Kirmes stattgefunden. Eine davon wurde zum Oktoberfest und ist irgendwann auf der Strecke geblieben. Das finde ich sehr schade.

 

Glauben Sie, dass dem St.-Martins-Umzug ähnlich gehen könnte?

 

Roehl: Die Kinder in Zweifall ziehen mit. Zu meiner Grundschulzeit war vieles anders. Damals hat man als Kind selbst Holz angekarrt, damit es ein großes Feuer gibt. Damals ist auch die Lehrerschaft mit den einzelnen Klassen im Umzug mitgegangen. Das war aber auch eine ganz andere Zeit.

 

Haben Sie keine Angst, wenn Sie auf dem Pferd sitzen?

 

Roehl: Nein. Ich bin immer gespannt, wie das Pferd reagiert, wenn die Musik zum ersten Mal einsetzt. In diesem Jahr habe ich ein neues Pferd. Aber bisher hat immer alles super geklappt.

 

Muss nur noch das Wetter mitspielen. Haben Sie sich die Prognosen schon angeschaut?

 

Roehl: Das ist mir zu früh. Ich habe ja noch einen Umhang um. Der schützt ganz gut vor Kälte. Mittlerweile habe ich ein neues Kostüm. Das Alte haben wir an die katholische Kirche in Zweifall gegeben. Wir sind auch schon im Regen unterwegs gewesen, dann haben wir den Zugweg abgekürzt. Man muss schließlich auf die Kinder Rücksicht nehmen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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