Schneeballwurf wird mit Arrest bestraft

Das Stadtarchiv verfügt über Dokumente aus dem Schulleben in Stolberg zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Schüler reagieren während des Krieges zu langsam bei Fliegeralarm. Nach dem Kriegsende bereiten sie Ärger.

Foto: Stadtarchiv
Foto: Stadtarchiv

Oftmals ist die räumliche und organisatorische Distanz zwischen Schulen und Stadtverwaltung so groß, dass nicht bekannt ist, dass nicht mehr benötigte Schulakten gemäß Archivgesetz dem Kommunalarchiv abgabepflichtig sind. Neben Glück ist immer Aufklärungsarbeit gefragt, um historische Dokumente sichern und der historischen Bildungs- und Forschungsarbeit zuführen zu können.

 

Aber nun zur heutigen Akte unserer Serie: Sie beinhaltet Meldungen und Rundschreiben der Schulleitung von 1943 bis 1949. Seite für Seite gibt das Dokument Aufschluss über die normalen Geschehnisse des Schulalltags zu dieser Zeit.

 

Schneeballwerfen wird mit Arrest bestraft oder Ballspiel auf dem Kaiserplatz verboten, wo das Gymnasium bis 1978 ansässig war. Aber die Kriegsjahre bergen eine besondere Dramatik: Regelmäßig wird die Schulleitung informiert über Freiwilligenmeldungen und Einberufungsbefehle ihrer Schützlinge, die sich binnen weniger Tage in weit entfernten Kasernen einzufinden hatten.

 

Oder die akribische Organisation des Luftschutzes, in dessen Zuge die Schüler bei Luftalarm die Schutzkeller aufzusuchen hatten. „Es ist beobachtet worden, dass bei Luftwarnung und Fliegeralarm Schüler […] sich sehr langsam [in den Luftschutzraum außerhalb der Schule, Anm. d. Autors] begeben haben“, heißt es in den Akten.

 

Nach Hunderten für die Heimatstadt folgenlosen Alarmen herrschte wohl bald Gelassenheit ob der Ferne des Kriegsgeschehens. Was die Begeisterung dafür wecken sollte, waren regelmäßig organisierte Vorträge von Frontkämpfern, U-Boot-Offizieren oder Parteifunktionären.

 

Zur Altstoffsammlung für kriegswichtiges Material motivierten Kinokarten für definierte Sammelmengen, wie die Akte verrät. Dort im „Lichtspielhaus“ sorgte die Wochenschau für Indoktrination im Sinne des NS-Regimes.

 

Am 10. Juli 1944 endet dieser Abschnitt der Akte mit der Ankündigung der Sommerferien. Der Krieg hatte Stolberg im Herbst fest im Griff.

 

Das nächste Blatt ist auf den 11. Oktober 1945 datiert. Man findet sich im befriedeten Schulalltag, einer aber weiterhin schweren Zeit, wieder. Im Gebäude am Kaiserplatz war das Gymnasium für die Jungen und das Lyzeum als höhere Mädchenschule untergebracht. Neben der Organisation der Schulspeisung bieten aber vor allem Beschwerden über „das Zuspätkommen der Schüler vor der 1. Stunde“ oder „erheblicher Beschädigungen an Einrichtungsgegenständen“ eine Vorstellung des Schullebens vor 70 Jahren.

 

Das Betreten des Stadtgartens war den Schülern wegen „unliebsamer Vorkommnisse“ untersagt worden. Schulleiter Dr. Schoy ließ 1948 verlauten: „Es ist […] erstaunlich, dass die Schüler nicht aus eigenem Schicklichkeitsgefühl das Rauchen im Bereich der Schule unterlassen können, wie es bedenklich erscheint, auf welchem Wege sie bei dem augenblicklichen Mangel an Rauchwaren in den Besitz so vieler Zigaretten zu gelangen wissen.“ Nun, beim Studium historischer Archivalien ist es immer wieder spannend, welche früheren Verhältnisse für Nachgeborene erstaunlich und welche aber auch allzu bekannt sind.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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