Die Angst vor fremden Kulturen nehmen

Die „Demokratie-Werkstatt“ hat sich für Stolberg viel vorgenommen. Das Projekt wird bis 2018 gefördert. Integration fördern.

Foto: V. NogaJ
Foto: V. NogaJ

Demokratie leben, Begegnungen verschiedener Milieus schaffen und interkulturelles Zusammenleben fördern – das sind die Ziele, die Stolberg schon jetzt im Hinblick auf eine „soziale Kupferstadt 2030“ umsetzen möchte. Gelingen soll das politische und kulturelle Miteinander im Rahmen der „Demokratie-Werkstatt“, einem Projekt, das die Volkshochschule Stolberg gemeinsam mit dem Nell-Breuning-Haus (NBH) in Herzogenrath begleitet und unterstützt.

 

Demokratie, wie geht das eigentlich? Was für viele Bürger als selbstverständlich erscheint, ist in der Praxis gar nicht mal so einfach. Sozialplaner Leo Jansen erklärt: „Demokratie muss genau so gelernt werden wie ein Handwerk, wie Kochen oder Backen.“ Die Demokratie-Werkstatt, von der Landeszentrale für politische Bildung NRW bis Oktober 2018 bezuschusst, soll dabei helfen.

 

Warum das so wichtig ist, erklärt der Beigeordnete Robert Voigtsberger: „In Stolberg kommen 117 verschiedene Nationalitäten zusammen, das heißt, 8000 Menschen, etwa 14 Prozent aller Stolberger, haben einen ausländischen Pass.“ Der Anteil an Bürgern mit Migrationshintergrund sei noch deutlich höher. „Deshalb ist es wichtig, das Zusammenleben, politisch sowie kulturell, in den Vierteln zu verbessern.“

 

Geschehen soll das durch gemeinsame Freizeitaktivitäten, Projekte und Gespräche. Eine Wichtige Anlaufstelle sind hierbei die „Brückenbauer“: Das sind Stolberger, die selbst erst vor einigen Jahren in die Kupferstadt gezogen sind oder einen Migrationshintergrund aufweisen. Zu ihnen gehört Ahmet Ekin. Der gebürtige Türke ist Vorsitzender des Integrationsrates Stolberg und weiß, woher bei vielen Bürgern die Politikverdrossenheit rührt: „Die Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, würden sich gerne bei den Wahlen beteiligen oder ein Mitspracherecht erhalten“,sagt er, „In der Realität wird es ihnen leider zu lange verwehrt.“

 

Ekin habe sich deshalb selbst lange Zeit nicht für Politik interessiert. Jetzt habe sich das aber geändert, er will etwas bewegen. „Ich bin dafür, dass jedem, der seit einer gewissen Zeit in Deutschland lebt, zumindest ein Kommunalwahlrecht zugesprochen wird“, sagt er. Das ist auch Saida Hamadache wichtig. Die studierte Informatikerin kam in den Achtzigern aus Algerien nach Deutschland und hat ihren weiteren Bildungsweg aufgegeben, um ihre Töchter großzuziehen. Dass ihre Kinder jetzt selbst studieren, macht Hamadache stolz. „Wir sind auch ein Teil der Gesellschaft und können uns integrieren“, sagt sie.

 

Umso wichtiger sei es ihr deshalb, dass ankommende Flüchtlinge die deutsche Sprache erlernen, in die Schule gehen können und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Menschen, die wie Hamadache einen Migrationshintergrund aufweisen, können dabei helfen: „Wir müssen Brücken bauen, damit die Einheimischen keine Angst haben vor anderen Kulturen und Religionen. In dem Verein „Frauen für Frauen in Stolberg“ (FFFIS) ist das schon Realität. Hamadache: „Wir arbeiten dort mit Menschen verschiedener Herkunft und Glaubensrichtungen zusammen. Gemeinsam wird zum Beispiel einmal im Monat gefrühstückt oder es werden Ausflüge geplant“. Diese bestehenden Projekte fördert die Demokratie-Werkstatt jetzt weiter. Auch neue Projekte seien herzlich willkommen, sagt Projektmitarbeiterin Judith Schuler: „Wir fangen erstmal klein an, und dann wird sich die Demokratie-Werkstatt sicher zum Selbstläufer entwickeln.“ Wer also weitere Ideen oder Anregungen für neue Projekte und ein interkulturelles Miteinander hat, kann sich bei Judith Schuler melden unter judith.schuler@nbh.de.

 

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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