Aus Festung wird ein Aussichtsgebäude

Der Blick zurück: Ursprünglich sollte das Stolberger Wahrzeichen , die Burg, Angreifer abschrecken.

Fotos: Christian Altena
Fotos: Christian Altena

„Hohes Schloss, mit deinen weiten Zinnen, aufgetürmt auf zackigem Gestein“, heißt es im Gedicht Johann Adam Schleichers von 1847 über das Stolberger Wahrzeichen. Und wirklich, unwegsam und schroff zeigte sich bis vor 120 Jahren das Umfeld der Burg. Feinde abhalten sollte die Lage auf dem hohen Felsen. Aber die bürgerlichen Besitzer, beginnend mit Moritz Kraus bis zur Stolberger Bevölkerung, wollten sich eine erlebbare Feste schaffen. Mit Wegen, Treppen und Gängen, um spazieren zu können, wo Angreifer kläglich am Fels gescheitert wären.

 

Ruinös zeigt sich der spitze Turm auf der Fotografie von etwa 1895. Aber nicht Krieg oder Brandschatzung, sondern Moritz Kraus‘ Umbaupläne sind verantwortlich für den ungewöhnlichen Einblick. Die Haube der Renaissance planten seine Architekten abzunehmen, ebenso wie den Treppenturm, der beide Obergeschosse des Turmes zugänglich gemacht hatte. Türen, die ins Leere führen, sehen wir, wo heute der Blick durch aufragende Mauern und einen Vorhang aus Blättern versperrt ist.

 

Ähnlich der Kammer Rapunzels führt heute kein Zugang mehr ins oberste Geschoss, wo einst Amtsstuben der herrschaftlichen Verwaltung ihren Platz gefunden hatten. Vermauert sind die alten Öffnungen. Glasfenster, Kamin, Wappen, Wandvertäfelungen prägten in der Frühneuzeit das Innere dieses repräsentativen Turmes, der übers ganze Vichttal die Herrschaft derer von Efferen darstellte. Nach 1550 war der Turm umgebaut worden, von dem zuvor das Tal ebenso weitblickend durch achtsames Auge und geladenes Geschütz kontrolliert wurde.

 

Warum die Stube über dem „Bürgermeisterzimmer“, dem „Büro“ des Schultheißen, also des örtlichen Verwalters, nicht mehr betreten werden kann? Kraus hatte den alten Treppenturm gegen einen dominanten Aufzugsturm ersetzt. Mit ihm sollten Burgbesucher von der Plattform oben bis in die Untergründe der Burg fahren können.

 

Und seine ahistorische Form führte beim großen Burgumbau ab 1951 zu seinem Abriss. An einen Ersatz hatte man nicht gedacht. Die dunklen Öffnungen links im aktuellen Bild wie diejenige am Backofen weiter unten hatte man eigens für den Aufzug und verbindende Gänge angelegt. Kreuz und quer sollte man überall hingelangen.

 

Den Umgang, der seit 1986 um die Burg herumführt, hatte Kraus seinerzeit als Durchgang konzipiert, dessen halb verschüttete Eingänge heute zu Spekulationen und Schauermärchen Anlass geben. Aber nie fanden sich dort Verliese oder Fluchtgänge. Spektakulär sollte das Erleben der Burg werden. So gab es eine balkonartige Plattform dort, wo die Bank im Hintergrund erkennbar ist, nur erreichbar durch den dunklen Gewölbegang vom Unteren Burghof aus. „Fremd und neu die traute Burg, … kennen nimmermehr sich wieder“, dichtete Hermann Milde 1924 über eine fiktive, geisterhafte Ritterschar, die traurig durch das Gemäuer wandelt.

 

Viel wurde seit Moritz Kraus umgebaut, vieles verändert. Wie ein Wohnhaus ist eine Burg ein lebendiges Gebilde, dem Wandel der Zeiten und ihrer Menschen unterworfen. Im Mittelalter war ein Burgberg steil und unbewaldet, in der Frühneuzeit nutzte ein solches Burggemäuer der Verwaltung und war Wohnort ohne Verteidigungsnutzen und heute, ja seit einhundert Jahren, will man eine Burg erkunden, erwandern und genießen. Eingehüllt in liebliches Grün mit bequemen Wegen zeigt sich heute, was im vorletzten Jahrhundert noch von abweisender Kargheit gezeichnet war. „Aus den Hallen zieht verstört die Ritterschar, … Ach, sie kommen niemals mehr!“, endet das Gedicht Mildes wie eine längst vergangene Epoche unserer Geschichte.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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Dr. Tim Grüttemeier

 

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