Politikverdrossenheit wird der Kampf angesagt

In Stolberg soll eine „Demokratie-Werkstatt“ zu mehr Begegnung und Beteiligung anregen.

Foto: B. Zilkens
Foto: B. Zilkens

Als Ahmet Ekin 1980 nach Stolberg kam, war er noch ein Teenager. Lange Zeit habe er sich nicht für politische Belange in der Stadt interessiert, gibt er offen zu. „Aber irgendwann hat es Klick gemacht und dann habe ich mitgemacht.“ Mittlerweile ist Ahmet Ekin Vorsitzender des Stolberger Integrationsrats. Dass sich weiterhin viele Menschen mit ausländischem bzw. Nicht-EU-Pass nicht für Politik interessieren, hat aus seiner Sicht einen einfachen Grund: „Viele sind nicht wahlberechtigt. Aber ich finde, dass jeder, der in Deutschland einen festen Wohnsitz hat und seit einer gewissen Anzahl an Jahren hier lebt, auch die Möglichkeit haben sollte, zur Wahl zu gehen.“

 

Schon wird die Präsentation des Konzepts der „Stolberger Demokratie-Werkstatt“, für deren Durchführung Stolberg nun bis Ende 2018 den Zuschlag von der Landeszentrale für politische Bildung bekommen hat, direkt zu einer Werkstatt in kleinem Rahmen. Unter dem Titel „vielfältig und miteinander im Viertel“ liegen die Schwerpunkte des Projekts in Unter- und Oberstolberg und in Münsterbusch. „Dort gibt es die größten sozialen Schieflagen und die Menschen vor Ort wissen am besten, wo der Schuh drückt“, begründet Stolbergs 1. Beigeordneter Robert Voigtsberger die lokale Fokussierung. „Das Projekt soll dazu genutzt werden, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen, weil dies eine wichtige Grundlage für das Zusammenleben ist.“ Die Demokratie-Werkstatt will aber noch einen Schritt weiter gehen.

 

Die Menschen in den Quartieren sollen erreicht, ermutigt und dazu qualifiziert werden, ihre Interessen wahrzunehmen und vertreten zu können. Also bei der Demokratie konkret mitmachen. „Diese ist nämlich nicht selbstverständlich und funktioniert nicht von alleine“, unterstreicht Leo Jansen, Sozialplaner bei der Stadt Stolberg. Bei dieser Mission helfen sollen „Brückenbauer“. Zum Beispiel Menschen wie Rolf Ahlendorf, der Flüchtlingen nicht nur ehrenamtlich Deutschunterricht gibt, sondern sich vom Arztbesuch bis zum Asylantrag um viele weitere Dinge kümmert. „Meiner Meinung nach sollten das viel mehr Stolberger tun, sonst hat man überhaupt kein Gefühl für deren Leben und Probleme. Und man selbst erfährt durch die intensive Auseinandersetzung sehr viel und entwickelt die eigene Denkweise weiter.“ Brückenbauer sind auch die Helferinnen des Vereins „Frauen für Frauen in Stolberg“, die bei alltäglichen Problemen unterstützen, sich um die Sprachkompetenz von Migrantinnen kümmern und so dazu beitragen, dass diese selbst soziale Kontakte knüpfen können. Von der Demokratie-Werkstatt erhoffen sich die Initiatoren, noch viel mehr dieser interkulturellen Brückenbauer zu entdecken und zu aktivieren.

 

Neben dem Herzogenrather Nell-Breuning-Haus ist die Stolberger Volkshochschule, die sich seit vielen Jahren im Bereich der Integration engagiert, mit an Bord. „Für uns ist das ein ganz neuer Ansatz in der politischen Bildungsarbeit, weil von unten Menschen aus verschiedenen kulturellen Milieus direkt zusammengebracht werden. In Zeiten von Demokratie- und Politikverdrossenheit und von steigendem Misstrauen gegenüber Medien tut politische Bildung dringend Not“, betont VHS-Leiterin Elfriede Lechthaler.

 

Die Fäden des Projekts sollen bei Dr. Judith Schuler zusammenlaufen. Sie will ab sofort Ideen aufgreifen und unterstützen, Menschen miteinander in Kontakt bringen, Verbindungen herstellen und ein Netzwerk aufbauen. Geplant ist unter anderem ein Ausflug zum Landtag nach Düsseldorf. „Und künstlerische Aktivitäten, denn das ist auch etwas, das die Kulturen miteinander verbindet“, sagt sie.

 

Zum Schluss der Präsentation des Projekts will auch Idajete Redzepi von „Frauen für Frauen in Stolberg“ noch ein Anliegen vorbringen. „Bei Freizeitangeboten für Kinder ist zu viel Bürokratie im Spiel“, bemängelt sie. „Viele müssen erst beantragt werden und kosten Geld. Es sollte mehr Angebote für Kinder ohne diese Hürden geben“, fordert sie. An Themen für die Stolberger Demokratie-Werkstatt mangelt es offensichtlich nicht. Das findet auch Ahmet Ekin, der eine konkrete Hoffnung mit dem Projekt verbindet: „Wenn sich die Demokratie für alle öffnet, interessieren sich vielleicht auch wieder mehr Leute für Politik.“

 

Information

  • Projektmitarbeiterin Dr. Judith Schuler ist erreichbar unter Tel. 0157/87901303 oder per Mail an judith.schuler@nbh.de

 

Quelle: Super Mittwoch

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